Kleiner Rotwein-Guide für Anfänger

Ein Rotwein ist der beste Begleiter für kalte Abende. Nur – wie behandelt man Rotwein angemessen? Die Sommelière Marie-Anne Raue beantwortete unsere Fragen.

Mmh, lecker! Rotwein schmeckt besonders gut, wenn er 16 bis 18 Grad warm ist

Ist Zimmertempe­ratur wirklich immer die richtige Trinktemperatur für Rotwein?
Früher, als es noch keine Zentralheizung gab, und die Zimmertemperatur eher 16 bis 18 Grad betrug, stimmte diese Richtlinie. Inzwischen sind die Wohnungen deutlich wärmer. Ein Keller ist da eine gute Lösung. Wenn man keinen hat, kann man den Rotwein auch ein paar Stunden kühlen und dann ein, zwei Stunden vor dem Trinken herausnehmen.

Von Rotwein bekommen viele Leute schneller Kopfschmerzen als von anderen Alkoholika. Gibt es dafür eine Erklärung?
Nicht wirklich – manche Menschen scheinen sensibel auf die Histamine zu
reagieren, die Rotwein enthält. Aber ich kann aus meiner Erfahrung
sagen, dass ein qualitativ hochwertiger Rotwein deutlich weniger Kopfschmerzen nach sich zieht. Das heißt nicht, dass der Wein teuer sein muss. Es gibt auch hervorragende Weine ab fünf oder sechs Euro. Und eine
Beratung im Fachhandel hilft natürlich, die richtige Flasche zu finden.


Immer mehr Weine haben Schraubverschlüsse – das ist doch bestimmt ein Zeichen geringer Qualität?

Ganz und gar nicht! Inzwischen verwenden viele sehr gute Winzer, die wundervolle Weine produzieren, Schraubverschlüsse. Auch
für uns im Restaurant ist es von Vorteil: Ich kann einfach sicher sein, dass diese teuren Weine keinen Kork haben.

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Nicht jeder Wein schmeckt "alt" am besten

Gilt bei Rotwein wirklich: je älter desto besser?
Nein, nicht immer. Gerade unter den günstigeren Weinen gibt es viele, die eher "jung" getrunken werden sollten.


Die Flasche wollte gestern Abend einfach nicht leer werden – und nun? Auf dem Tisch stehen lassen?
Gut verkorken und ab damit in den Kühlschrank! Dann hält sie noch ein bis
zwei Tage – danach sind die Aromen wahrscheinlich weg.


"Ihh, der Wein hat Kork!" Was soll das denn bedeuten?
Stellen Sie sich vor, Sie wären in einem muffigen, modrigen Keller, in dem noch ein paar verschimmelte Brotscheiben herumliegen: So riecht ein Wein, der "Kork" hat. Der Geschmack ist dann holzig und modrig. Dieser Weinfehler entsteht durch eine schlechte Korkenqualität oder bestimmte Schimmelpilze.

Am besten dekantiert man Rotwein in einer speziellen Glaskaraffe

Was ist "dekantieren"? Und braucht man dazu wirklich eines dieser merkwürdigen Glasgefäße, oder ginge nicht auch ein Krug?
Dekantieren bedeutet, dass man den Wein langsam in eine spezielle Glaskaraffe gießt. Der Sinn dahinter ist, einerseits Trübstoffe abzutrennen, die sich etwa am Boden abgesetzt haben. Und natürlich, dem Wein Luft zu geben, ihn also schneller atmen zu lassen. Und auch wenn viele Weinspezialisten mich jetzt dafür prügeln möchten – ja, im Grunde reicht für das Dekantieren auch ein bauchiger Glaskrug.


Was heißt das eigentlich, "den Wein atmen lassen"? Und wie macht man das?

Man öffnet einfach die Flasche – so gelangt Luft, also Sauerstoff, an den Wein. Und der öffnet die Gerüche, die Aromen, die ganze Geschmacksvielfalt, die sich
in der Flasche versteckt. Wie lange ein Wein atmen muss, hängt vom Typ ab, das ist ein Erfahrungswert. Lässt man den Wein zu lange offen stehen, kann er auch viele seiner Aromen verlieren.

Tipp
Ob zum Kochen oder für den Punsch: Den billigsten Rotwein sollte man nicht nehmen, denn schlechte Aromen werden weder von Zucker noch von Gewürzen überdeckt. Den teuersten aber auch nicht, weil durch das Erhitzen schon Geschmack verloren geht. Ein Wein, der sich zum Trinken eignet, lässt sich auch gut erwärmen. Für Saucen oder Ragouts sollte man den Rotwein um etwa die Hälfte reduzieren, damit sich sein Geschmack voll entfaltet – dafür ordentlich ohne Deckel köcheln lassen. Dann verlieren sich auch die alkoholischen Noten. Beim Punsch ist es genau andersherum: Höchstens
10 bis 15 Minuten, aber zugedeckt köcheln, danach kurz ziehen lassen.

Von: Katrin Steffens

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