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Anke Engelke im Interview: Die Comedy-Lady liebt’s tabulos

Manchmal verlaufen Interviews völlig anders als geplant. Jüngstes Beispiel: ein Gespräch mit Anke Engelke. Eigentlich wollte Laviva-Mitarbeiter Michael Siedenhans mit ihr über die fünfte Staffel von Ladykracher sprechen. Aber es wurde mehr als das. Ein Gespräch über Fußball, Kindererziehung, die Medien und natürlich auch über Ladykracher.

Laviva: Michael Siedenhans, medienfabrik Gütersloh!  

Engelke: Moment mal, wieso melden Sie sich nicht mit Laviva?

Laviva: Weil die Kollegen von Laviva fragten, ob ich Lust auf das Interview mit Ihnen hätte. Normalerweise schreibe ich über Fußball.

Engelke: Da sind Sie ja richtig bei mir. Ich bin FC-Köln-Fan. Wie war denn das Spiel gestern Abend?

Laviva: Das Spiel war okay. Habe aber nur die erste Halbzeit vom Hamburger SV gesehen, danach habe ich meinen Sohn ins Bett gebracht.

Engelke: Was sind Sie denn für einer. Das sollte ich mal machen, nach der Mittagspause einfach nicht ans Set zurückkommen! Wie alt ist denn ihr Sohn? Wie heißt er?

Laviva: Adrian ist vier.

Engelke: Verstehe, dann ist er in der Captain Sharky-Phase.

Laviva: Na klar, Piraten findet er toll. Am Wochenende basteln wir zusammen eine Augenklappe.

Engelke: Oh, dann müssen Sie aber aufpassen, dass Adrian sie nicht zu lange trägt, sonst fängt er an zu schielen.

Laviva: Sie kennen sich ja aus!

Engelke: Na ja, ich habe ja auch einige Kinder und wollte immer Lehrerin werden. Ich habe bis zur Zwischenprüfung Pädagogik studiert.

Laviva: Machen Sie mit Ladykracher nicht auch subversive Pädagogik?

Engelke:
Im Grunde schon. Vermutlich schaffen wir es sogar, dass mehr Eltern über Erziehung nachdenken, wenn sie unsere Sketche sehen, als wenn sie irgendeine lahme Broschüre lesen. Kinder sind oft Thema unserer Sketche, was bestimmt auch daran liegt, dass wir allein in den Abteilungen Regie und Produktion insgesamt 8 Kinder haben. Der Chefautor hat drei und schreibt deswegen wohl intuitiv so, dass die Leute bei den Sketchen dranbleiben und anschließend darüber nachdenken, wie sie mit ihren Kindern umgehen.

Laviva: Aber eine Sendung für Kinder ist Ladykracher nicht?

Engelke: Natürlich nicht! Ladykracher ist keine Kindersendung!

Laviva: Ich habe übrigens köstlich über den Sketch mit der Ballmaschine gelacht …

Engelke: Sie sind ja auch ein Mann. Und wie fanden Sie den Sketch über die Wirtschaftskrise?

Laviva: Sehr aufwändig, eigentlich wäre das mal ein Stoff für einen Anke-Engelke-Film!

Engelke: Natürlich war das sehr aufwändig: Das war ein 18-Stunden-Drehtag. Das hat tierisch Spaß gemacht und ich finde den Sketch wahnsinnig komisch, weil er das Drama Wirtschaftskrise mit dem seichten Genre des Musicals vereint.

Laviva: Mit ihrer Show "Ladykracher" beweisen Sie wieder ihre Hitqualitäten. Für die Sendungen wurden 200 Filme in vier Monaten produziert. Geht man sich nicht irgendwann auf die Nerven?

Engelke: Wie sind Sie denn drauf? Dann wäre ja jeder Büroangestellte sein Leben lang genervt. Frust habe ich bei keinem erlebt. Wir haben den schönsten Job der Welt! Abends gehen wir oft mit einem Lachen nach Hause, weil der Drehtag auch lustig war. Das ist wie beim Fußball. Nach einem Sieg denken die Spieler auch nicht mehr an das harte Training der vergangenen Tage.

Laviva: Ihre Sketche sind manchmal so abgedreht wie bei den legendären Monty Pythons. Stimmt der Vergleich?

Laviva: Absolut! In meiner Familie wurde selten Fernsehen geguckt und wenn, dann meistens Eiskunstlauf, Rudi Carrell, Loriot, das Fußballballett und eben Monty Python. Ich bewundere diesen trockenen englischen Humor, der keine Angst vor Tabus hat und so nah dran ist am echten Leben.

Laviva: Hat sich Ihr Humor eigentlich mit dem Alter verändert?

Engelke: Natürlich. Als Kind habe ich mich weggeschmissen, einfach aus Freude am Albernen. Aber heute weiß ich, warum ich Loriots Nudel- und Kosakenzipfel-Sketche so klasse fand: wegen der feinen Dialoge und des
perfekten Timings. Timing ist wohl das Wichtigste bei der Comedy.

Laviva: Woher kommt eigentlich Ihre große Klappe?

Engelke: Ich habe gar keine große Klappe – zumindest privat nicht. Aber sobald eine Kamera oder ein Mikrofon angeknipst wird, bringt es ja nichts, schüchtern und wortkarg zu sein. Wenn ich mich in einer Rolle wohl fühle, bin ich automatisch authentisch und spontan. Und das gefällt mir.

Laviva: Sind Sie eigentlich ein Medienjunkie wie Ihr Kollege Bastian Pastewka?

Engelke: Überhaupt nicht! Der Fernseher ist bei mir Zuhause die Abendzeitung mit bewegten Bildern. Ein Informationsdienst, nicht das Zentrum des Lebens. Das Leben ist so leer, wenn das TV das Leben bestimmt. So, jetzt muss ich Schluss machen, sonst haben mir die Kinder meiner Freundin mein Mittagessen weggegessen. Viele Grüße an Adrian!

Ladykracher mit Anke Engelke, jeden Freitag um 21.15 Uhr auf SAT.1.

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