Ein Wochenende Wellness

Es muss nicht immer eine Fernreise sein! Wer sich etwas gönnen möchte, aber nicht mehr als ein paar Tage frei bekommt, düst zum Ausspannen ins Spa ans Meer. Ein Kurztrip mit Langzeiteffekt.

"Die zwei Tage werden Ihnen vorkommen wie zwei Wochen", verspricht der Taxifahrer, der uns in Ribnitz-Damgarten am Bahnhof einsammelt und die verbleibenden Kilometer zum Zielort Dierhagen kutschiert. "Super", denke ich. "Genau das ist der Plan." Zwischen viel, viel Arbeit und dem Termin, für den sich das erste Baby angekündigt hat, ist nicht mehr viel Zeit. Eine Mütze voll Zweisamkeit, bevor es richtig rund geht, wäre schön. Am liebsten auf einer Ostseeinsel, wo der Wind einem die Flausen des Alltags aus dem Kopf pustet und nicht viel mehr zu tun ist, als die Beine in den Pool und aus dem Strandkorb baumeln zu lassen. Umso mehr freuen wir uns über die Einladung, das 4-Sterne-Superior-Strandhotel Fischland im Rahmen von zwei Übernachtungen etwas genauer zu erkunden. Einfach nur beieinander sein, abschalten. Fertig. Und mal wieder so richtig gut essen. Prompt macht uns der Taxifahrer, der zum – für Gäste kostenlosen – Fahrservice des Hotels gehört, die Urlaubszeit noch schmackhafter: "Ein richtig schickes Restaurant haben die", verrät er. "Mit einem Sternekoch." Vor kurzem sei er selbst dort gewesen und habe sich das 8-Gänge-Menü gegönnt. ACHT Gänge? Unser Blick muss Bände sprechen. "Sie denken wohl nur noch an Babygläschen", lacht unser Fahrer. Erwischt.

Sommer vorm Balkon

Wellness-Trip: Ausblick vom Balkon

Die erste Lektion in Sachen Runterkommen erhalten wir, als wir in der Lobby tiefenentspannt mit einem Sanddornsaft begrüßt und erst mal auf die Couch geschickt werden. Wer schon auf der Halbinsel Fischland-Darß war, der weiß, dass das Gewächs hier allgegenwärtig ist, genauso wie seine Erzeugnisse. Es gibt Honig, Senf, Punsch, Öle, Süßigkeiten – kurz: alles. Wir nippen ganz ohne Eile am Begrüßungsdrink, lassen uns den Aufbau des Hotels erklären und fahren dann in den dritten Stock, wo unser Zimmer mit Blick aufs Meer liegt. Die Aussicht durch die große Fensterfront kriegt uns sofort. Nichts außer Wasser, Bäumen und dem blauen Himmel. Fischland bietet etwas, das viele Ostseeinseln schon vor langer Zeit verloren haben: eine unverbaute, wilde Natur, die einen voll und ganz gefangen nimmt. Sich daran satt zu sehen, ist unmöglich. Das bestätigt uns später auch die Hoteldirektorin Isolde Heinz, die das Haus schon seit 2008 führt und vor ihrem Wechsel aus dem Süden noch nie an der Ostsee gewesen sei: "Als ich das erste Mal hier war, bin ich direkt an den Strand gegangen. Ich habe links geguckt, rechts geguckt und nichts außer Sand gesehen – es war der Hammer. Und ist es immer noch." Bis zur Wende war dieser besondere Blick vom Standort des Strandhotels Fischlands aus Regierungsmitgliedern und internationalen Staatsgästen der DDR vorbehalten. Auch Angela Merkel war hier schon zu Besuch. Ähnlich elitär fühlen wir uns auf dem großzügigen Balkon unseres Doppelzimmers. Während wir auf den zimmereigenen Sonnenliegen Meerluft schnuppern und uns von der Sonne den Scheitel küssen lassen, greifen unsere Hände immer wieder in den prall gefüllten Obstkorb, den jeder Gast zu Begrüßung erhält.

Dinner deluxe

Wellness-Trip: Abendessen im Restaurant

Nach der kleinen Stärkung kuscheln wir uns in Bademäntel und Schlappen und begeben uns auf große Spa-Expedition. Auf zwei Ebenen gibt es hier zwei gesonderte Bereiche – einen für die ganze Familie und einen textilfreien, der ausschließlich für Erwachsene zugänglich ist. Wir starten mit Nummer 1. Nachdem wir im angenehm temperierten Pool ein paar Runden gedreht haben, wärmen wir uns in der Textilsauna auf, die direkt neben dem Beckenrand liegt. Um 16 Uhr sehen wir zum ersten Mal Sterne – bei 100%iger Luftfeuchtigkeit in der Römischen Sauna, die zu Bereich Nummer 2 zählt und mit lauter kleinen Lichtern an der Decke aufwartet. Nach und nach klappern wir auch die anderen Saunen ab, darunter eine 90 Grad heiße Finnische Sauna oder ein Aromadampfbad. Wer dann noch kann, hat als Gast die Möglichkeit, auch den Spa-Bereich des Schwesternhotels Dünenmeer, nur 800 Meter entfernt, auszuprobieren. Wir verzichten im Zeichen der Entspannung. Stattdessen gehen wir angenehm träge geworden direkt zum Abendessen im Marktrestaurant über, das bei einer Zimmerbuchung standardmäßig zur Halbpension gehört – auch wenn das Essen alles andere als Standard ist. Ein Blick auf die Karte sagt eigentlich schon alles: An diesem Abend klatscht sich beispielsweise der Tartar vom Räucherlachs auf Avocado-Birnen-Carpaccio mit Ingwer-Honig-Soße mit in Trüffelöl pochierter Putenbrust auf Champagnerkraut und einer internationalen Käseauswahl mit Fruchtsenf ab. Satt und glücklich fallen wir ins Bett. Ein erstes Zwischenfazit? Genau so darf es weitergehen. Bitte.

Auf nach Mordor

Tag 2 bringt neben einem üppigen Frühstücksbüffet, das mit laktosefreien und sojareichen Produkten auch Menschen mit Unverträglichkeiten und einer tierfreundlichen Ernährung entgegen kommt, einen ausschweifenden Spaziergang. Am Strand entlang geht es Richtung Ortskern und wieder zurück – durch verwunschene Wälder und vorbei an urtümlichen Moorseen, die sich mit ihren schwarzen Gewässern und all dem wildem Schilf auch mitten in Mordor befinden könnten. Nach der Frischluftkur trennen wir uns für einen Moment. Während ich mir bei einer 80-minütigen Kosmetikbehandlung ganz sanft alle Sinne streicheln lasse und am Ende wie frisch geschlüpft zwischen kuschelweichen Decke hervorkrieche, wird der Mann bei einer Stempelmassage kräftig durchgewalzt. Wie es war, muss ich ihn danach gar nicht fragen. Sein verknautschter Gesichtsausdruck in Kombination mit einem zufriedenen Gähnen verrät mir alles, was ich wissen muss.

Echte Gaumenschmeichler

Den Höhepunkt des Verwöhnprogramms bietet schließlich das Dinner im anfangs erwähnten Sternerestaurant Ostseelounge, das von dem Chef de Cuisine Pierre Nippkow bekocht wird und im obersten Stock des Hauses liegt. Die inoffizielle Vorspeise: ein Sonnenuntergang im Meer, der dank bodentiefer Fenster direkt vor unserem Tisch stattfindet. Die offizielle Vorspeise nach einem ersten kulinarischen Gruß aus der Küche: eine Kreation aus gebeizter Meerforelle mit Sushireis, grünem Spargel, exotischen Früchten und einer Misohollandaise. Was in den Gängen darauf folgt, ist nicht weniger ausgefeilt, aufwändig arrangiert und dabei trotzdem nie so ausgefallen, das das Experimentelle auf Kosten des Geschmacks gehen würde. Einstimmig küren unsere Gaumen Flanke und Short Rib vom Rind mit Kaffeejus, karamellisiertem Chicorée und Schmorzwiebel zum Liebling des Abends – neben der aufmerksamen Küche, die für jedes für mich zu rohes Gericht auch eine schwangerenfreundliche Variante parat hat und sich bei Unverträglichkeiten an den Wünschen der Gäste orientiert.

Am nächsten Tag erwartet uns nach dem Frühstück nur noch die Heimreise. Mit einem verschmitzten Lächeln holt uns unser Fahrer ab. "Wie waren die zwei Wochen?", fragt er uns beim Einsteigen augenzwinkernd. "Es hätten gerne auch drei sein können", zwinkern wir zurück. Zu viel versprochen hat er definitiv nicht.


© Fotos: privat (Aufmacher, Artikelbilder), Strandhotel-Ostsee.de (Galeriebilder)


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