Reise

Krimi-Reisen: Die Spur führt in die Stadt

Sind Sie ein Krimifan? Mögen Sie die Kommissare Maigret, Poirot, Wallander und Laurenti? Dann sind Paris, Torquay, Ystad und Triest garantiert ein Fall für Sie. Aber auch sonst haben diese Städte mörderisch viel zu bieten.

Inspector Maigret, übernehmen Sie!

© Peet Simard/Corbis

Paris so liebevoll zu beschreiben, das vermag nur ein bewundernder Nichtpariser. Der Belgier Georges Simenon (1902-1989) erfand vor 81 Jahren seinen Kommissar Jules Maigret (Foto: Rupert Davies). In insgesamt 75 Romanen löst der Einzelgänger seine Fälle mit viel Menschenkenntnis. www.maigret.de

Am Quai des Or Fèvres auf der Île de la Cité liegt Maigrets Büro im Polizeipräsidium. Gelegentlich wohnt er an der Place des Vosges 21 im Marais, einem der schöns­ten Plätze von Paris, der auch zum Schauplatz diverser Fälle wird. Meist lebt er aber am Boulevard Richard Lenoir 132 nahe der Place de la Bastille im Osten.

Die Pariser Historikerin und Archäozoologin Fred Vargas (eigentlich Frédérique Audoin-Rouzeau) schreibt seit 1986 skurrile, etwas surrealistische Krimis, die auch in Deutschland großen Erfolg haben. Ihr Kommissar Jean-Baptist Adamsberg löst seine Fälle mit rätselhafter Intuition.

Nach 20 Jahren Dienst in den Pyränäen kommt er ins 5. Arrondissement von Paris, dem Quartier Latin; später wird er ins 13. Arrondissement im Südosten versetzt. Unterstützt wird er von Inspektor Adrien Danglard. Eine zweite Gruppe von Krimis ist dem Hobby-Kriminalisten Ludwig Kehlweiler und den "Evangelisten" gewidmet, die alle in einer Männer-WG wohnen.

Der vielseitige surrealistische Dichter Léo Malet (1909 – 1996) schrieb von 1943 an insgesamt 15 Paris-Krimis mit dem Privatdetektiv Nestor Burma als Reihe "Die neuen Geheimnise von Paris". Jeder Krimi ist einem anderen Arrondissements gewidmet.

Auf Agatha Christies Spuren

© Free Agents Limited/CORBIS

Torquay

In dem südenglischen Seebad Torquay verbrachte Agatha Christie (1890–1976) den größten Teil ihres Lebens. Von 1920 an ließ sich die Auflagenmillionärin hier auch zu zahlreichen Szenen ihrer 79 Krimis inspirieren. 40 davon sind dem schlauen, eitlen belgischen Privatdetektiv Hercule Poirot gewidmet. www.agathachristie.com

Die Ortsnamen sind zwar verändert, die Schauplätze aber leicht wieder zu erkennen. Das Hotel "Imperial" auf den Klippen von Torquay spielt öfters eine Rolle. Als schönster ­Christie-Krimischauplatz gilt Burgh Island in der Nähe von Bigbury-on-Sea, eine Felsinsel mit einem strahlend weißen Art-déco-Hotel, das Agatha unter anderem 1939 als Vorbild für den isolierten Landsitz in "Zehn kleine Negerlein" diente.

Edinburgh

Der Rechtswissenschaftler Alexander McCall Smith (Jahrgang 1948) ist rhodesischer Herkunft, lebt inzwischen in Edinburgh. Neben wissenschaftlichen Werken und Kinderbüchern schrieb er zahlreiche Krimis. In sechs Werken ("The Sunday Philosophy Club") lässt er die ethikbewusste Philosophin Isabel Dalhousie ermitteln. Sein "Ein Krokodil für Mama Ramotswe" mit Precious Ramotswe, der einzigen Krimi-Ermittlerin aus Botswana, wurde von "The Times Literary Supplement" zum Buch des Jahres gewählt und vom »Booker Prize Committee« empfohlen.

Auch Bestseller-Autor Ian Rankin (Jahrgang 1960) lebt in Edinburgh – wie sein Antiheld Inspektor Rebus, dem er bislang 18 Krimis widmete. Rankin überzeugt mit seinem sozialkritischen Blick auf sein Land, auf Edinburgh mit seiner dunklen Geschichte, seinen Verbrechen, seiner dorfähnlichen, calvinistischen Gesellschaft. 10 Prozent aller in England verkauften Bücher gehen auf sein Konto.

Komissar Laurenti auf Ermittlungstour

© Charles Bowman/Robert Harding World Imagery/Corbis

Triest

Die Hafen- und Grenzstadt Triest im Nordosten Italiens ist die Wahlheimat von Veit Heinichen, 53, der hier auch seinen Commissario Proteo Laurenti (Foto: Henri Hübchen) agieren lässt. Der Ex-Verleger widmete ihm seit 2001 fünf Krimis mit vielen Triest-Tipps. www.veit-heinichen.de

Die Questura mit Laurents Büro liegt gegenüber des antiken Teatro Romano. Gern besucht der Kommissar das Restaurant "Scabar" (www.scabar.it), die Enothek "Malabar" und die "Osteria il Pettirosso". Wenn er es eilig hat, besucht er das "Buffet da Giovanni" in der Via San Lazzaro.

Im Norden ist gut Morden ...

© Inspirestock/Corbis

Ystad, Schweden

Erst mit kurt Wallander wurde das mit Fachwerkhäusern geschmückte Städtchen Ystad an Schwedens Südküste weltweit bekannt. Henning Mankell (Jahrgang 1948) hat seit 1991 zehn Krimis mit seinem melancholischen Kommissar veröffentlicht. www.wallander-web.de

Wallander-Touren durch Ystad bietet u.a. die freiwillige Feuerwehr an; an der Tourist-info ist ein Plan erhältlich. Alle Straßen, Plätze und Lokale in den Krimis sind authentisch. Wallander wohnt in der Mariagatan 10 im Osten der Stadt. Zum Essen geht er gern ins Restaurant des Jugendstilhotels "Continental Ystad"; seine Gäste übernachten gelegentlich im nostalgischen "Anno 1793 Sekelgården Hotel" an der Långgatan 18.

Göteborg, Schweden

Von Helene Tursten (Jahrgang 1954) stammt die Figur der Göteborger Inspektorin Irene Huss, die mittlerweile acht Krimis die Hauptrolle spielt Sechs davon wurden verfilmt.

Irene Huss ist glücklich verheiratet, hat zwei heranwachsende Töchter und versucht gleichzeitig, erfolgreich Mordfälle zu lösen und ihr Familienleben optimal zu regeln. Sie sagt: "Ich mag es wirklich nicht, wenn sich weibliche Helden in Krimis ebenso aufführen wie ihre männlichen Vorgänger - saufend, fluchend …"

Einer der beliebtesten Krimi-Autoren Schwedens ist Ake Edwardson (Jahrgang 1953). Seine melancholischen Romane mit Kommissar Erik Winter erreichten allein in Schweden eine Millionenauflage. Winter ist ein Snob, trägt teure Designer-Anzüge, raucht Zigarillos und liebt Jazz von John Coltrane. Auch er sieht die schwedische Gesellschaft am Ende, grübelt über den Sinn es Ganzen nach und verzweifelt fast am Bösen im Menschen. 

Reykjavik, Island

Reykjavik gehört zu den europäischen Städten mit der niedrigsten Kriminalitätsrate. In der Realität. Fiktional sieht das ein wenig anders aus. Eine Reihe hochkarätiger Krimiautoren bevölkert die Insel und überzieht sie mit rätselhaften, grausamen, hintergründigen, brutalen und außergewöhnlichen Verbrechen.

Der bekannteste isländische Autor ist Arnaldur Indridason mit seinem Kommissar Erlendur, der schon eine Reihe von literarischen Fällen gelöst hat, wie z. B. "Menschensöhne".

Yrsa Sigurdardottir lässt ihre Heldin Dóra-Guomundsdóttir, eine Anwältin, akribisch und fantasievoll Täter und Motive entlarven, z. B. "Das glühende Grab".

Stella Blómkvist schickt ebenfalls eine Frau in den Kampf gegen das Verbrechen, die auch Anwältin ist und den Namen des Pseudonyms ihres noch unbekannten Autoren trägt – bislang in sieben Fällen; auf Deutsch zuletzt "Das letzte Treffen". www.islandprotravel.de

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