Face-to-Face Dating
04
Mär

Face-to-Face Dating

 

Die ewige Suche nach dem/der Einen ist zur scheinbar komplizierten Gleichung geworden. Online-Dating-Plattformen werben mit Algorithmen für die perfekte Partnerwahl, Apps wie Tinder machen aus dem Solo-Dasein einen Lifestyle-Trend: #singlenotsorry. Doch wo lerne ich abseits der digitalen Datingwelt überhaupt noch jemanden kennen? Am Arbeitsplatz, im Fitnessstudio oder in der Bar? Wie wäre es klassisch altmodisch, von Angesicht zu Angesicht? So lief mein erstes Offline-Date. 

3 Bars, 3x 1,5 Stunden und 18 weitere Singles

Schon eine Woche vor der Date-Night wird mir via E-Mail ein Ablaufplan geschickt und ich erfahre die Namen meiner Teampartner. Angemeldet habe ich mich bei „Face-2-Face“, einem der bekanntesten Offline-Dating-Portalen Deutschlands. In 71 Städten, u. a. Hamburg, Aachen, Hannover, Berlin oder Wien, werden Dating-Runden in verschiedensten Locations organisiert. Bei F2F stehen dir außerdem immer zwei Teampartner/innen zur Seite, mit denen du gemeinsam die Lokale wechselst. Womöglich hast du sogar weitere Singles im Freundeskreis, die sich mit dir gemeinsam registrieren. 

Freitagabend, ich entscheide mich für einen legeren Look, geht es um 19 Uhr in mein erstes Lokal – ein Schnellrestaurant. Die Bedienung geleitet mich grinsend zum „Date-Tisch“, an dem überraschend schon alle fünf Singles sitzen. Auf meine Ankunft reagiert kaum jemand, alle sind bereits in Gesprächen und möglichen Flirts vertieft. Zeit für ein Glas Rosé und die Ermittlung meiner Teampartner. Parag sitzt mir schon direkt gegenüber, und wo ist Christoph? Der unterhält sich angeregt mit seiner blonden Sitznachbarin. Ich beginne also das Gespräch mit Jan, meinem anderen Sitznachbarn und Parag, der bereits enthusiastisch von seinem Job als technischer Einkäufer berichtet. Beim Austausch über „erste Dates“ scheint nun auch Christoph interessiert. „Im Escape-Room oder beim Geocaching“ stellt er es sich aufregend romantisch vor. Manchmal „steige er aber auch gerne in verlassene Häuser ein, für den phänomenalen Kick mit der Herzensdame“. Zum Glück ist die Zeit um und ich kann mich gleich weit wegsetzen.

"Einfach neue Leute kennenlernen" 

Nach dem zweiten Rosé bin nun auch ich kommunikativ bestens auf das nächste Lokal, eine Cocktailbar, vorbereitet. Die zweite Gruppe zeichnet sich vor allem durch weitaus attraktivere, sowie scheinbar jüngere Singles aus. Marvin fällt mir mit seinem charmanten Lächeln gleich ins Auge. „In der letzten Runde saß eine Frau neben mir, die war 38, da hatten wir uns nicht wirklich viel zu sagen.“ Eine Altersgruppe konnte man bei der Anmeldung nicht auswählen, nur das eigene Alter wird als Pflichtangabe erfragt. In dieser Gruppe sind diesmal auch die Frauen zum Smalltalk motiviert. Stella ist noch ganz neu in Hamburg und versucht über Face-2-Face einfach „nette Leute“ zu treffen. Wir tauschen unsere Handynummern und verabreden uns, um mal Kaffee zu trinken. Mein Teamkollege Christoph deutet genervt auf seine Uhr: „Wir müssen!“   

Gerade jetzt bin ich aber im angeregten Austausch mit Leonel, der laut Datingplan hier sitzen bleibt, und ich soll jetzt einfach gehen? Ich entscheide, mich an der Stelle über die „Regeln“ hinwegzusetzen und bleibe bei der Gruppe sitzen. Schließlich findet hier auch gleich wieder ein Wechsel statt und damit ergeben sich ja neue Chancen zum Kennenlernen. In der Realität kommen allerdings fast nur Leute aus der ersten Runde, sowie zwei Männer, die mich optisch überhaupt nicht ansprechen. Um die Erfahrung zu vervollständigen, darf der abschließende Besuch im Club nicht fehlen. Also lasse ich mich zu einem letzten Drink überreden, um anschließend auf der 20-minütigen Bahnfahrt schlechten Flirtversuchen von dem mittlerweile sehr betrunkenen Leonel auszuweichen. 

Angekommen in einem fast leeren Club, versammeln sich die noch wenigen Teilnehmer an einem Bartisch. Bestellen will sich hier allerdings niemand mehr etwas, zum Fortsetzen einer Unterhaltung ist es viel zu laut. Ich entscheide das Date an der Stelle zu beenden und erhalte auf dem Heimweg noch drei Anrufe von Stella. Leider hat es zwischen uns nicht so gefunkt.

 

Fazit

Wer ohne Erwartungen in den Abend startet, wird hier sicher Spaß am Austausch mit neuen Leuten finden. Im besten Falle ein Date, mindestens aber eine neue Bar kennenlernen. Die Abschlussparty ist geschenkt. Denn wer während der Barrunden keinen Flirt ausmacht, wird ihn im Club garantiert auch nicht mehr finden. Tauscht also eure Nummern am besten schon während des Abends aus. Es gibt zwar online einen sogenannten "F2F-Insider", über den man sich nachträglich kontaktieren kann, der ist allerdings kostenpflichtig. 

Weitere Infos findest du unter: https://www.face-to-face-dating.de


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