5 Buch-Tipps für den Herbst
24
Okt

5 Buch-Tipps für den Herbst

Unsere Empfehlungen aus Biografie, Poesie und Krimi

Was haben Helene Bukowski, Michelle Obama und Ocean Vuong gemeinsam? Sie sind Autoren herausragender Bücher und stehen auf unserer Leseliste deshalb ganz oben. Diese Buch-Highlights sind perfekt für verregnete Herbstsonntage und gemütliche Stunden auf der Couch. 

Milchzähne – Helene Bukowski

In ihrem eindrucksvollen Debütroman zeichnet die 25-jährige Helene Bukowski ein spannendes postapokalyptisches Bild einer möglichen Zukunft. Die junge Protagonistin Skalde lebt mit ihrer Mutter Edith in einem von der Zivilisation abgeschnittenem Dorf. Das namenlose Land ist von früheren Dürren versengt und zu jeder Zeit in Nebel gehüllt. Die Mutter-Tochter Beziehung könnte verdrehter nicht sein, doch als Skalde ein unbekanntes Kind im Wald findet und die Dorfbewohner Jagd auf sie machen, nimmt der Roman (und auch die Beziehung zu Edith) eine überraschende Wendung. Über das, was am Schauplatz des Romans geschehen ist, lässt die Autorin uns bis zuletzt im Dunkeln und erschafft damit eine mehrdeutige, geheimnisvolle Welt. 

Helene Bukowski: "Milchzähne", 20 Euro über den Aufbau Verlag 

Was wir dachten, was wir taten – Lea-Lina Oppermann

In Zeiten von Waffengewalt und Amokangst trifft Lea-Lina Oppermann den Nerv gleich mehrerer Generationen. "Was wir dachten, was wir taten" ist ein Gedankenexperiment, das auf 180 Seiten gerade mal 143 Minuten Handlung erzählt. Doch in 143 Minuten kann viel passieren. Als ein bewaffneter Maskierter die Klasse stürmt werden Schüler und Lehrer, getrieben von Todesangst, selbst zu Feinden und letztendlich auch zu Tätern. In 143 Minuten kann eine gesamte Welt aus den Fugen geraten. Der Jugendroman wird zum Thriller, der definitiv nicht nut für manche Teenager schwer zu verdauen sein könnte. Oppermann beschreibt extrem realistisch, wie der eigene Überlebensinstinkt selbst die unantastbar geglaubten Wertvorstellungen austricksen kann. 

"Was wir dachten, was wir taten" von Lea-Lina Oppermann, für 8 Euro bei Beltz erhältlich

Auf Erden sind wir kurz grandios – Ocean Vuong

Ocean Vuong erzählt in seinem Debütroman von der Zerrissenheit: Von der als Einwandererkind (im Vietnam geboren und in Amerika aufgewachsen), von der als Homosexueller und von der als Sohn einer Analphabetin. "Auf Erden sind wir kurz grandios" ist eines der berührenden und persönlichsten Bücher des Jahres. Bereits 2016 veröffentlichte Vuong den Gedichtband "Nachthimmel mit Austrittswunden", der mit ebenso viel Klarheit und sprachlicher Brillanz überzeugt. 

Ocean Vuong: "Auf Erden sind wir kurz grandios", 22 Euro über Hanser Literaturverlag

Becoming – Michelle Obama

Fast schon ein Klassiker. Wer bisher lieber die Finger von Autobiografien gelassen hat, dem empfehlen wir für "Becoming" eine Ausnahme zu machen. Wenngleich Michelle Obama das Buch mit einem Team aus Mitarbeitern verfasste, ist es zunächst einmal genau das: Ihre Geschichte. Sie breitet keinen verklärten Schleier über ihre vergangenen Lebensjahre, vielmehr beschreibt sie in kleinen Vignetten besondere Momente – aus ihrer Kindheit, der Zeit in Harvard, als einzige schwarze Frau in der Führungsriege einer großen Anwaltskanzlei und zuletzt im weißen Haus. Ihre eigene Helden– und Emanzipationsgeschichte, die aber auch für den Rest der Welt durchaus inspirierend sein kann. 

"Becoming" von Michelle Obama, 26 Euro über Goldmann/Random House Publishing

Imaginary Friend – Stephen Chbosky

Der siebenjährige Christopher hatte es bisher nicht leicht im Leben: mit seiner Mutter flieht er vor dem gewalttätigen Ex-Partner in eine Kleinstadt in Pennsylvania, auf der neuen Schule leidet er unter seiner Lernschwäche und ist den Hänseleien der Mitschüler ausgesetzt. Eines Tages entdeckt er am Himmel eine Wolkenformation, die wie ein Gesicht aussieht und folgt ihr. Sechs Tage später, die Stadt in Aufruhr über den vermissten Jungen, kehrt er unversehrt zurück und berichtet von "the nice man", der ihm den Weg aus dem Wald gewiesen hat. Der Haken an der Sache? Niemand außer Christopher kann den "netten Mann" sehen, der ihm so eindringlich zu erklären versucht, dass böse Mächte die Stadt übernehmen wollen. Zwanzig Jahre nach seinem Young Adult-Roman "The Perks of Being as Wallflower" (dt.: Das ist also mein Leben) kehrt Stephen Chbosky mit einer faszinierenden Erzählung zwischen Horror, Märchen und Surrealismus zurück. 

Stephen Chbosky: "Imaginary Friend", ab 20 Euro über Grand Central Publishing


Fotos: Unsplash/Nicole Wolf; Buch-Cover: Aufbau Verlag ("Milchzähne"); Beltz ("Was windachten, was wir taten"), Hanser Literaturverlag ("Auf Erden sind wir kurz grandios"); Goldmann/Random House Publishing ("Becoming"); Grand Central Publishing ("Imaginary Friend")