Das Leben hatte der Pastorenfrau Magdalene Madaus heftig zugesetzt. Sechs Kinder, mehrere Umzüge, Streitereien im beruflichen Umfeld des Ehemannes – irgendwann steckt auch die stärkste Frau das alles nicht mehr weg.
Weil sie immer häufiger krank wurde, "verordnete" die Kirchengemeinde in Radevormwalde ihrer Pastorenfrau kurzerhand eine Kur beim heilkundigen Pastor Emanuel Felke. Ein Glücksfall. Schon nach zwei Wochen war die vermeintlich herzkranke Magdalene Madaus nicht nur gesund, sondern eignete sich auch gleich eine der Heilmethoden des Pastors an: die homöopathische Komplextherapie.
Sie setzte die Mittel in ihrer eigenen Praxis ein, veröffentlichte 1911 ein Buch dazu und gab in einem Lehrinstitut ihr Wissen weiter. In der von ihr begründeten Firma Dr. Madaus gibt es ihre Mittel noch heute: 121 so genannten "Oligoplexe".
Komplexmittel: Kombination der besten homöopathischen Mittel
Etwa 3250 homöopathische Kombinationsarzneimittel sind derzeit auf dem Markt, viele haben sich als schnelle Helfer bei den unterschiedlichsten Beschwerden bewährt.
Warum? Die klassischen Homöopathie nach Samuel Hahnemann war und ist sehr kompliziert: Der Arzt muss für den Patienten aus hunderten von Substanzen ein passendes Mittel in Form von Kügelchen oder Tropfen in entsprechender Potenz ermitteln.
Außerdem zeigte es sich, dass ein Mittel oft nicht ausreicht, um ein komplexes Krankheitsbild zu behandeln. Und so begannen einige Homöopathen, verschiedene Einzelmittel und Potenzen, die sich in ihrer Wirkung ergänzen und verstärken, zu kombinieren.
Homotoxikologie: Medikamente einer neuen Generation
Dr. Hans-Heinrich Reckeweg arbeitete nach einer eigenen Theorie: Krankheit war für ihn der Abwehrkampf des Organismus gegen Giftstoffe. Er entwickelte deshalb homöopathische Komplexmittel, die diese Giftstoffe aus dem Körper schleusen. Das System nannte er "Homotoxikologie".
Der Vorteil dieser neuen Generation von Medikamenten: Sie sind so komponiert, dass sie auch nach schulmedizinischen Regeln eingesetzt werden können, funktionieren aber nach dem homöopathischem Wirksystem.
Das heißt, anstatt Symptome zu bekämpfen, versuchen sie, Blockaden im Körper zu lösen, den Stoffwechsel in den verschiedenen Organen anzuregen und den Körper bei seiner "Heilarbeit" zu unterstützen. Reckewegs Medikamente gibt es heute bei der Firma Heel.
Homöopathische Komplexmittel: Nur in der Apotheke zu kaufen
Alle homöopathischen Komplexmittel sind in der Regel apothekenpflichtig und werden nach dem Deutschen Arzneimittelgesetz (AMG) zugelassen oder registriert. Für eine Zulassung wird neben Qualität und Unbedenklichkeit auch die konkrete Wirkung bei einer Indikation (z. B. Bronchitis) über Studien geprüft.
Einzelmittel in der Homöopathie werden aufgrund ihres breiten Wirkprofils jedoch meist nur registriert; der Gesetzgeber achtet hier nur auf die Einhaltung von Qualität und Unbedenklichkeit.
Homöopatische Medikamente sind bis auf wenige Ausnahmen nicht rezeptpflichtig, dennoch sollte man sie nie über längere Zeit ohne ärztlichen Rat einnehmen. Bei Komplexmitteln ist die gleichzeitige Einnahme nur sinnvoll, wenn sie sich in ihrer Wirkung ergänzen.
Manche Experten warnen auch davor, sich mit vielen Komplexmitteln vollzupumpen, denn der Körper kann durch den Rundumschlag an Substanzen auch überfordert werden.