Endlich New York

15 Jahre hatte unsere Autorin Julia Wochnik davon geträumt, nach New York zu reisen. Jetzt flog sie hin

 

City of Dreams: der Big Apple

Verstohlen wische ich mir die Tränen aus den Augenwinkeln, als die Boeing 747-400 wieder den Erdboden berührt. Zum einen, weil das Monstrum mich und meine Flugangst sicher nach Amerika befördert hat, aber auch, weil ich endlich die Stadt erreiche, von der ich so lange geträumt habe. Nun in New York zu sein, lässt meinen Endorphinspiegel derart überschwappen, dass ich geneigt bin, nach dem Aussteigen das Rollfeld zu küssen. 15 Jahre hat es bis zu diesem Moment gedauert, die Reise war mir immer zu teuer. Aber mittlerweile kenne ich einige Tricks, wie man die Stadt auch mit wenig Geld erreicht.

Gute Vorbereitung ist alles, denn mehr als 1000 Euro pro Person hatten mein Freund und ich nicht zur Verfügung. So begann unsere Reise auf dem Sofa: Über KLM/Airfrance fand ich einen Flug zu 489 Euro pro Person, hin und zurück. Das Hotel ersteigerten wir über priceline.com, einer Internetplattform, auf der wir nach Auswahl des gewünschten Stadtteils und der Hotelkategorie einen Preisvorschlag an Hotels schickten, die uns zu dem Zeitpunkt noch unbekannt waren. Stimmt ein Hotel zu, erhält man den Zuschlag und erfährt binnen Minuten, wo man schlafen wird. Wir hatten Glück: Für 80 Euro die Nacht dürfen wir eine Woche im Marriott über- nachten, einem Vier-Sterne-Hotel in Midtown East. An sich kostet hier das Doppelzimmer 168 Euro.

Hot Dog mit Sauerkraut von "Grays Papaya"
Vielleicht der schönste New York-Tipp: Ein Spaziergang über die Brooklyn Bridge

Und nun: Manhattan! Wir fahren zu unserem Hotel, und mit dem ersten Schritt auf die Lexington Avenue ist alles da – die lauten Sirenen der Krankenwagen, vorbeieilende Menschen, diese Masse an gelben Taxis, glitzernde Wolkenkratzer. Ich bin bereits im Rausch, möchte zuerst zum Times Square, den ich aus so vielen Filmen kenne. Dann stehen wir dort, umgeben von Lichtern und Reklamen, schätzungsweise 1000 weiteren Touristen und Menschen, die als Spider-Man, Superman oder Chewbacca verkleidet sind und sich für Fotos bereithalten. Ich sauge das alles auf, aber nach einer Stunde Reizüberflutung brauche ich erst mal etwas Bodenständiges, also gehen wir Hot Dogs essen. Nicht irgendwo, sondern bei "Grays Papaya" – berühmt seit 1973 und nebenbei auch noch sehr preiswert: Der Snack mit Sauerkraut, im Stehen verputzt, kostet 1,50 Euro.

Leider beginnt es zu regnen, aber da Freitag ist, wissen wir, wo wir uns am besten unterstellen: Wir wollen ins MoMa, dem Museum of Modern Art mit einer der weltweit bedeutendsten und einflussreichsten Sammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst. Freitags ist hier der Eintritt bis 20 Uhr kostenlos. Sechs Stockwerke später spüre ich meine Füße, ich habe die Entfernungen unterschätzt, die wir in dieser Stadt zurücklegen. Außerdem sind nicht alle Bürgersteige und Straßen so glatt geteert wie in Deutschland. Unebenheiten und Löcher sind normal. Deshalb tragen hier auch die Businessfrauen ihre Pumps in der Hand und Bequemes an den Füßen. Wichtige Lektion: Turnschuhe tragen!

In Gedenken: Das One world Trade Center auf Ground Zero erinnert an den Anschlag vom 11.9.2001
Oase in der Großstadt: Im Central Park kann man Ruhe finden

Mit diesen Tretern an den Füßen lassen wir uns die nächsten Tage durch die Stadt treiben, angeregt von unserer vorab erstellten Liste, was wir uns umsonst ansehen können: So komme ich am Samstag auf den Hells-Kitchen-Flohmarkt, wo ich um coole Holzbuchstaben feilsche. Wir laufen durch den Washington Square Park, in dem Straßenkünstler tanzen, über- dimensionale Seifenblasen durch die Luft fliegen oder wir eine lebende Würgeschlange streicheln können. Und wir schlendern durch das Stadtviertel SoHo, in dem jeder namhafte Designer einen Shop hat. Allein die Schaufensterdekorationen lohnen einen Besuch. Shoppen ist allerdings eher utopisch, außer man hat gerade geerbt. Kostenlos dagegen ist ein Besuch des tollen High-Line-Parks auf einem stillgelegten Bahngleis. Wir blicken von dort auf den Hudson River, sitzen in der Abendsonne. Es kommt mir immer noch so vor, als sei das alles nicht real. Ich muss mich manchmal daran erinnern.

Am nächsten Morgen starten wir mit einer Subway-Fahrt für 1,90 Euro nach Lower Manhattan. Ziel ist Ground Zero, wo heute an den Grundmauern des ehemaligen World Trade Center die Wasserfälle zu sehen sind. Rechts und links davon finden sich Gedenktafeln mit den eingravierten Namen der Opfer vom 11. September. Als neue Tradition stecken nun die Angehörigen am Geburtstag ihres verlorenen Papas, ihrer Schwester oder des Mannes eine weiße Rose in die entsprechende Tafel. Das zu sehen ist bedrückend, aber wir finden es trotzdem gut, da zu sein. Es gehört ebenso zu einem New-York-Besuch wie der Central Park oder die Freiheitsstatue.

Deli mit Geschichte: Bei "Katz's" aßen schon "Harry und Sally"
Wenn man vor dem Großstadtrausch fliehen möchte: Der Central Park

Zu dieser Dame wollen wir als Nächstes, und auch das geht kostenlos: Mit der Fähre darf hier jeder umsonst nach Staten Island, direkt vorbei an dem Wahrzeichen der Stadt. Ich muss lachen: Die Statue entpuppt sich als sehr viel kleiner, als mir das Hollywood immer weismachen wollte. Dafür ist der Anblick von Manhattans Skyline fantastisch. Wir machen peinliche Selfies und sind glücklich.

Den Nachmittag shoppen wir uns durch die Stadt, man muss nur wissen, wo: Zum Beispiel im "Century21" (Designerware zu Outletpreisen), und dort finde ich tatsächlich Pumps von Oscar de la Renta für 100 Euro – eigentlich kosten die fünfmal so viel. Ich bin also bestens gelaunt, als wir uns noch zum Überqueren der alten Brooklyn Bridge entschließen. Einer meiner Sehnsuchtsorte genau zum Sonnenuntergang – und ich fotografiere die erste Speicherkarte in meiner Kamera voll. Zum Tagesabschluss essen wir noch einen Burger im "Bubby’s" in Tribeca, wo auch zum Beispiel Schauspieler Leonardo DiCaprio gern sein Essen bestellt. Der Burger ist ab 13 Euro zu haben. Ich fühle mich hier genau mittendrin.

Aber mein Highlight kommt erst noch: Am nächsten Tag zahlen wir zum ersten Mal für eine Sehenswürdigkeit Geld: Für 21 Euro pro Person fahren wir auf das Empire State Building. Ein teurer Rundblick auf die Stadt, aber auch einer, den ich ab jetzt immer in meinem Kopf haben werde. Als ich mir die Fotos von mir auf der Aussichtsplattform ansehe, muss ich feststellen: Auf allen sehe ich so begeistert aus, als hätte ich gerade im Lotto gewonnen.

Zum Abschluss einer Woche voller neuer Eindrücke besuchen wir eine Vorstellung des New York Balletts. Die Karten dazu haben wir erst am Tag gekauft, denn für nur 9 Euro pro Person bietet der Ticketverkauf am Times Square jeden Morgen die restlichen Plätze für die Abendvorstellung an. Wir sitzen da und versuchen zu verdrängen, dass das unser Abschied ist.
Auf dem Weg zurück zum Flughafen ziehen wir Bilanz: Flug, Hotel, das ESTA-Formular zur Einreise (10 Euro) und der Transfer haben für jeden von uns 762 Euro gekostet. Frühstück, Snack und Abendessen gab es im Schnitt für 25 Euro pro Tag und Person (Adressen siehe Kasten). Wir haben gefühlt alles gesehen, aber nur jeder 30 Euro für Sehenswürdigkeiten ausgegeben. Das macht bei einer Woche New York nicht mehr als 967 Euro Gesamtkosten pro Person. Okay, die 100 Euro für die Designerschuhe habe ich nicht mitgerechnet, aber ein bisschen Luxus muss doch auch sein.

Tipps für den gelungenen NewYork-Trip

GÜNSTIGE REISE-PAKETE ÜBER

skyscanner.de, kayak.de, urlaubspiraten.de, urlaubsguru.de

HOTEL-SCHNÄPPCHEN ÜBER

hotwire.com, priceline.com, airbnb.de

VORAB BESORGEN/MITNEHMEN

Gültiger Reisepass,
 ESTA (ca. 10 Euro): https://esta.cbp.dhs.gov/esta

ÜBLICHE REGELN

Trinkgeld Mind. 15 %, gilt im Taxi und Restaurant


Zoll Waren bis max. 430 Euro dürfen frei ausgeführt werden.

BEWEGUNG VOR ORT

Metro-Card 21 Euro/Woche, Fahrrad über citibikenyc.com

SIGHTSEEING KOSTENLOS 

Spaziergang über die Brooklyn Bridge, im High Line Park, Central Park, zu Ground Zero
Per Boot an der Freiheitsstatue entlang: Staten Island Ferry Stadtführungen freetoursbyfoot.com (Jeder zahlt, was es ihm wert war.)


Kultur: Der Eintritt im MoMa ist freitags ab 16 Uhr kostenlos, im MET ist er „recommended“ – d. h. vorgeschlagen, zahlen muss man ihn nicht. „TKTS“ am Times Square bietet für denselben Tag günstige Broadway-Tickets.


Fotos: Julia Wochnik; © designalicious - Fotolia.com, Text: Julia Wochnik


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