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Dog Doc: Beratung rund um den Hund

Laviva-Hundetherapeutin Stefanie Weinrich ist durch den eigenen "Problemhund" zum so genannten "Speechless Dogtrainingsystem" (S.D.T.S.) gekommen. Seit 2007 ist sie hauptberuflich als Problemhundetherapeutin tätig und schreibt auch Fachbücher. Laviva-Leserinnen beantwortet Stefanie Weinrich regelmäßig Fragen rund um den Hund.

Was tun, wenn der Hund auf andere Hunde aggressiv reagiert?

Leserin G. Brune fragt:

Mein Hund, ein Schäferhundmix aus Rumänien, den ich mit ca. zwei Jahren aus dem Tierheim geholt habe, ist eigentlich ein sehr verträglicher und lieber Geselle. Wenn ich ihn nicht an der Leine habe, sind Begegnungen mit Artgenossen gar kein Problem.

Allerdings ist es meist unumgänglich, ihn auch manchmal an die Leine zu nehmen, z.B. an Straßen und innerhalb der Stadt. Dann ist es jedesmal eine Tortour, wenn ein anderer Hundebesitzer mit seinem Hund an uns vorbei läuft. Mein Hund fängt an zu ziehen, bellen - hört sich dann sehr gefährlich an.

Ich habe es schon mit Ignorieren und einfach weiter gehen und auch schon mit zurückziehen und anschreien versucht. Auch mit Ablenken durch Leckerlis komme ich dann nicht weiter, obwohl er ansonsten sehr verfressen ist. Alles das hilft nicht wirklich. Somit ist ein entspanntes Gassigehen leider nur selten möglich.

Insbesondere im Urlaub - ich hatte ihn schon mit im Allgäu und an der Nordsee - ist es dann sehr unangenehm, da ja mittlerweile doch sehr viele Leute mit ihren Hunden unterwegs sind.

Vielleicht können Sie mir einen Rat geben, wie ich mit ihm üben kann, dass er mit der Zeit nicht mehr so auf andere Hunde reagiert, wenn er an der Leine ist?


Sehr geehrte Frau Brune,

vielen Dank für Ihre Anfrage!
 
An der Leine ist das Verhalten Ihres Hundes schlimmer als ohne Leine: Durch das Anleinen fehlt ihm die Fluchtmöglichkeit und er gerät so zwangsläufig nur in die Offensive. In dieser Stress-Situation kann Ihr Hund auch kein Futter annehmen.
 
Wenn Sie Ihren Hund ignorieren, verschlimmern Sie sein Verhalten, denn nichts tun heißt für den Hund: "Es ist okay, was ich tue, denn einer MUSS das Rudel sichern, wenn der Mensch es nicht tut." Wahrscheinlich hat Ihr Hund durch seine Vorgeschichte nicht die besten Erfahrungen mit Artgenossen gemacht, sie stellen eine Konkurrenz für ihn dar.
 
In diesem Zusammenhang stellt sich die berechtigte Frage, ob Ihr Hund nicht bereits eine Fehlprägung erlitten hat, wenn er auf der Strasse aufgewachsen und somit Selbstversorger war. Diese Hunde haben gelernt, unabhängig vom Menschen zu (über)leben. Das bedeutet: In diesem Fall ist die zu erzielende positive Abhängigkeit des Hundes vom Menschen nicht mehr herstellbar und Ihr Hund wird in ähnlichen Stress-Situationen immer in dieses möglicherweise geprägte aggressive Verhalten verfallen.

Eine Verhaltensumkonditionierung ist bei Prägeproblematiken nicht durchführbar.
 
Bitte füttern Sie Ihren Hund nur noch per Hand und lassen Sie ihn für sein Futter etwas tun. Auch sollten Sie ihm Privilegien, wie Freilauf und Zugang zu Spielzeugen etc., für die erste Zeit nicht zugestehen, damit Sie eine positive Abhängigkeit fördern. Ihr Hund muss Gründe bekommen, sich freiwillig an Ihnen orientieren zu wollen. Dies erreichen Sie über die Kontrolle von wichtigen Ressourcen (Bewegungsspielraum, Futter, Spielzeug). Belohnen Sie jeden freiwilligen Blickkonakt, auch zu Hause.
 
Bei Aggressionen kann ich Ihnen aus der Ferne keine Tipps geben, ohne den Hund gesehen zu haben. Eine (unbewusst) falsch durchgeführte Therapie und deren Folgen wären nicht zu verantworten. Daher wenden Sie sich bitte per E-Mail an mein Therapeutenteam unter info@hundewelten.de.
 
Wir müssen Sie und Ihren Hund in entsprechenden Situationen sehen, um Hilfestellung für Ihre Verhaltensänderung geben zu können und um die eventuelle Prägeproblematik zu überprüfen.
 
Ihre Stefanie Weinrich

 

Weitere Tipps rund um die Hundeerziehung finden Sie in der aktuellen Laviva!

Was tun bei aggressivem Verhalten?

Leserin A. Meder fragt:

Mein Hund ist ein Mischling u.a. aus Rauhhaardackel und ist 12 Jahre alt. Schon immer hat er meinen Mann angeknurrt, wenn er in meine Nähe kommt. Am schlimmsten ist es, wenn ich mich im Schlafzimmer bin - ob Tag oder Nacht, er knurrt ihn an. Ich habe alles Mögliche versucht, dass er das nicht mehr macht. Aber je älter er wird, um so schlimmer wird es

Können Sie mir dabei weiterhelfen, was soll ich tun?

 

Sehr geehrte Frau Meder,

es scheint sich um ein kontrollierendes Verhalten zu handeln. Ist der Mensch für den Hund sehr wichtig, versucht dieser, seine Ressource Mensch "zu sichern" vor der "Konkurrenz Ehemann". Dieses Verhalten hat nichts mit Eifersucht zu tun.
 
Bei Aggressionen ist es sehr fahrlässig, aus der Ferne Verhaltenstipps zu geben, eine (unbewusst) falsch durchgeführte Therapie und deren Konsequenzen wäre nicht zu verantworten.

Bitte wenden Sie sich an info@hundewelten.de, damit ich Ihnen einen Therapeuten aus meinem Team in der Nähe empfehlen kann. Hier muss unbedingt vor Ort nach den Ursachen gesucht werden, das Verhalten wird von alleine nicht mehr besser sondern schlimmer.

Auf jeden Fall dürfen Sie das Knurren nicht bestrafen, der Hund hört sonst bald auf zu warnen und beisst demnächst sofort zu. Weisen Sie dem Hund einen festen Platz zu und bestehen Sie darauf, dass er dort bleibt, vor allem im Schlafzimmer. Bauen Sie den Platz positiv mit Futter auf.
 
Sichern Sie die Situation notfalls über einen Maulkorb und eine Leine im Haus ab, damit Ihr Mann nicht verletzt wird und Sie den Hund unter Kontrolle haben. Ich empfehle Ihnen außerdem, Ihren Mann die Hauptaufgaben rund um den Hund übernehmen zu lassen und sich selbst zurück zu nehmen.

Ihre
Stefanie Weinrich

 

Weitere Tipps von der Laviva-Hundetherapeutin lesen Sie in der aktuellen Laviva!

Mein Hund springt Besucher an

Leserin C. Hartman fragt:

Mein Havaneser-Rüde Querido ist sieben Jahre alt. Er begrüßt jeden Besucher, ähnlich wie Sie dies im April-Heft von Laviva beschrieben haben:

Er stellt sich auf die Hinterbeine und berührt meine Besucher mit den Vorderpfoten, dazu bellt er laut und will gestreichelt werden. Das ist je nach Besucher unterschiedlich intensiv und stört die Unterhaltung.

Bitte raten Sie mir, wie ich das Querido abgewöhnen kann!

 

Sehr geehrte Frau Hartmann,

bitte starten Sie mit dem Training wie in der Laviva Ausgabe April beschrieben, und instruieren Sie den Besuch darüber, den Hund nicht mehr anzufassen bzw. zu animieren.

Zusätzlich führen Sie Ihren angeleinten Hund, nachdem die Besucher hereingekommen sind und sich gesetzt haben, auf seine Decke.
 
Legen Sie dem Hund kleine Wurst- oder Käsestückchen auf die Decke zwischen die Pfoten, so dass er einen Grund hat, gerne dort zu bleiben. Bleiben Sie zu Anfang direkt neben ihm stehen.

Nun versuchen Sie sich langsam zu entfernen, für jeden Schritt rückwärts weg von seiner Decke geben Sie ein Stück Futterbelohnung. Wenn Sie irgendwann etwas Distanz aufgebaut haben, können Sie die Futterstückchen auch zuwerfen.
 
Ihr Hund soll lernen, dass es lukrativer ist, auf der Decke zu bleiben statt Besucher zu belästigen und Stress zu haben.
 
Bitte trainieren Sie in kurzen Intervallen und geben Sie Ihrem Hund immer wieder die Möglichkeit, nach Ihrer Freigabe von der Decke herunterzugehen. Gehen Sie mit ihm durch den Raum und dann beginnnen Sie erneut mit den Trainingseinheiten.
 
Ihr Hund wird demnächst gerne und freiwillig auf seine Decke gehen. Alternativ können Sie seine Decke auch mit an Ihren Tisch nehmen. Um Kontrolle über den Hund zu haben, leinen Sie ihn bitte an.
 
Falls sich Ihr Hund vor Aufregung sehr unruhig verhält, bewegen Sie ihn bitte in Ihrer Wohnung an der Leine und bieten Sie ihm Futterstücke aus Ihrer Hand an, jedoch ohne ihn verbal abzulenken. Arbeiten Sie sprachlos.

Kauen in Verbindung mit Bewegung baut bei Hunden Stress ab. Wenn er sich beruhigt hat, bringen Sie ihn auf seine Decke und führen das Training wie zuvor beschrieben fort.
 
Beachten Sie, dass ein Hund niemals angeleint sein darf, wenn er alleine ist, die Gefahr von Strangulierung ist groß.
 
Wenn Sie nicht zurecht kommen, kontaktieren Sie bitte meinen Teamkollegen Herrn Jürgen Kapplehmann aus Frankfurt unter kapplehmann@hundewelten.de.
 
Ihre

Stefanie Weinrich

Mein Hund ist aggressiv gegenüber anderen Hunden

Leser R. Krausch fragt:

Unser Hund Lucky (Belgischer Schäferhund-Mix) ist aggressiv gegen alle Hunde, egal was für eine Rasse und was für ein Geschlecht, ob alt oder jung, groß oder klein.

Zuerst stellt sich das Nackenhaar auf, dann wird geknurrt, und danach geht es gleich zur Attacke über. Da ist es egal, ob er an der Leine ist oder nicht, es gibt immer ein großes Gerangel. Danach vertragen sich die Hunde zwar und spielen, aber beim nächsten Hund passiert dasselbe.

Wir haben auch schon mehrmals die Hundeschule besucht. Der Trainer war der Meinung, es wäre halt so und man sollte Geduld haben, das würde sich nach einiger Zeit geben. Was meint der Trainer mit einiger Zeit? Lucky ist 4 Jahre alt und kastriert, und wir haben ihn vor 2,5 Jahren aus dem Tierheim geholt.

Vielen Dank im voraus!

 

Guten Tag Herr Krausch,

das Verhalten Ihres Hundes ist aus Sicht eines Hundes völlig normal, da er durch
mangelnde Führung und Sicherheit vom Hundehalter die Sache selbst in die
Hand nimmt und daher eigene Entscheidungen treffen muss.

Entgegen der weit verbreiteten Annahme, Hunde "bräuchten" zwingend
Artgenossen für ein artgerechtes Leben, bedeuten solche Situationen sehr oft
Stress für den Hund: Der Artgenosse wird als Konkurrent gesehen, der wohlmöglich die eigene Unversehrtheit, das Rudel (also die Familie), Futter und Territorium/Revier bedroht. Der Hund lebt mit Ihnen als Mensch in einer Rudelgemeinschaft, nicht mit fremden Hunden.

Der Grundstein für dieses Verhalten wird oft in den so genannten Welpenspielgruppen gelegt:

Dort werden Hunde sich selbst überlassen, die Halter werden bei Konflikten
zwischen den Hunden von den Hundetrainern häufig angehalten, die Hunde dies
selbst regeln zu lassen.

Leider ein fataler Fehler mit der Folge Artgenossenaggression.

Welpen werden von starken Welpen/Junghunden gehetzt, gemobbt, unterdrückt
und lernen dabei nur eins: Wenn ich groß bin schlage ich zurück, denn mein
Herrchen hat mich damals schon alleine gelassen.

Genau diese Erfahrung hat Ihr Hund auch schon bei Artgenossenkontakten gemacht, er löst diesen Konflikt bei Kontaktsituationen nun auf seine Hunde-Art.
 
Dieses Problemverhalten kann sich niemals, wie von Ihrem Trainer beschrieben, ändern, die Ihnen empfohlene Vorgehensweise verschlimmert das Problem sogar, da die Ursache nicht behoben und am Symptom gedoktert wird.
 
Ihr Hund lernt nichts Sinnvolles von Artgenossen, sondern bekommt jedes Mal aufs Neue den Bweis: Mein Rudelführer bringt mich in diese Situation, ich muss alleine klar kommen, also übernehme ich nun das Regiment, denn warum sollte ich ihm vertrauen? Mit jedem weiteren Artgenossenzwangskontakt verschlimmern Sie die Aggression.
 
Das Hunde "spielen" ist leider ein weit verbreiteter Irrtum. Das Aufeinandertreffen mit anderen Hunden bedeutet für den Hund immer Stress, denn er stuft naturbedingt Argtenossen als rudelfremde Konkurrenten und Kontrahenten ein.

Das was Sie als "Spiel" deklarieren, ist ein Austausch von aktivem und passivem Aggressionsverhalten und dient dazu, Grenzen zu testen und Fähigkeiten zu fertigen. Dabei wird der Halter immer mehr ausgeblendet und der Hund trifft dann immer öfter eigenverantwortlich Entscheidungen auch in anderen Bereichen. Meistens nicht im Sinne des Halters.
 
Ich empfehle Ihnen dringend, sich mit meinem Therapeutenteam in Verbindung zu setzen. Bei Aggressionen kann ich Ihnen, ohne den Hund gesehen zu haben, keine Verhaltenstipps geben, da ich ursachenorientiert vorgehen muss und die Folgen einer (unbewusst) falsch durchgeführten Therapieanleitung nicht zu verantworten wären.
 
Bitte sorgen Sie bis dahin dafür, dass Ihr Hund keinen weiteren Zwangskontakten ausgesetzt wird, er muss eine positive Abhängigkeit und Vertrauen zu Ihnen neu erlernen damit er Führung überlassen kann.
 
Sie erreichen uns unter infoBITTE_ENTFERNEN@hundeweltenBITTE_ENTFERNEN.de.

Ihre

Stefanie Weinrich

Wie erleichtere ich meinem Hund das Alleinsein?

Leserin B. Henberger fragt:

ich werde in der nächsten Zeit mit meiner Collie-Hündin Chiela (7 Jahre alt) in eine 1,5 Zimmer-Wohnung umziehen. Da ich täglich für fünf Stunden zur Arbeit muss, mache ich mir große Sorgen, wie mein Hund das verkraftet.

Im Moment hat sie immer jemanden um sich, der sich in meiner Abwesenheit um sie kümmert.

Wie kann ich es meiner Hündin so erträglich machen wie möglich, allein zu sein? Ich möchte nicht, dass sie leiden muss, Sachen kaputt macht oder die ganze Zeit herumbellt?

 

Liebe Frau Henberger,

vielen Dank für Ihren Leserbrief.

Bitte trainieren Sie unbedigt schon jetzt das Alleinebleiben Ihres Hundes anfangs im Minutenbereich.

Die insgesamte Dauer des Alleinebleibens ist akzeptabel, wenn es nicht länger als ca. 6 Stunden ist. Länger sollte ein Hund nicht alleine bleiben, immerhin ist er ein hochsoziales Rudeltier.
 
Wenn Sie das Alleinebleiben langsam aufbauen und steigern, wird Ihr Hund damit keine Schwierigkeiten bekommen. Es wird jedoch sehr stressig für ihn, wenn er sich nun von Null auf Hundert umgewöhnen muss, da sind Probleme fast vorprogrammiert.
 
Ihr Hund wird mit der reduzierten Wohnungsgröße keine Probleme haben, eher im Gegenteil. Er sich auf reduziertem Raum sicherer fühlen als in einer großen offenen Wohnung.
 
Ich wünsche Ihnen einen stressfreien Umzug und viel Erfolg beim Training!

Ihre
Stefanie Weinrich

Mein Hund frisst ständig Hundekot!

Leserin P. Steiner fragt:

Mein Hund (Mischling, 18 Monate, sehr temperamentvoll) ist sicherlich nicht der einzige Hund, der es sich angewöhnt hat, Hundekot zu fressen. Am liebsten ganz frisch und noch etwas warm, aber auch 1 Tag alte Häufchen werden nicht verschmäht. Er frisst allerdings nicht jedes Häufchen.

Woher kommt diese Unart und was kann ich dagegen tun bzw. wie kann ich es ihm wieder abgewöhnen? Sunny ist übrigens ein ängstlicher und schreckhafter Tierheimhund, der aber nun schon fast 1 Jahr bei uns lebt.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!


Hallo Frau Steiner,
 
zunächst einmal sollten Sie organische Ursachen (Mangelzustände) tierärztlich abklären lassen.

Zum Training: Bitte leinen Sie Ihre Hund an und nehmen Sie etwas Futter bzw. Leckerchen mit nach draußen.

Führen Sie Ihren Hund gezielt zu den Kothaufen. Bitte ziehen Sie Ihren Hund nicht an der Leine weg und bestrafen Sie ihn nicht, aus seiner Sicht tut er nichts Falsches.

Sobald Ihr Hund anfängt, daran zu schnüffeln oder versucht, die Haufen zu fressen, stellen Sie sich schnell wortlos zwischen den Hund und die Kothaufen bzw. decken Sie diese, indem Sie Ihren Fuß darüber abstelleb. 

Dadurch beanspruchen Sie körperaktiv das Objekt der Begierde. Ihr Hund wird Sie daraufhin anschauen. Dieses Verhalten bestätigen Sie bitte wortlos mit einem Stück Futter aus Ihrer Hand.

Ihr Hund lernt so, dass Ressourcen, gleich welcher Art, nicht ohne Ihren Blickkontakt aufgenommen werden können.
 
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Training!

Ihre
Stefanie Weinrich

Unser Hund benimmt sich auffällig

Leserin S. Dulz fragt:

wir haben einen Jack Russel Terrier, eine Hündin. Sie ist jetzt ein Jahr alt. Wir haben sie von einem Bauernhof mit sechs Monaten bekommen. Und weil wir sie im Haus haben, war das Stubenrein werden ein kleiner Kampf. Aber wir haben's geschafft.

Seit kurzem stellt sich aber ein Problem ein: Wenn ein Familienmitglied kommt (dabei ist es egal, welches), dann freut sich unsere Hündin zwar ganz doll, aber trotzdem fängt sie plötzlich an zu urinieren. Einfach so, und dann auch nicht nur ein bisschen. Nein, gleich eine rieseige Pfütze.

Wir dachten anfangs, das liegt an der großen Freude. Aber neuerdings passiert das auch zwischendurch mal: Wir gehen mit ihr in den Hof, damit sie sich erleichtern kann. Das macht sie aber nicht, sie geht unverrichteter Dinge wieder ins Haus zurück. Kommt man selbst dann ins Haus, stellt man plötzlich fest, dass sie auf unser Sofa uriniert hat.

Dazu muss ich erwähnen, dass unsere Türen offen stehen und sie jederzeit die Möglichkeit hat, in unseren Hof zu gehen. Und diese Möglichkeit hat sie ja auch bislang genutzt. Deswegen verstehe ich nicht, warum sie jetzt so reagiert.

Außerdem ist uns von Anfang an aufgefallen, dass sie sich beim Schlafen immer unter Decken verkriecht

Ich habe leider keine Idee, warum sie solche Auffälligkeiten zeigt. Vielleicht können Sie mir weiterhelfen?


Hallo Frau Dulz,
 
vielen Dank für Ihre E-Mail.

Sofern Sie die Freude Ihres Hundes am Rutenwedeln festmachen, muss ich Sie darüber aufklären, dass Rutenwedeln kein Anzeichen von Freude ist sondern es zeigt eine Konfliktsituation an.

Der Hund ist unsicher und benötigt Sicherheit, er hat Informationsbedarf und ist überfordert.

Sie können meine Aussage überprüfen, indem Sie ihrem Hund ein Stück Futter geben und es nach einger Zeit wieder weg nehmen. Ihr Hund wird anfangen zu wedeln. Ich stelle klar in Abrede, dass sich ein Beutegreifer und Raubtier darüber "freut", wenn man ihm die Beute wegnimmt.
 
Sie können Ihrem Hund helfen, indem Sie ihn anleinenm bevor der Besuch kommt und ihn wortlos schnell in Bewegung bringen, sobald Ihr Besuch sich ankündigt. Bewegung baut bei Hunden Stress ab, das Urinieren ist ein Zeichen von erhöhtem Erregungsszustand.

Wenn sich Ihr Hund beruhigt hat, lassen Sie den Hund nicht von Ihrem Besuch anfassen, sondern lassen Sie Ihren Hund auf die Menschen zugehen. Ein Stück Futter sollte Ihrem Hund vom Besuch angeboten werden, damit sich eine positive Verknüpfung herstellt. Es fällt dem Hund leichter Menschen als positiv anzusehen, wenn sich Ihr Besuch hinhockt.
 
Die Unsicherheiten sind bedingt durch die Überforderung des Hundes, daher sollten Sie den ständigen Freilauf draußen unbedingt reduzieren.
 
Ihre
Stefanie Weinrich

Mein Hund lässt sich nicht halten

Leserin R. Keck fragt:
Mein Hund rast sofort nachdem die Haustür auf ist, aus der Wohnung, ohne dass ich es verhindern kann. Er stellt die Ohren auf Durchzug, immer muss er angeleint werden, wenn wir die Tür öffnen, um Besuch reinzulassen oder an den Briefkasten zu gehen.

Was kann ich tun, dass er sitzen bleibt, um in Ruhe abzuwarten? Er ist eine 2-jährige Jack Russel Terrier Hündin und sonst eigentlich lieb.

Danke!

 

Sehr geehrte Frau Keck,
 
vielen Dank für Ihre Anfrage.

Ihr Hund scheint zu eigenständig zu sein und agiert bereits unabhängig von Ihnen. Das Training mit der Leine muss daher weiter beibehalten werden. Bitte reduzieren Sie für den Hund wichtige Ressourcen wie Futter aus dem Napf, welches nur noch für Blickkontakt aus Ihrer Hand erhältlich sein darf.

Freilauf, auch im Garten, sowie Artgenossenkontakte dürfen anfänglich nicht zum Tagesprogramm Ihres Hundes gehören, bis er endlich wieder Orientierung an Ihnen findet.

Das Rausstürmen ist eine Form von Kontrollverhalten, welches dem Hund nicht zusteht. Lassen Sie Ihren Hund generell für sein Futter erarbeiten und verwenden Sie dazu die Tagesration aus der Hand.

Bleiben Sie beim Klingen bzw. wenn Besuch kommt direkt bei Ihrem angeleinten Hund stehen und geben Sie ihm Futter. Er soll einen guten Grund kennen lernen, lieber sitzen bleiben zu wollen statt loszurennen.

Viel Erfolg beim Training!
Ihre Stefanie Weinrich

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