Was ist meine Schönheit wert?

Echtgold, Kaviar, Platin, Perlen – kaum eine Kostbarkeit, die nicht zum Wohl unserer Haut angeboten würde. Doch es gibt tolle und günstige Alternativen.

 

Frauen lieben Cremes. Und sie lieben das Gefühl, sich etwas zu gönnen. Das weiß natürlich auch die Kosmetikindustrie. Für die wenigen unter uns, für die Geld keine Rolle spielt, hält sie deshalb etwas ganz Besonderes parat: Luxuskosmetik, die pro Milliliter mehr kosten kann als eine Kiste Champagner. Die Versprechungen kennen keine Grenzen: "bahnbrechende Innovation", "brillante Neuentwicklungen", "einzigartige wissenschaftliche Belege", "überragende Verjüngungswirkung" – das sind nur einige der Formulierungen, mit denen die teuren Tiegel auf den Weg geschickt werden.


La Prairie aus der Schweiz möchte für 30 Milliliter "Cellular Power Infusion"-Kur 390 Euro haben. Für das neueste Baby der US-Legende "Crème de la Mer", eine 15-Milliliter-Augencreme, muss man 145 Euro berappen. Und Chanel berechnet für 30 Milliliter der Anti-Aging-Pflege "Sublimage" immerhin 340 Euro. Doch die Newcomer sind den Großen dicht auf den Fersen: Die amerikanische Marke Révive zum Beispiel hält mit der Vier-Wochen-Kur "Peau Magnifique" einen Preisrekord. Vier – zugegeben sehr schöne – Fläschchen mit je einem (!) Milliliter Serum kosten um die 1500 Euro. Macht 375 Euro pro Milliliter. Eine Kiste "Veuve Clicquot" gibt’s für 100 Euro weniger.


Ob die Inhaltsstoffe der High-Class-Cremes ihren Preis rechtfertigen? Nun, die Hersteller schwören natürlich auf ihre exklusiven Zutaten. Doch glaubt man dem englischen Chemiker Will Buchanan, übertreiben sie dabei mehr als ein bisschen. Buchanan, selbst Kosmetikentwickler, machte mit einem Artikel in "Daily Mail online" Furore: Der Brite schätzte Anteil und Einkaufspreis der Inhaltsstoffe im klassischen "Crème de la Mer"-Tiegel und kam zu dem Schluss, dass sie maximal fünf Prozent des Verkaufspreises begründen. Heißt: Nur zehn Euro des Verkaufspreises von rund 200 Euro stecken in den Zutaten. Viele Bestandteile gibt es für Cent-Beträge, so der findige Mr. Buchanan, allen voran Mineralöl.

Die Zeitschrift "Öko-Test" ging sogar noch einen Schritt weiter. Sie findet viele Zutaten in den Luxuscremes nicht nur überteuert, sondern sogar gefährlich. 13 von 20 getesteten Produkten wurden als "ungenügend" bewertet, weil sie Duftstoffe mit Allergierisiko, Mineralöl und Silikone enthalten.

 

Aber könnte es nicht trotzdem sein, dass die Wirkung der Cremes unserer Haut eine zweite Jugend beschert? "Unwahrscheinlich", sagt Prof. Volker Steinkraus, Dermatologe aus Hamburg. "Je nach Mode finden sich Stoffe wie Rindenextrakte von exotischen Bäumen in der Luxuspflege. Die Hautzelle interessiert sich aber, wenn überhaupt, nur minimal dafür." Steinkraus, der unter seinem Label SBT Kosmetik entwickelt, rät eher zu einer gesunden Work-Life-Balance, als auf Blattgold zu setzen, denn: "Hautpflege kann ein Antifaltenkonzept nur unterstützen, nicht ersetzen."

Bleibt die Frage, ob nicht vielleicht gigantische Entwicklungskosten an den hohen Preisen schuld sind. Die Antwort gibt die Branche selbst: 150 Millionen Euro pumpt zum Beispiel das Hamburger Unternehmen Beiersdorf jährlich in Forschung und Entwicklung – für preisgünstige Marken wie Nivea, Eucerin, Labello und Florena. Und auch der L’Oréal-Konzern steckt ein Vermögen in die Entwicklung der Cremes der Zukunft. Gerade wurde in Lyon ein 16 Millionen Euro teures Zentrum eröffnet, in dem neue Formeln und Rohstoffe auf Sicherheit und Wirksamkeit bewertet werden – für bezahlbare Labels wie Elvital, L’Oréal Paris, Garnier und Maybelline.

Warum greifen wir überhaupt ab und zu zu Kaviar und Platin, wenn sie uns doch gar nicht messbar jünger, schöner, straffer machen? Die Antwort ist simpel: weil Luxus Spaß macht. Aber eben auch allen Nicht-Millionären. Denn zum Glück ist Beauty-Luxus ein dehnbarer Begriff. Für die eine mag es der 500-Euro-Tiegel sein, für die andere ein ausgedehntes Bad, nach dem man sich mit einer leckeren Lotion eincremt. Die gibt’s meist schon für ein paar Euro. Wer einen solchen Moment genießen kann, hat wahren Luxus gefunden – Kaviar, Gold, Platin oder Perlen würden da nur stören.

 

Kleiner Schnäppchen-Guide

Preisbewusst schön sein? Da kommt Kosmetik im Schlussverkauf gelegen.
Wenn Sie diese Dinge beachten, können Sie nach Herzenslust zulangen:

• Packung genau anschauen. Laut Kosmetikverordnung müssen Produkte
mindestens 30 Monate haltbar sein – oder als Ausnahme gekennzeichnet
werden. In einem solchen Fall das Schnäppchen besonders gut prüfen.

• Nur versiegelte Ware kaufen, dann kann das Produkt nicht verunreinigt sein.

• Lippenstifte und Make-up an der Hand testen. Sie sind hitzeempfindlich und könnten bei falscher Lagerung gelitten haben – die Textur verrät’s.

• Trockene Produkte wie Lidschatten und Alkoholhaltiges wie Parfüm halten sich besonders gut, hier kann man getrost zugreifen.

• Kompaktpuder vorsichtig neben dem Ohr schütteln. Leises Rascheln bedeutet: Sorry, "kompakt" war einmal …

• Bei Feilen, Kämmen, Bürsten nicht zögern – sie lassen durch lange Lagerung nicht an Qualität nach.

• Ist neben der Haltbarkeitsinfo eine kleine Sanduhr abgebildet? Gutes Zeichen! Dieses Symbol wurde erst Anfang 2010 eingeführt – das Produkt kann nicht viel älter als ein Jahr sein.

Unsere Beauty-Top-10

  • Hightech, low price:

    Pflanzliche, hormonähnliche Stoffe und Peptide (Eiweiße) gelten als Nonplusultra für die Haut über 45. Von Diadermine Dr. Caspari kommt jetzt eine neue Serie, die beides einsetzt. Unser Favorit: "Hormoderm Augenkontur", 15 ml ca. 10 Euro

  • Königlich!

    Seit Kate (alias Herzogin Catherine) sie neulich in der britischen Drogeriekette Boots gekauft hat, pflegt sich halb England mit der "Feuchtigkeitsspendenden Gesichtspflege" von Nivea Pure&Natural. Zu Recht, sie verwöhnt die Haut mit Argan-Öl und Aloe vera aus Bio-Anbau mit wertvollen Ölen, Vitaminen, Mineralstoffen, Aminosäuren und Enzymen. 50 ml ca. 6 Euro

  • Für pralle Winterbäckchen:

    Nachtcremes mit hochwertigen Pflanzenölen schaffen es am allerbesten, trockene Haut gesund durch die kalte Jahreszeit zu bekommen. Florena setzt auf grüne Pflege-Stars und verzichtet auf kritische Emulgatoren – super! "Nachtcreme mit Sheabutter & Arganöl", 50 ml ca. 5 Euro

  • Kult für die Nägel:

    Nagellacke in angesagtem Petrol, Fruchteis-Nuancen und Beerentönen in gut aufzutragender, haltbarer Textur gab’s diesen Sommer mehr denn je. Unser Bargain-Star: "I Love Lasting Finish Nail Polish" von Rimmel London, 8 ml ca. 2,50 Euro

  • Damit arbeiten Make-up-Profis:

    Eine Eyeshadow-Base lässt jeden Lidschatten, Concealer oder Highlighter länger halten und besser wirken. Das Trick-Tool gibt’s nicht nur für Diven, sondern auch für uns: im neuen "In love with essence"-Sortiment. "I love stage – eyeshadow base" ca. 2,50 Euro

  • Und Tusch!

    Die Suche nach der perfekten Mascara ist natürlich nie ganz abgeschlossen. Von den Neuen, die 2011 in der Laviva-Redaktion landeten, gefiel uns diese am besten: angenehme Konsistenz, tolles Ergebnis und lange Haltbarkeit zu einem fairen Preis – Misslyn "Mascara Waterproof", ca. 8 Euro

  • Beste Basis:

    Ein schöner Teint ist die halbe Beauty-Miete. Die leichte, ölfreie "Photo Finish – Liquid Foundation 18h" von Catrice erreicht das Ziel mit Licht reflektierenden Pigmenten. Besonderes Plus: Sie hält wirklich 18 Stunden und wird im hygienischen Pumpspender angeboten. Fünf Nuancen, 30 ml ca. 6,50 Euro

  • Nummer sicher:

    Der körpereigene Feuchtigkeitsbinder Urea ist der beste Freund trockener Haut. Bei CD setzt man ihn in einem Mix mit Aloe vera ein. Das Produktversprechen: Einmal cremen reicht für 24 Stunden ohne Spannungsgefühle. Danke. "Intensiv Milk" von CD, 400 ml ca. 3,50 Euro

  • Echt sauber:

    Fast jedes Duschgel reinigt und riecht gut, doch häufig stressen Tenside die Haut durch zu starke Entfettung. Bei Dresdner Essenz setzt man deswegen auf Zuckertenside, die reinigen und pflegen. Fast noch schöner: der Duft aus natürlichen, ätherischen Ölen. "Wellness Dusche", 200 ml ca. 2,80 Euro

  • Spa in der Tube:

    Body-Peeling mit milden Kokos- und Zuckertensiden, belebendem Duft aus ätherischen Ölen – und, tata!, unabhängigem Naturkosmetikzertifikat. Winzige, fein abgeschliffene Kieselmineralien und Olivenkerngranulat massieren die Haut, Bio-Öle aus Olive, Mandel, Sanddorn, Sonnenblume und Sheanuss pflegen sie. Lavera "Body Peeling Bio-Orange", 150 ml ca. 6 Euro

Von: Angelika Brodde

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