13 Reise-Tipps: Bayern für Einsteiger

Wer an den Chiemsee reist, findet ein Märchenschloss, eine verwunschene Insel und einen See groß wie ein Meer. 13 Tipps für Bayern-Einsteiger.

Modellbahnlandschaft 


Schon bei der Anreise wird jedem schnell klar, dass er in Bayern ist: Braune Kühe stehen nah bei den Gleisen und kauen genießerisch ihre saftige Mahlzeit. Der Geruch frischen Heus dringt in den Waggon. Der Blick fällt auf Fenster voller Geranien und holzverkleidete Balkone. Die Kirchtürme grüßen auf Bayerisch mit zwiebelförmig-rundlichen Dächern. Klischees können wunderschön sein! Einzige Bedrohung: Es entstehen immer mehr Einfamilienhäuser im "Toskana-Stil".  Bitte einschreiten, liebe Kulturpfleger!
 Tipp: Vom über 1600 m hohen Hochfelln und seinem Wandergebiet hat man den schönsten Panoramablick über das  Ensemble. www.hochfelln.de

Brotzeit 


Angemachter Käse? Radi (eingelegter Rettich)? Oder lieber saurer Presssack zum Brot? Brotzeit ist morgens, mittags, abends – und es gibt immer eine satt machende Portion. Und dazu natürlich eine Maß Bier. 
Tipp: Die Bayern unterscheiden klar in Helles, Dunkles oder Weißbier. Das herbe Pils ist eher nicht so ihr Ding. Probieren Sie sich ruhig einmal durch!

Der Preiß 


Alle Nicht-Bayern, als Tourist gern "Sommerfrischler" genannt. Als Nervtöter auch Saupreiß ... Er versteht das Bayerische nicht wirklich, wirft aber gern mit angelernten Mundart-Ausdrücken um sich. Es gibt nichts, was echte Bayern mehr hassen. 
Tipp: Übersetzungshilfe gibt’s im Bayerisch-Deutschen Wörterbuch unter www.biergartler.de/bayerisches-worterbuch/  Unser Lieblingsausdruck: "Schleich di!" (Hau ab!)

Die Zeit steht still


Entrückt und gar nicht von dieser Welt schwebt im Chiemsee die Fraueninsel. Es gibt ein Frauenkloster, vier Wirtschaften, wenige Gästezimmer und ein beschauliches Inselleben – vor allem zum Abend hin. In einer Viertelstunde ist man um das Inselchen spaziert. Vorbei an putzigen Häusern mit kleinen Anlegestellen, von denen die Fischer in der Früh auf den See fahren. Stockenten kreuzen hastig den Weg, im Schilf rascheln Blesshühner. In einer Bude verkauft ein Fischer frisch gefangene Renke. Die Enten neben der Uferbank haben ihre Köpfe ins Gefieder gesteckt und scheinen nach dem Besuchertrubel des Tages ein Schläfchen zu brauchen. Der vorletzte Dampfer hat schon lange abgelegt, und eine friedliche Stille wölbt sich über den See. Bei so heimeliger Kulisse denkt man noch, das Glück ließe sich nicht mehr steigern. Aber da hat man die Rechnung ohne den Krustenbraten und das feine Inselbräu im Bräustüberl gemacht! Die letzte Fähre leuchtet am Steg in die Nacht, der Kapitän wartet noch auf ein paar fehlende Pendler. Dann dreht sich der Bug Richtung Ufer, das dunkle Himmelblau verbindet sich am Horizont mit dem See, und die kleine Passagiertruppe tuckert seelig-verträumt zurück in die Welt. 
Tipp: www.inselbraeu-frauenchiemsee.de – besonders schön ist die Anreise von Gstadt aus am Nordufer. Die letzte Fähre zurück legt ab um 21.15 Uhr. Nur Samstag gibt’s noch eine um 22 und eine um 23 Uhr. 

Lokale Entspannungstherapie 


Wer ein wenig Abstand zu allem sucht, der wandert auf die Alm. Ein Geheimtipp ist die Sameralm bei Claudia und Michael, weil klein und persönlich. Hausfreund Sepp kommt nach der Arbeit mit dem Mountainbike schnell rauf, als wäre es das Normalste auf der Welt. Man sitzt zusammen, macht Musik, es gibt eine Brotzeit. Der See unten funkelt, zu Füßen pickt ein Huhn. Bitte einmal kneifen! Dies sind nicht die "Melodien der Berge", dies ist Realität, und sie ist wunderschön! 
Tipp: Start vom Wanderparkplatz Kohlstatt/Aschau (670 Hm), dann ca. 1,5 Stunden dem beschilderten Wanderweg Nr. 23 "Maisalm/Sameralm" folgen. Ein großer Teil der Strecke ist geteert, der Nachteil: viele Mountainbiker. Der Vorteil: Der Weg ist auch in der Dämmerung noch gut begehbar, also bleiben Sie ruhig noch ein Weilchen.

Weiß-Blau

Landesfarben und typisch sommerliche Himmelfarbe. Da freut sich der Preuße aus Norddeutschland – schließlich sind die Temperaturen in Bayern oft bis zu zehn Grad höher. Aber lassen Sie sich nicht täuschen vom ruhigen Anblick des Chiemsees im Sommerlicht, der See hat seine Tücken: Unwetter mit Sturmböen zum Beispiel. Ach so, ein echtes Seeungeheuer soll es auch geben. Was den Schotten ihre Nessi, ist den Chiemgauern ihre Chiemi. 
Tipp: Sturmwarnleuchten am Ufer alarmieren Segler und Badende durch 90 Blitze pro Minute, sie werden aber oft erst unmittelbar vor dem Unwetter eingeschaltet. Die Grundregel lautet: Unwetter kommen am Chiemsee von Westen! Und niemals auf den blauen Himmel verlassen, aufgrund der Thermik ist der nämlich über dem See meistens blau. 

Echt verschroben 


"Mia san mia", sagt der Bayer und meint damit: Wir haben unseren eigenen Kopf. Manchmal treibt das lustige Blüten. So wünscht sich der Erfinder "Himmegugga" im gleichnamigen Theaterstück, Außerirdische mögen doch endlich der Menschheit ein Zeichen geben! Ausgedacht hat sich das Ganze Elfriede Ringsgwandl, und gespielt wird in einem winzigen Theaterzelt inmitten lauschiger Seen, Wälder und Wiesen. Der "Sommerfrischler" staunt über die deftige Mundart. Und wird die Sprache mal allzu bayerisch, übersetzt die Sitznachbarin. Ein Kultstück mit viel bayerischem Herz! 
Tipp: Frühzeitig reservieren, die Vorstellung ist immer ausverkauft!

Himmegugga, Tinninger Straße 50, 83083 Riedering. Karten-Tel. 08036/674 95 44, www.himmegugga.de  

Ich bin dann mal weg 


Mit der Seilbahn auf den Berg rauffahren und da mit einem Eis in der Hand über die Aussichtsterrasse schlendern kann jeder. Brechen Sie doch mal für vier Tage zu einer Wanderung von Hütte zu Hütte auf und tauchen Sie tief in die Welt der Berge ein! Nach Tagesetappen von vier bis fünf Stunden ist es auf der Hütte doppelt kuschelig und bei der anschließenden Brotzeit Kalorienzählen nicht nötig. 
Tipp: Gipfelstation Kampenwandbahn – Priener Hütte (1410 m) – Spitzsteinhaus (1263 m) – Riesenhütte (1345 m). Weitere Infos in „Almen und Berggasthöfe –  137 Wanderziele zwischen Sonntagshorn und Wendelstein“ über www.oekomodell.de

Der Kini 


Der Bayernkönig Ludwig II. mag verschroben und weltabgewandt gewesen sein. Aber er hatte definitiv Sinn für Orte mit Opernqualität. Auf der Insel Herrenchiemsee fand er den passenden Ort für den Bau eines Lebenstraums: "Einmal ein Nachbau von Schloss Versailles, aber größer und prachtvoller bitte", befahl er und bekam, was er wollte. Wer eine der ersten Fähren nimmt und sich der Insel im Morgennebel nähert, glaubt manchmal noch, seinen Geist dort auf den leeren Wegen zu erahnen, wie er auf einem seiner einsamen Streifzüge durch den Park schlendert. Schnell wird man bei einem Schlossrundgang von der goldenen Fantasterei mitgerissen und gibt jeglichen Kitsch-Widerstand auf. Kann man da noch an dem Souvenirshop vorbeigehen? Die Tasse mit dem Kini (Bayerisch für König) drauf ist kultig und muss mit! 
Tipp: Die Eintrittskarte fürs Schloss und das Kini-Museum kostet 8 Euro, es gibt sie nur am Schiffsanleger. Gegen Mittag wird’s voll, am besten gleich morgens losfahren. Fährverbindung unter www.chiemsee-schifffahrt.de. Übrigens: Tolle Kitsch-Souvenirs für Daheimgebliebene gibt’s hier: www.bavariashop.com

Zirkeltraining 


Radfahren, Paddeln, Segeln, Schwimmen, Klettern, Wandern … Die Gegend ist ein riesiger Sportplatz und macht einfach Lust auf Bewegung. Wer mag, schwingt sich aufs Rad und spielt das Spiel "Finde den schönsten Uferfleck". Werden einem die 54 km um den See zu lang, ist Schummeln erlaubt, und es geht mit dem Dampfer wieder zurück. Oder man lernt den Aufbau eines Klepper-Faltkajaks kennen und sticht damit in See. Wer sportlich ist, schafft es damit einmal um die Herreninsel. Alpenpanorama in Breit-Breit-Breitwandformat. 
Tipp: Ein Kajak können Sie buchen über www.chiemsee-alpenland.de. Ein Zweier kostet 39 Euro pro Boot und Tag.

Chiemsee-Star 


Wer sagt denn, die bayerische Küche sei sehr fleischlastig? Die Renke ist mit der Forelle verwandt und der beliebteste Fisch am Chiemsee. Geräuchert oder als Filet ein köstliches Muss auf jeder Speisekarte! 
Tipp: Fangfrische Renken kann man am besten auf der Fraueninsel kaufen, wo auch sechs Chiemseefischer leben.

In See stechen 


Entspannte Loungemusik dringt aus der Kajüte, die Segeljacht "Allure" gleitet erhaben in den Sonnenuntergang, und der See gehört den Mitseglern fast alleine. Jeder genießt die Stille und klebt an den Lippen von Skipperin Alexandra, wenn sie beim sonntäglichen "Sunsetsailing" von ihrem Chiemsee erzählt. Bitte nicht wieder in den Hafen zurück, liebe Skipperin! 
Tipp: Das "Sunsetsailing" dauert 2,5 Stunden und kostet 36 Euro pro Person, klar, dass es auch Sekt gibt. Buchen über www.chiemsee-alpenland.de. Wer vom See nicht genug bekommen kann, zieht gleich bei Alexandras Familie ein. Familie Heistracher vermietet Zimmer und Wohnungen mit Traumblick: www.chiemseestern.de 

Der Biergarten 


Er ist meist nicht fern. Und mag er sich auch gelegentlich als einfacher Kiosk tarnen, es gibt immer etwas gescheit Bayerisches zu essen, zum Beispiel eine Semmel mit Leberkäs. Im Biergarten wohnt die bayerische Seele. Auf diese Institution, in der alle Menschen gleich sind, ist ganz Deutschland zu Recht neidisch. 
Tipp: Nur wenige Biergärten am Chiemsee haben wirklich direkten Seezugang. Unser Favorit: der "Chiemgauhof" in Übersee. Mit eigenem Badestrand und in der Nähe des Dampferanlegers. Von hier haben Sie den besten Blick auf einen überwältigenden Sonnenuntergang.


Text: Frank Siegert; Bildnachweise: Fotolia


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