Istanbul: die ganze Welt in einer Stadt

Istanbul ist exotisch, cool, konservativ und quirlig: Wer keine Zeit für eine Weltreise hat, der sollte Istanbul besuchen.

Jane Kähler
Die Moschee von Ortaköy ist ein magischer Ort der Ruhe

Den heftigsten Schneesturm meines Lebens habe ich in Istanbul erlebt, im frühen Herbst. Bevor ich noch bis drei zählen konnte, hatten die Straßenhändler ihr Sortiment auf Winter umgestellt und die Einwohner ihre Stadt schneefest gemacht. Mit Istanbul, dieser Schönen, wettet man nicht, denn sie ist vor allem eins: unberechenbar. Wer laue Luft und Sonnenstunden erwartet, dem liefert der Himmel ein orientalisches Wintermärchen. Wer mit schüchternen Frauen mit Kopftüchern und grimmigen Männern mit schwarzen Schnauzern rechnet, dem zeigt Istanbul eine begeisterte Partygemeinde, von der sich New York eine Scheibe abschneiden kann. Hier kann man im Einkaufszentrum bei Zara shoppen und ein paar Straßenecken weiter auf dem Basar um Stoffe feilschen. Istanbul überrascht, und es macht ganz schön viel Lärm. Und es ist meine absolute Lieblingstadt. Warum? Ganz klar – darum!

1. Weil es trotz Trubel auch ein Dorf am Wasser ist


Mein Lieblingsort ist Ortaköy. Das ehemalige Fischerdörfchen liegt zwar inzwischen mitten in der Metropole, aber Charme hat es noch immer und zieht am Wochenende viele erholungssuchende Einheimische an. Auf der Bank am Wasser sitzend, kann man Istanbul erst einmal "merhaba" sagen – dem Bosporus, der Bosporusbrücke und Asien am anderen Ufer. Istanbul ist eine Wasserstadt mit wunderbaren Plätzen zum Ausruhen und Gucken. Besonders verzaubernd: die kleine Moschee von Ortaköy. Sie steht mit ihrem Fundament im Bosporus, innen herrscht himmlische Ruhe, und das Ticken der Wanduhren hat meditative Wirkung. Von der Moschee sind es nur ein paar Schritte zum Schiffsanleger. Psst, ein echter Geheimtipp – kaum ein Tourist findet her, und so schippert man vor allem in Begleitung türkischer Liebespaare für ein paar Euro ein, zwei Stunden den Bosporus hinunter. Selbst Tarkan, der aus Lautsprechern über das Deck schallt, klingt dabei einfach traumhaft. Malerische Fleckchen ziehen vorbei, wie der Stadtteil Arnavutköy, ein altes Fischerdorf mit filigranen Holzvillen, oder die geschichtsträchtige Festung Rumeli Hisarı.

2. Weil es hier das frischeste Fast Food der Welt gibt

Straßenverkäufer locken an jeder Ecke mit frischem Fast Food


Wer auf Diät ist, sollte nicht nach Istanbul reisen. Zu verlockend sind die köstlichen Gerüche in den Straßen. Exotische Früchte und Gewürze leuchten und duften um die Wette, und man kann hier einen "richtigen" Döner probieren. Aber Vorsicht: Deutsch-türkische Kreationen werden danach auf ewig verpönt sein! Direkt hinter dem Schiffsanleger in Ortaköy reihen sich die Stände der Gözleme- und Kumpir-Verkäufer. Kumpir, die gefüllten Kartoffeln, gibt es auch bei uns, also lieber die Gözleme. In die dünnen Teigfladen kommt alles, was schmeckt. Mein Favorit: Schafskäse, Spinat und Hühnchen. In Eminönü, dem Hafenviertel der Altstadt, klappern die Fischverkäufer mit ihren Zangen und begleiten das Ganze mit einem unendlichen "Buyurun"-Singsang ("bitte schön!"). Den gegrillten Fisch im Brötchen mit einem Spritzer Zitrone kann man hier direkt von den schaukelnden Fischerbooten kaufen. So ein Fischbrötchen gehört zu den köstlichsten Dingen, die man in Istanbul essen kann – günstiger und frischer geht’s nicht.

3. Weil es zum Sightseeing Familienanschluss gibt

Ein Säulenwald mitten im Wasser - die Zisterne Yerebatan Sarayi


Die Sehenswürdigkeiten der Stadt sollte man mit dem Dolmuş, dem türkischen Sammeltaxi, abfahren. Man stelle sich einfach zu einer Menschentraube auf der richtigen Straßenseite und warte – Sammeltaxis fahren ständig, man zahlt ein paar Euro und wird abgesetzt, wo man will. Nette Leute kennenlernen inklusive! Jetzt in der Nachsaison hat man die Chance, nicht nur schnell in die Hagia Sophia, den Topkapı-Palast oder die Blaue Moschee hineinzukommen, sondern sich auch in aller Ruhe umzuschauen. Meine Lieblings-Sehenswürdigkeit: die Zisterne des alten Byzanz, die Yerebatan Sarayı, in der Altstadt. Auf Holzstegen wandelt man bei klassischer Musik über das Wasser durch einen gigantischen Säulenwald. Der Große Basar (Kapalı Çarşı) und der Gewürzbasar sind toll für Fotos, die vielen überteuerten Touriprodukte aus Fernost laden aber nicht wirklich zum Shoppen ein. Schlendern Sie lieber durch das Straßengewirr in Eminönü – den Grand Bazaar –, auf dem es wirklich alles zu kaufen gibt: von der (vielleicht) echten Gucci-Tasche über handgemachten Schmuck bis hin zur original türkischen Wasserpfeife.

4. Weil man nirgends aufregender feiern kann

Auf dem Galataturm bekommt man eines der schönsten Panoramen Istanbuls geboten

Auf der anderen Seite der Altstadt am Berg liegt Beyoğlu. Der junge, pulsierende Stadtteil schwappt über vor hippen Bars und Schuppen mit türkischer Livemusik. Fast alle mit Traumpanorama: Es gibt kaum ein Café an Beyoğlus quirliger Fußgängerzone, der Istiklal Caddesi, ohne Blick auf den Bosporus oder das Goldene Horn. Einen der schönsten Ausblicke hat die Bar des Anemon Hotels. Die Nacht in Beyoğlu sollte mit einer ganz besonderen Musik beginnen – dem Sound von Istanbul. Und so geht’s kurz vor Sonnenuntergang auf den Galataturm. Dort bekommt man nicht nur eines der schönsten Panoramen geboten, sondern auch ein unglaubliches Hörerlebnis, wenn von allen Moscheen die Muezzins zum Abendgebet rufen – in Dolby-Surround. In den Gassen, die von der Fußgängerzone abgehen, ist man nicht allein: An den niedrigen Holztischchen oder auf Türschwellen sammelt sich die Nachtgemeinde bei einem leckeren Efes-Bier. Stimmengewirr liegt über Beyoğlu wie ein riesiger Bienenschwarm, und die Musik beginnt. Jetzt heißt es: treiben lassen, immer den schönsten Klängen nach! Im Andon in der Nähe des Taksim-Platzes findet man auf fünf Stockwerken Bar, Restaurant und mehrere Dancefloors. Spektakulärer und schicker geht es in den Bar-Restaurant-Klubs Fifth Floor und dem 360 zu. Erst wenn es dämmert, trifft sich die erschöpfte Partygemeinde am Taksim-Platz zu einem frühen Frühstück: Linsensuppe oder Pide.

Tipps für eine Städtereise nach Istanbul



Ein Muss für Istanbul-Besucher: eine Fahrt auf dem Bosporus
Übernachten

As Hotel in Beyoğlu. Nah am Nachtleben und doch herrlich ruhig. Doppelzimmer mit Frühstück ca. 60 Euro.

Bekar Sokak 26, www.asotelbeyoglu.com

Hotel Büyük Londra Zwischen dicken Teppichen, Antiquitäten und geschnörkelten Treppen nächtigt man in der Atmosphäre der Jahrhundertwende. Doppelzimmer ab 80 Euro.

Mesrutiyet Caddesi 53, Tel. +90-212/245 06 70, www.londrahotel.net

Empress Zoe Hotel, wenige Meter von der Hagia Sophia in der Altstadt gelegen. In der alten Zisterne mit verwunschenem Innenhof lässt sich türkisch träumen. Doppelzimmer ca. 95 Euro.

Adliye Sokak 10, Sultanahmet, www.emzoe.com

Essen und Trinken

Yakup 2 Ein Must für alle, die gemeinsam mit Istanbuls Kreativen und Intelligenten essen wollen. Undedingt die Vorspeisen probieren – die sind legendär!

Asmalimescit Sokak 35, Beyoğlu, www.yakuprestaurant.com

Koço Mit der Fähre rüber nach Asien geht es in eines der besten und ältesten Fischrestaurants überhaupt. Dank des griechischen Wirts gibt es hier tolle Mezze und köstlich gegrillten Fisch mit Blick auf das Marmarameer.

265 Moda Caddesi, Kadıköy, Tel. +90-216/336 07 95

Hamdi in der Altstadt erstreckt sich über mehrere Etagen – ganz oben hat man den tollsten Blick übers goldene Horn und den Bosporus. Die Kebabs gelten als die besten der Stadt!

Tahmis Cad Kalçın Sokak 17, Eminönü, Tel. +90-212/528 03 90 


Shoppen

Istanbul Cevahir Shopping Centre Mit über 300 000 Quadratmetern und sechs Ebenen ist es das größte Einkaufscenter Europas!

Öffnungszeiten 10–22 Uhr, Buyukdere Caddesi 22, Şişli

Istiklal Caddesi Die Fußgängerzone Beyoğlus lockt mit unzähligen Boutiquen. Bei "Mudo" gibt es trendige Mode, Haushaltswaren oder Deko. Bei "Mavi" findet man immer eine coole Jeans für wenig Geld – tolle Basics und Accessoires bei "Koton" oder "Miss Poem".

Stadtteil Nişantaşı Um die Straßen Tesvikiye oder Rumeli Caddesi reihen sich Edelläden wie "Machka" oder "Yargici" an­einander. Die angesagten Designer Atil Kutoğlu und Arzu Kaprols haben hier ihre Flagshipstores. 


Nicht verpassen

Wer in Istanbul nicht mit einer der unzähligen Fähren von Europa nach Asien und zurück gefahren ist, der hat die Stadt nicht wirklich erlebt. Das Schippern über den wellenbewegten Bosporus, begleitet von Möwenschwärmen und schnatternden Türken auf dem Weg von oder zur Arbeit, ist ein einmaliges Erlebnis! Fähren starten etwa ab den Anlegern in Eminönü oder Karaköy.


Text: Jane Kähler; Bildnachweise: Istockphoto, Shutterstock


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