Marrakesch, die Perle des Orients

1001 Nacht gibt es gar nicht? Gibt es wohl: Die marokkanische Stadt Marrakesch hat das Zeug zu einer echten Märchenprinzessin.

Nina Grygoriew

Düfte von Weihrauch, Rosenwasser und Zimt, die durch die Luft schweben wie ein weiches Tuch. Vielleicht auch die Ornamente, die Jamila mit Henna auf meinen Fuß malt und die "Du wirst die große Liebe finden" bedeuten. Was es auch ist, ich bin verzaubert. Verzaubert von einer arabischen Stadt. Verzaubert von Marrakesch.

Nüchtern betrachtet hat diese marokkanische Metropole, die neben Fès, Rabat und Meknès zu den vier Königsstädten gehört, eigentlich gar nicht so viel zu bieten: eine Altstadt, die Medina, die von einer zwölf Kilometer langen, hellroten Mauer zusammengehalten wird. Einen riesigen Platz in ihrer Mitte, von dem unzählige schmale Basargassen, die Souks, abgehen. Ein paar Moscheen, ein paar Paläste, ein paar Gärten. Aber Marrakesch ist auch eine Stadt der Kontraste: Im Nordosten die Palmeraie, die vom Ursprung der Stadt als Oasensiedlung erzählt, auf der anderen Seite die hochmodernen Stadtteile Hivernage und Guéliz. Paläste aus dem 16. Jahrhundert, nicht weit entfernt von vielstöckigen Banken und Bürogebäuden. Seit Hunderten von Jahren Zentrum des Handels, seit einigen Jahren Lieblingsdestination von Trendsettern und High Society. All das macht, dass es sich so anfühlt, als sei man ein bisschen betrunken.

Beliebtes Souvenir: Hamam- und andere bunte Tücher. Der Händler hier ist selbst sein bester Kunde
Bloß nicht schüchtern sein! Feilschen gehört in den Souks der Medina zum guten Ton

Zugegeben, unser Kennenlernen beginnt mit einer Portion Fremdeln. Ohne männliche Begleitung in einem arabischen Land, dazu an die geordnete, deutsche Großstadt gewöhnt – ich weiß nicht, ob das gut gehen kann. Ich taste mich vorsichtig durch die Kasbah, den südlichsten Teil der Altstadt, weiche stinkenden Mopeds aus, um gleich danach von einem Eselskarren angefahren zu werden, schaue angestrengt weg, wenn ein Händler Ziegenköpfe in der Auslage anbietet, verliere, trotz Stadtplan, innerhalb von Minuten die Orientierung. Kleine Stände am Straßenrand hüllen mich in beißenden Grillrauch, während direkt daneben ein Mann mit einem Hammer Beulen aus alten Blechtöpfen schlägt. Chaos! Ich fühle mich wie ein Alien und erst wieder besser, als ein paar französische Touristen auftauchen. An die hänge ich mich dran, weil ich hoffe, dass sie die Stadt und ihre 1,2 Millionen Einwohner schon ein bisschen begriffen haben.

Statt Stulle und Ei gibt es feinstes Gebäck: Frühstück im Hotel "Les Jardins de la Medina"
Solche Ruhe-Oasen findet man in vielen Hotels der Medina
Schuh-Tick: Babouches sind hinten offen, vorn spitz uns meist reich verziert
Pretty in Pink: Zwei Frauen in Dschellaba, dem Traditionsgewand

Haben sie wohl, denn ein paar Kurven später lande ich auf dem Djemaa al Fna, dem Platz, den die Einheimischen nur "la Place" nennen. An seinem Rand eine Handvoll alter Cafés, in der Mitte Tausende kleiner Geschäfte, verbunden durch ein Labyrinth halbdunkler Gänge. Und auch wenn es klingt wie ein abgegriffenes Klischee – in diesen Gängen passiert tausendundeine Nacht. In telefonzellengroßen Läden bieten die Händler bunte Decken an, Gewürze, die sie zu meterhohen Pyramiden geschichtet haben, Silberschmuck, Lederwaren, Geschirr, Teppiche, aber auch Lebensmittel wie Oliven, ganze Büsche von Minze, klebrige Patisserie, Fleisch und Brot.

Was es hier auf die Hand gibt? Na, Schnecken ...
... dann schon lieber ein Glas Orangensaft am Straßenkarren!

Hausfrauen, manche in der kaftanähnlichen Djellaba, manche bis auf einen Augenschlitz komplett verschleiert, kaufen hier ein, ein Surren liegt in der Luft, denn die Händler versuchen mit schmeichelnden Worten, ihre Ware an den Mann zu bringen. Und an die Frau: Ich muss mit Mandelpaste gefülltes Gebäck "Kaab el Ghazal" probieren, an Gewürzmischungen wie "Ras el-Hanout" riechen und natürlich handeln. Ein liebevoller Flirt um Preise, an dessen Ende ich verliere und für eine silberne Teekanne so viel zahle, dass der Verkäufer danach wahrscheinlich zwei Wochen Urlaub macht. Aber es bringt Spaß zu feilschen, die Händler sind respektvoll, obwohl sie sehen, dass ich allein unterwegs bin, und so trage ich nach drei Stunden auch noch eine blaue Djellaba, eine Großpackung gesalzene Mandeln, eine hohe Anzahl Armbänder und eine Auswahl marokkanischer Kosmetik mit mir rum.

"Gruß aus Marrakesch": So sehen die Postkarten aus
Lampen wie diese sorgen für magische Stimmung

Während ich in den Souks meinen Kaufrausch ausgelebt habe, hat der Djemaa al Fna eine Metamorphose durchgemacht. In der Abenddämmerung ist er nicht mehr nur Marktplatz, er ist Zirkusbühne und Freiluftrestaurant. Schlangenbeschwörer lassen ihre Tiere tanzen, Frauen verzieren nackte Haut mit Henna, kleine Musikergruppen spielen traditionelle Melodien. Tausende Menschen schieben sich über den Platz, essen gekochte Schnecken, lassen sich die Karten legen oder frische Mezze servieren. Ich ergattere einen der beliebten Dachterrassenplätze im "Café de France". Es ist Wahnsinn, was sich auf dem Platz abspielt, wenn die Sonne die Stadt in orangerotes Licht taucht und die Menschen sogar von außerhalb kommen, um hier zu feiern. Als ich im Dunkeln ins Hotel zurücklaufe, fühle ich mich keine Sekunde unsicher. Ich merke nur, dass ich mehr will von diesem aufregenden Ort.

Ohne Gewürze vom Basar fährt kein Tourist nach Hause. Keiner!

Ganz anders aufregend als die Altstadt sind die Viertel Hivernage und Guéliz in der Neustadt von Marrakesch. Hier ist nicht Orient, hier ist Moderne. Zwischen Place de la Liberté und Place Abdelmoumen Ben Ali reihen sich kleine Boutiquen, große Labels, hippe Bars, Theater, Luxushotels und Einkaufszentren aneinander. Die Architektur verändert sich von kleinen Riads zu vielstöckigen Glas-Beton-Bauten, in den Cafés tippen Frauen in hippen Outfits Nachrichten in ihre iPhones, und die Schuhläden verkaufen statt Lederschlappen High Heels. Fast könnte man vergessen, dass man nicht in einer europäischen Metropole ist, würde nicht plötzlich ein alter Mann mit mindestens 40 Eselsfüßen auf dem Fahrrad um die Ecke kommen.

Wenn der Schlangenbeschwörer loslegt, steht die Menge Schlange - vor allem, wenn sich der Abend über den Platz Djemaa el Fna senkt.

Nach einem Spaziergang im Jardin Majorelle, diesem Garten, den Yves Saint Laurent so sehr geliebt hat, gibt es noch einen Ort, von dem ich schon so viel Traumhaftes gehört habe, dass ich die Stadt nicht verlassen kann, ohne ihn zu sehen: "La Mamounia". Dieses Fünf-Sterne-Hotel am Rande der Altstadt ist viel mehr als eine Ansammlung luxuriöser Zimmer, es ist eine Oase mitten in der Stadt. Die Hotelhalle wirkt mit ihren Mosaikdecken wie ein maurischer Palast, Art-déco-Leuchten tauchen alles in sanftes Licht, dicke Teppiche schlucken Schritte. Und obwohl die Übernachtung für mich in etwa so erreichbar ist wie der Mond, werde ich begrüßt und bedient, als sei ich ein Stammgast. Mit einem Cappuccino sitze ich auf einer weißen Chaiselongue in dem wundervollsten Garten, den ich je gesehen habe. Die Vögel zwitschern fast albern schön, ein leichter Wind weht sanft durch Obstbäume und Palmen. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich verzaubert bin?

Nicht vergessen: Diese quirlige Stadt braucht viele Kaffeepausen ...

Tolle Restaurant- und Shopping-Tipps

Übernachten

Les Jardins de la Medina 
Das Hotel in einem Riad aus dem 19. Jahrhundert liegt in der Kasbah. Traumhaft schön: der stille Innenhof mit Pool und Hausschildkröte und die hellen Zimmer mit Terrasse. DZ ab 160 Euro. 
21 Derb chtouka, Kasbah, www.lesjardinsdelamedina.com



Riad Ifoulki 
Nur ein paar Schritte vom Djemaa el Fna entfernt, wohnt man mitten im Trubel. Edle Zimmer, hauseigener Hamam, erstklassige Küche. DZ ab 100 Euro. 
11 Derb Mqqadem, Route Arset Loghzail, www.riadifoulki.com



The Great Getaway 
Medina Auf der Dachterrasse mit Blick aufs Atlas-Gebirge liegt man wie auf einer verzauberten Bühne, die Zimmer des Stadtpalasts huldigen den Farben der Stadt. Perfekt für Honeymooner! DZ ab 150 Euro. 
6, Rue Bin Touahame, Sidi Ben Slimane, www.the-great-getaway.com

Essen und Trinken

Al Fassia 
Wenn ein Restaurant von Einheimischen besucht wird, ist das ein ziemlich gutes Zeichen. Couscous, Salate und Lammgerichte sind ein orientalischer Traum. Reservieren! 
55 Boulevard Zerktouni, Guéliz, www.alfassia.com 



Bô-zin Bar, Club und Restaurant 
Das "Bô-zin" in der Neustadt ist eine der angesagtesten Adressen im Nachtleben. Nach dem Dinner im romantisch beleuchteten Garten, wird zum Beat des hauseigenen DJs auch schon mal auf den Tischen getanzt. 
1 Douar Lahna, Route de l‘Ourika 3,5km, www.bo-zin.com

Nicht verpassen!

Sidi Ghanem 
Wer noch Zeit hat, sollte ins Quartier Industriel Sidi Ghanem fahren. In Hinterhäusern und Fabrikhallen haben sich hier Galerien, Künstler und Modedesigner versammelt: Spitzen-Einblick in die marokkanische Kulturszene! Von der Rue Moulay Ismail kann man mit den Buslinien 15 und 40 hinfahren. 
www.sidighanem.net


Sabine Braun

Unter freiem Himmel kochen

Buchen Sie über DER.com einen Trip nach Marrakesch und bekommen Sie einen marokkanischen Kochkurs unter freiem Himmel geschenkt. Hier geht’s zum Angebot!


IVAs Blog

Netzfundstücke, Hilfreiches, Schönes: Hier schreibt IVA über alles, was sie bewegt.

LESEN
Gewinnspiele

Aktuelle Gewinnspiele aus den Bereichen Beauty, Mode, Reise und Design!

Mitmachen