Wochenendtrips im Winter: Komm kuscheln!

Wenn der Winter trüb daherfrostet, braucht man genau das: ein langes Wochenende und einen magischen Ort. Wir haben ein paar Geheimtipps für Sie.

Priesteregg-Chalet, Österreich

Stefanie Hellge, Chefredakteurin

Beim ersten Mal hat es mich schlicht umgehauen: eine perfekte Almhütte mit prasselndem Kaminfeuer, eigenem Hotpot im Garten und morgens unsichtbare Geister, die den Frühstückstisch decken. Mein Mann und ich hatten die Kinder bei Oma und Opa untergebracht und uns das erste kinderfreie Wochenende nach Jahren gegönnt. Noch am zweiten Tag haben wir uns oft angeschaut und gesagt: „Wie toll ist das bitte?“ Hier werden alle Sehnsüchte nach Alpenkitsch-Romantik wahr. Und die Besitzer Huwi und Renate sind so unkompliziert herzlich, dass es sich anfühlt, als habe man sich die Almhütte von Freunden ausgeliehen. Im Bergdorf-Restaurant gibt’s abends Kaiserschmarrn und Spezialitäten von den dorfeigenen Rindern. Eigentlich will man hier nie wieder weg. Leider teuer, aber wir finden bestimmt bald einen neuen Anlass zum Feiern.
Bergdorf Priesteregg, Sonnberg 22, Leogang, Österreich, Tel. +43-6583/82 55 20, www.priesteregg.at, ab 188 Euro pro Person

Erst gegen den Wind stiefeln, dann am Kamin schwitzen – in St. Peter-Ording geht das wunderbar

Dünentherme, St. Peter-Ording

Su Rahtjen, Ressort Look

Wenn es so kalt geworden ist, dass ich nur noch mit Wärmflasche einschlafen kann, hilft ein Trip nach St. Peter-Ording. Im Sommer knattern hier Strandsegler und Lenkdrachen über den riesigen weißen Sandstrand; im Winter sieht man dick eingemummelte Menschen mit roten Nasen an der rauen Nordsee spazieren gehen. Eine davon bin ich. Erst wenn ich so durchgefroren bin, dass ich es kaum noch aushalten kann, löse ich ein Ticket für die Dünentherme und gehe schnurstracks in meine Lieblingssauna: Die Pfahlbauten-Sauna ist ein Holzhaus mit Kamin und großem Panoramafenster auf die wilde, weite Dünenlandschaft. Irgendwo dahinten ist die Nordsee, denke ich, und schauere auf meiner heißen Holzbank wohlig zusammen. Und, siehe da, nach zwei Saunagängen kann ich mich sogar wieder auf den Alltag freuen.
Dünentherme, Maleens Knoll 2, 25826 St. Peter-Ording,
Tel. 04863/99 91 61, Eintritt ab 11,50 Euro,
www.st.peter-ording-nordsee.de

Hamburgs Weißes Haus: das "Vier Jahreszeiten" an der Alster

Hotel "Vier Jahreszeiten", Hamburg

Natali Michaely, stellvertretende Chefredakteurin

Teatime im "Vier Jahreszeiten"? Für Hamburger klingt das wie "Ich bin heute auf einen Earl Grey bei der Queen". Dabei ist das Teeritual im weißen Traditionshaus an der Alster gar nicht snobby, sondern ein kleiner Winterluxus, der mit Eisfüßen und Stimmunsgtiefs versöhnt: Für 39 Euro pro Person sitzt man auf Ledersofas am prasselnden Kamin und bekommt auf feinste englische Art eine Etagere mit Gurkensandwiches, Obstkuchen und Scones zu edlen Teesorten serviert. Durch die große Fensterfront blickt man auf den winterlichen Fluss (der von hier drinnen sogar bei fiesen Graupelschauern hoffnungslos romantisch aussieht), an den Nachbartischen in der holzvertäfelten Halle, die wie eine Schlossbibliothek wirkt, auf Lokalprominenz. Wer sich jetzt eins der teuren Zimmer leisten kann – bitteschön. Alle anderen machen es wie ich, bestellen noch einen Sherry und hören dem Winter beim stilvollen Verstreichen zu … Tipp: Unter der Woche ist man hier oft fast allein und fühlt sich wie Lady Windermere in ihren Privatgemächern.
Hotel Vier Jahreszeiten, Neuer Jungfernstieg 9–14, 20354 Hamburg.
Der 5-Uhr-Tee wird von 14.30 bis 18 Uhr serviert, Reservierungen unter Tel. 040/34 94 33 17. www.fairmont.de/hamburg

Ich bin dann mal weg! In der Klostertherme kann man tagelang abtauchen

Kloster Marienhöh, Hunsrück

Katrin Steffens, Ressort Küche

Allein die Beschreibung der "Kleinen Klostertherme" hatte gereicht, um mich buchen zu lassen. "Einfach fallen lassen – achtsame Engel fangen Sie auf", stand da. Genau so etwas will man hören, wenn der Schneematsch den Großstadtalltag zum Hochleistungssport macht. Im Klosterhotel Marienhöh mögen zwar keine Nonnen mehr durch die Gänge wandeln, aber den Geist der Ruhe spürt man überall: in den kuscheligen Designzimmern, im wunderschönen Spa mit seinen Backsteinmauern, in den stilvollen Restaurants, die wie alles hier Geschichte atmen. Und wenn ich mal gar nicht zu mir finden kann, hilft ganz sicher eine Stunde in der alten Basilika, die man über den Innenhof erreicht. Übrigens: Kinder dürfen auch mitkommen. Aber sie müssen ja nicht ...     
Kloster Marienhöh, Marienhöh 2–10, 55758 Langweiler, Tel. 06786/29 29 90, www.hideawaykloster.de. Im Winter kosten 4 Nächte im DZ mit Frühstück p. P. ab 216 Euro. Zu buchen im Reisebüro oder auf www.jahnreisen.de

Im "Benen-Diken-Hof" auf Sylt würde der Weihnachtsmann auch gern Urlaub machen

Benen-Diken-Hof, Sylt

Christiane Stella Bongertz, Autorin

Es gibt Momente, da wünsche ich mir typisches Schmuddelwetter. Kürzlich auf Sylt zum Beispiel. Am Ankunftstag war die Insel noch in grauen Niesel gehüllt, hatte sich aber über Nacht in ein weißes Schneewunder verwandelt. Diese Entwicklung brachte mich in ernste Konflikte. Sagte das eine Herz in meiner Brust: "Auf zum Strand, du weißt schon, über all das Weiß staunen ..."  Fiel ihm das zweite ins Wort: "Strand! Pah! Da weht der Wind. Bleib hier." Mit "hier" war der "Benen-Diken-Hof" im Dörfchen Keitum gemeint. Schneeweiß verputzte Gästehäuser unter Reetdächern. Ebenso liebevoll wie luxuriös gestaltete Apartments und Zimmer, in die man am liebsten dauerhaft einziehen würde. Lächelnde Menschen, die weiß beschürzt Tee zu frisch gebackenem Kuchen servieren. Und während sich dessen Duft betörend mit dem des Raureifs mischt, sinnt man darüber nach, ob man sich später eine Massage oder eine Gesichtsbehandlung im Spa gönnt. Natürlich erst, nachdem man in der Sauna entspannt oder ein paar Bahnen im Pool gezogen hat. So hatte jedenfalls mein Plan ausgesehen. Und jetzt: dieser unerwartete Schneeeinbruch! Raus? Unschlüssig zählte ich ein paar zottelige Winterschafe. Gastgeber Anja und Claas-Erik Johannsen engagieren das flauschige Saisonpersonal im Sommer regelmäßig als Rasenmäher und Streichelzoo für Gästekinder. Zur Belohnung landen die Lämmer – Ehrenwort! – nicht im Restaurant "Kökken", wo sich der französische Küchenmagier Julien Dherbecourt das Motto "Feinheimisch" auf die Serviette geschrieben hat: Er serviert Köstlichstes aus lokal produzierten Rohwaren. Während mir schon beim Gedanken an das Menü in einigen Stunden das Wasser im Munde zusammenlief, fiel mein Blick auf die E-Räder für Gäste vor dem Hauseingang. Mit denen konnte man trotz Flockenschicht blitzschnell am Strand sein! Und vor allem: auch blitzschnell wieder zurück, wenn die Sehnsucht zu groß wurde. Allerspätestens zum Abendessen.
Romantik-Hotel Benen-Diken-Hof, Keitumer Süderstraße 3–5, 25980 Keitum. Tel. 04651/938 30, www.benen-diken-hof.de, DZ ab 78 Euro p. P. inkl. Frühstück und Wellnessbereichnutzung

Zu Not können Sie hier auch Ihre Hockeymannschaft unterbringen: eine Suite des "Kavaliershauses"

Kavaliershaus am Finckener See, Mecklenburg-Vorpommern

Frank Siegert, Artdirector

Egal ob Winter- oder Großstadtblues, ein Wochenendtrip aufs Land ist für mich immer die richtige Therapie. Und je weniger Ablenkung vor Ort, desto größer der Effekt. Am schönsten wohnt man dazu im "Kavaliershaus" in der mecklenburgischen Prärie, ein munter und modern designtes Suitehotel im historischen Gemäuer. Wo früher die Grafenfamilie residierte und später Schulkinder unterrichtet wurden, kann man sich jetzt auf bis zu unglaublichen 100 Quadratmeter pro Wohneinheit ausbreiten. Steht uns der Sinn nach Aktivität, schluffen wir in unseren weißen Bademänteln durch den Winternebel ums Haus herum in die Sauna. Die besonders Mutigen steigen
danach über den hoteleigenen Badesteg in den eiskalten See. Zur Belohnung machen wir es uns abends in der Wohnung kuschelig, kochen und versacken bei Spielkarten und Wein. Oder wir tun es dem Adel vergangener Zeiten gleich und dinieren auf Gut Ludorf in der Nachbarschaft. Hier wird im Restaurant "Morizaner" jeden Abend die traditionelle Küche Mecklenburgs zu neuem Leben erweckt (glücklich ist, wer reserviert
hat ...). Es lebe das Landleben!
Kavaliershaus, Hofstraße 12, 17209 Fincken, Tel. 039922/827 00,
www.kavaliershaus-finckenersee.de, Suite ab 75 Euro inkl. Frühstück

Schlummern unter dem Schutz Miss Marples

Krimihotel, Hillesheim

Lillian Siewert, Praktikantin

Ein stilechter Wodka-Martini bei James Bond? No problem, im ersten deutschen "Krimihotel" mit seinen 24 Themenzimmern geht das. Filmgetreue Details wie Miss Marples Blümchengardine oder Derricks echte Tränensäcke aus der Maske schaffen eine teils skurille, aber seltsamerweise auch sehr gemütliche Stimmung. Am schönsten versinkt man in einem der knarzigen Chesterfield-Sessel im Klubraum mit einem alten Hercule Poirot. Genügend Lesestoff gibt es allemal, das mittelalterliche Städchen Hillesheim in der Vulkaneifel besitzt mit 26 000 Bänden das größte Archiv deutschsprachiger Krimiliteratur. Hunger? Dann empfehle ich „gewürgte Ente“ oder ein „letztes Süppchen“ während einer menübegleitenden Krimi-Lesung. Eine gute Portion Ent-Spannung ist Ihnen hier sicher.
Das Krimihotel, Am Markt 14, 54576 Hillesheim, Tel. 06593/98 08 96 00, www.krimihotel.de, DZ inkl. Frühstück ab 79 Euro

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