Achtung, Beziehungsfalle!

Wenn die Schmetterlinge im Bauch sich wieder beruhigt haben, geht der Beziehungsalltag los. Wo lauern die typischen Fallstricke für die Liebe?

1. Die Harmoniefalle

Im Märchen streiten Prinz und Prinzessin sich nie. Und wer beneidet  nicht die Paare, in denen beide immer einer Meinung sind – egal, ob es um Kindererziehung, Urlaubsziele oder den Abwasch geht? Aber auch bei Traumpaaren ist, objektiv gesehen, nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen. „Streiten muss man üben“, sagt der Hamburger Paartherapeut Christian Hemschemeier. Dass zwei Menschen immer völlig gleich ticken, ist unwahrscheinlich. Und wenn es doch mal zu Meinungsverschiedenheiten kommt, fehlen den Harmonie-Paaren häufig die Tools, um den Konflikt zu lösen. Dann werden gern mal lang vergangene Kränkungen und Opfer auf den Tisch gepackt, von denen der andere überhaupt nichts mitbekommen hat – weil sie nie offen besprochen wurden.
Das heißt natürlich nicht, dass sich jedes Paar einen Streit pro Woche in den Kalender eintragen müsste. Aber beide Partner sollten ehrlich genug sein, um auszusprechen, wenn sie etwas stört. Dafür kann sich der andere darauf verlassen, dass die Sache damit erledigt ist und nicht Monate oder Jahre später als Zeitbombe die Beziehung sprengt.

2. Die Kumpelfalle

Es ist nun einmal so: Nach Jahren des Zusammenlebens kennen sich die meisten Paare viel zu gut. Er weiß, wie sie nach dem Aufwachen und vor dem Besuch des Badezimmers aussieht, sie hat Bekanntschaft mit seinen verwaschenen Feinripp-Unterhemden gemacht. Und beide finden diese Erkenntnisse eher nebensächlich, weil sie ja gleichzeitig die vielen guten Charaktereigenschaften des anderen schätzen gelernt haben.

Trotzdem: Zu einer Beziehung gehört nun mal auch, dass sich die Partner erotisch voneinander angezogen fühlen. Und das ist schwierig, wenn man den anderen zuhause nur noch in Jogginghose sieht. „Man muss aufpassen, dass man sich nicht gehen lässt“, warnt Paartherapeut Hemschemeier. Das heißt auch, Tabuzonen einzuhalten. Dazu gehört vor allem das Bad: Sich gegenseitig beim Fußnägelschneiden oder Nasenhaarausrupfen zuzusehen muss nicht sein. Und sich ab und zu auch zuhause mal  schick machen, nur für den Partner, ist doch eigentlich ganz schön romantisch!

 

3. Die Kinderfalle

Wenn ein Baby kommt, ist plötzlich nichts mehr wie vorher. Aus einem Paar werden Eltern, die Nächte werden kurz und anstrengend und alle Gedanken kreisen nur darum, ob das Kind genug isst und genug wächst. Für aufregenden Sex oder romantische Stunden zu Zweit da kein Platz mehr. Nach der Vorfreude auf das gemeinsame Kind kann das ganz schön frustrierend sein.
Die schlechte Nachricht: Dass kleine Kinder einen großen Teil des Zeit- und Nervenbudgets ihrer Eltern einfordern, kann man leider nicht ändern. Die gute Nachricht: Die Beziehung verkraftet den Einschnitt, den die Geburt eines Kindes bedeutet, erheblich besser, wenn beide wissen, was auf sie zukommt. „Machen Sie gemeinsam einen Geburtsvorbereitungskurs“, rät Paartherapeut Hemschemeier. „Malen Sie sich ganz konkret aus, wie ein Tag mit dem Kind aussehen wird, wer es wann füttert, wickelt, tröstet und betreut.“ Gespräche mit Bekannten und Kollegen, die schon kleine Kinder haben, helfen, die Situation realistisch einzuschätzen.

4. Die Schweigefalle

Je länger manche Paare zusammen sind, desto weniger haben sie sich zu sagen. Gespräche sind dann nur noch dazu da, um wichtige Informationen auszutauschen: Wer holt die Kinder ab, was muss eingekauft werden, wann ist der nächste Zahnarzttermin? Über das, was sie bewegt, sprechen Paare im Alltagstrubel immer weniger.

Dabei hat man sich doch ursprünglich in den anderen verliebt, weil man seine Ansichten oder seinen Humor mochte. Kitzeln Sie das wieder aus Ihrem Partner hervor! „Ich rate Paaren manchmal zu einem Partner-Blind Date“, sagt Christian Hemschemeier: Einer bereitet eine gemeinsame Aktivität vor, die sie noch nie gemacht haben, zum Beispiel Klettern. Das gibt Gesprächsstoff.

Und wie sieht es aus mit dem Reden über Sex? „Da sind wir von den Medien verdorben“, findet Hemschemeier. Dem anderen eigene Wünsche und Bedürfnisse mitzuteilen sei natürlich wichtig. Aber ganz so exzessiv wie in manchen Filmen oder Büchern muss das Thema in der Partnerschaft auch nicht ausgewalzt werden.

 

5. Die Doppelpack-Falle

Schön, wenn man gemeinsame Freunde und Hobbys hat. Aber schade, wenn es ein Paar nur noch im Doppelpack gibt und das Wort „ich“ komplett durch das „wir“ ersetzt wurde. Der Volksmund weiß ja, dass gleich und gleich sich gern gesellt. Aber er sagt nichts davon, dass zwei Menschen mit ähnlichem Temperament, ähnlichen Meinungen und ähnlichen Hobbys auch jede freie Minute miteinander verbringen müssen.

„Paare sollten sich bewusst Räume schaffen, in denen sie auch mal für sich sind und allein etwas unternehmen“, sagt Paartherapeut Hemschemeier. Das erhält die Neugier auf den anderen – und macht die gemeinsam verbrachte Zeit noch wertvoller.

 

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