City-Trip: Weiße Nächte in Riga

Wer schön immer mal nach Riga in Lettland reisen wollte, sollte seinen City-Trip im Sommer machen. Die Weißen Nächte in der europäischen Kulturhauptstadt 2014 sind sehenswert.

Wie machen die das bloß? Klick, klack klappern sonnengebräunte Beine auf wahnsinnig hohen Absätzen übers Kopfsteinpflaster der Altstadt. Über langen Beinen flattert ein rotes Minikleid, ein passendes Haarband bändigt die weißblonden Locken der jungen Lettin. Die andere hat einen türkisblauen Anzug mit kurzen Hosen an, um ihren Hals baumeln Bernsteinklunker, groß wie Wachteleier. Neidisch blicke ich den beiden hinterher. Auch mein Begleiter guckt, und ausnahmsweise bekommt er keinen Tritt. Die laue Luft, der weite Himmel sind viel zu schön für so was.

Den Kurztrip nach Riga haben wir zum Hochzeitstag spendiert bekommen. Mal was anderes als Venedig, und vor allem Nächte, die wir nie vergessen werden. Die Sommernächte von Riga sind nicht nur unschlagbar lang, sondern so quirlig wie nirgends sonst auf der Welt. Weswegen ich jetzt etwas schwächele. An einem Café am Livenplatz kommen wir wieder zu Kräften. Schmale Häuser in Ocker und Rosa kuscheln sich windschief aneinander. Gleich daneben erzählen Gildehäuser mit Spitzbogenfenstern und Türmchen von hanseatischer Macht. Auf der anderen Seite liegt ein kleiner Park, in dem Kinder altmodisch Fangen spielen und Liebespaare sich anschmachten. Alle Restaurants, Bars und Cafés sind voll besetzt. Viele Stimmen und Gelächter klingen über den Platz, über dem selbst am späten Abend noch dämmriges Licht liegt. Diese Zeit nennen die Letten "Weiße Nächte", weil ein zartrosa Schleier die Stadt überzieht und die nicht untergehende Sonne eine ganz besondere Stimmung verbreitet – fast wie ein Rausch. Überall sieht man glückliche Gesichter, Müdigkeit und Augenringe scheinen unbekannt.

Eine Kellnerin bringt zwei Tassen und sagt mit rollendem R: "Wirkt Wunder!" Der "Riga Coffee" hat es in sich: Espresso, gemischt mit Rigas Kultgetränk "Black Balsam", einem bitter­süßen Schnaps aus Wurzeln und Blüten. Beim ersten Schluck zittern die Eingeweide, aber die Lust, weiterzubummeln, erwacht. Die Bedienung schreibt mir Adressen von jungen Künstlern, Mode- und Schmuckdesignern auf eine Serviette, und schon tauchen wir wieder in den Schwarm der glücklichen Menschen ein. Auf diese seltsame Stadt, die niemals schläft. Jedenfalls nicht in Sommernächten.

Restaurant- und Hotel-Tipps in Riga

Übernachten

Dom Hotel 
Ziemlich nobel ist das Stadthotel mit den hohen Decken, Kunst und schicken Bädern. Die tolle Dachterrasse wird abends zur Bar.

DZ ab 250 Euro, 4 Miesnieku, www.domehotel.lv



Hotel Justus 
Das Boutiquehotel liegt im Herzen der Altstadt. Modernes Design, aber mit charmantem Plüsch und Resten der Originalmauern.

DZ ab 89 Euro. Jauniela 24, www.hoteljustus.lv

Essen & Trinken

Galerija Istaba Restaurant und Galerie 
Unten stellen Künstler ihre Werke aus und verkaufen schöne Kleinigkeiten, oben stehen gerade mal fünf Tische. Statt Karte fragt der Küchenchef nach den Wünschen. Reservieren! 


Krisjana Barona 31a, Tel. +371-6/728 11 41



Kitchen 
Traditionelle lettische Küche in einem bezahlbaren Restaurant in einem alternativen Kulturzentrum.


Makavas iela 12,Gebäude K 1, 
www.restaurantkitchen.lv



Café Kukotava 
Nix für die Bikinifigur, aber unwiderstehlich lecker sind hier Torten, Kuchen und Konfekt. In dem altmodischen Café ist alles offen, sodass man die Konditoren beobachten kann. 


Terbatas iela 10/12, www.kukotava.lv


Text: Silke Haas, Fotos: Fotolia


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