Rom: Eine Stadt fürs Herz

Rom ist besonders romantisch, wenn es aus dem Winterschlaf erwacht ist. Schon ein paar Tage reichen für einen Hauch pralles Italien – am schönsten zu zweit.

Patricia Engelhorn

Die Lust auf Rom überkam mich beim Einkaufen. „Italienische Wochen“ mit Prosciutto, Pasta, Parmesan und Plakaten von malerischen Restaurant-Terrassen. „Ich habe Appetit, fahren wir nach Rom?“, sagte ich dem Mann, der unseren Einkaufswagen schob. Zwei Wochen später landete unser Flugzeug fast auf dem Meer. Der Zug in die Stadt war voll und stickig – als wir an der Piazza del Popolo ins Freie traten, schien die Sonne. Die Leute saßen draußen und aßen.

„Ich bin hungrig“, flüsterte ich dem Mann, der meine Hand hielt, ins Ohr. Ins „Dal Bolognese“ gehen Frauen, die aussehen wie Monica Bellucci, mit Männern, die sicher viel Geld verdienen. Es ist ein altmodisches Lokal, teuer und unglaublich schick. Doch ein leichtes Mittagessen kann man sich leisten, und es lohnt sich: Die hausgemachten Tagliatelle sind köstlich, der Kellner trägt ein sahneweißes Sakko und sagt höflich „Signora“. Nach dem zweiten Glas Wein weiß man, dass man angekommen ist.

Die ganze Welt in einer Straße

Es hat Vorteile, in der Nähe der Piazza del Popolo zu wohnen. Einer davon: Man läuft täglich die Via di Ripetta entlang. Es ist nichts Besonderes an dieser Straße, und eben deswegen mag ich sie. Sie führt nur wenige Meter am touristischen Trubel vorbei bis fast zu Piazza Navona und ist voller netter Modeboutiquen, Buchhandlungen, Lebensmittelläden, Werkstätten und ganz normalen Cafés. Schon von Weitem sieht man das Museo dell’Ara Pacis in der Sonne leuchten. Der minimalistische Marmorbau umhüllt Kaiser Augustus’ antiken Friedensaltar und sorgte bei seiner Einweihung vor bald fünf Jahren für viel Diskussionsstoff. Zu groß! Zu weiß! Zu modern! Als Modedesigner Valentino hier sein 45. Firmenjubiläum feierte, protestierten Hunderte von Umweltschützern. Ihnen missfiel, dass Roms antikes Monument als Hintergrund für rauschende Partys benutzt wurde. Was sich in der Heiligen Stadt kaum vermeiden lässt, weil hier fast alles antik ist.

Mir ist nicht nach Kaiser Augustus, eher nach etwas Schönem zum Anziehen. Bei „L’Autre Chose“ an der Piazza Campo Marzio werde ich fündig: ein paar Schuhe mit hohen Absätzen, eine Bluse und ein schmal fallender Rock. Zunehmen darf ich jetzt allerdings nicht mehr, und so schaue ich stoisch an der Eisdiele „San Crispino“ vorbei, obwohl es hier das beste Zabaione-Eis der Welt gibt. Langsam verschwindet die Sonne hinter den prächtigen Palazzi und hinterlässt einen matten Schimmer, der noch ein Weilchen an den porösen uralten Hausfassaden kleben bleibt.

Junge Römer sehen anders aus als junge Berliner

Es gibt Momente, in denen Rom von fast magischer Schönheit ist. Es sind nicht nur die wunderbaren Gebäude mit ihren mächtigen Mauern, imposanten Portalen und Geranien geschmückten Fenstern. Es sind auch die schiefen, kopfsteingepflasterten Gassen, auf denen ich mit meinen neuen Schuhen kaum gehen kann. Es sind die Dachterrassen mit ihrem üppigen Grün, die flachen Brücken über dem Tiber. Ganz gleich, wohin man blickt, es ist immer eine Kuppel, eine Kirche, ein Brunnen, ein Platz zu sehen – und wer sich nicht wie alle anderen auf die untersten Stufen der Spanischen Treppe setzt, sondern bis nach oben läuft, dem liegt die ganze Pracht zu Füßen unter einem blassblauen Abendhimmel, der allein schon gute Laune macht.

Die Straßen sind jetzt voller Menschen, die die ersten warmen Frühlingstage genießen: junge Römer, die trotz Turnschuhen und Kapuzenshirts ganz anders aussehen als junge Berliner. Frauen, die besser etwas weniger blondiert, etwas weniger gebräunt und etwas weniger geschminkt wären, und Männer, die in ihren smarten Anzügen so elegant wie Filmstars wirken. Es wird geredet, gelacht und geflirtet, dann geht man zum „Aperitivo“ in die nächstbeste Bar. Wir gehen ins romantische „Antico Caffè della Pace“ oder ins schicke „Salotto 42“ und dann in mein Lieblingsrestaurant im teuren Shopping-Viertel um die Via Condotti. Die „Fiaschetteria Beltramme“ ist allerdings ganz schlicht und leicht zu übersehen: ein langer Schlauch mit weiß gedeckten Tischen und Bildern an den Wänden, ganz hinten essen alleinstehende Stammgäste an einer gemeinsamen Tafel. Spezialität sind dicke Spaghetti mit Schafskäse und Pfeffer (Tonnarelli Cacio e Pepe) und die Schokoladenmousse. Danach noch ein Absacker in der angesagten Bar des Hotels „Locarno“. Ein Glück, dass wir hier unser Zimmer haben ...

Die Rechnung wird aufs Papiertuch gekritzelt

Am nächsten Tag nehmen wir ein Taxi in den Norden der Stadt, denn hier steht Roms jüngstes kulturelles Highlight: das MAXXI, eine Kunsthalle mit über 300 Werken, unter anderen von Anish Kapoor, Mario Merz und Gerhard Richter. Die berühmte Architektin Zaha Hadid durfte 150 Millionen Euro verbauen und hat damit eine alte Militärbaracke mit ihrem futuristischen Glas-und-Beton-Entwurf verschmolzen. Doch das MAXXI könnte ebenso gut in New York oder Hamburg stehen: Ich möchte wieder nach Rom – und weil gerade Mittag ist, lassen wir das Taxi zum Campo dei Fiori fahren, einem unprätentiösen Platz mit einem tollen Obst- und Gemüse-markt und unzähligen Cafés und Restaurants. In der Bäckerei an der Ecke gibt es ofenfrische Pizza, auf den Terrassen einen cremigen Cappuccino, und irgendwo macht immer jemand Musik.

Jenseits des Tibers wartet eine andere Welt. Trastevere ist dörflich und malerisch, eng und volksnah. Man verläuft sich im Gassenlabyrinth und steht dann plötzlich auf der schönen Piazza Santa Maria mit einer Kirche, in der fast stündlich geheiratet wird. Oder vor der „Trattoria da Augusto“ an der kleinen Piazza de’ Renzi. Viele Gäste warten vor der Tür, doch dann geht es schneller, als man denkt. Das „Augusto“ ist ein einfacher Familienbetrieb, und er wirkt wie von Fellini erfunden: voll, laut, derb, fröhlich. Es gibt ordentliche Portionen, der Wein wird aus Wassergläsern getrunken, die Rechnung auf das Papiertischtuch gekritzelt. Jetzt könnte mich noch die kleine Szenebar „Stardust“ gleich um die Ecke locken, doch auch hier steht eine endlose Menschentraube vor dem Eingang. „Ich bin müde“, sage ich zu dem Mann, der meine Hand hält, „lass uns nach Hause gehen.“

Übernachten:

Daphne Inn: Sehr sympathisches B & B im Zentrum der Stadt. Die Einrichtung ist eine Mischung aus Ikea und Ethno, das Frühstück italienisch, das Internet umsonst, DZ ab 100 Euro. Via degli Avignonesi 20,Tel. +39-06/87 45 00 86/7, www.daphne-rome.com

Hotel Locarno: Romantisches Haus in schönstem Liberty-Stil, gleich um die Ecke der Piazza del Popolo. 66 komfortable Zimmer und Suiten, zauberhafter Innenhof, angesagte Bar, DZ ab 120 Euro. Via della Penna 22, Tel. +39-06/361 08 41, www.hotellocarno.com

Hotel Adriano: Sympathisches 80-Zimmer-Hotel in einem Palazzo aus dem 17. Jahrhundert in idyllischer, zentraler Lage. Schöne Lobby, ruhige Zimmer zum Hof hinaus, DZ ab 132 Euro. Via di Pallacorda 2, Tel. +39-06/68 80 24 51, www.hoteladriano.com

Essen, Trinken, Schauen:

Dal Bolognese: Der Klassiker in Rom, beliebt auch bei Prominenten und Filmstars. Besonders begehrt sind die Tische auf der schönen Piazza del Popolo. Piazza del Popolo 1–2, Tel. +39-06/361 14 26

Pastificio San Lorenzo: Trendlokal in einer ehemaligen Bäckerei im Szeneviertel San Lorenzo. Schickes Ambiente, gute Fischküche. Via Tiburtina 196, Tel. +39-06/97 27 35 19

Fiaschetteria Beltramme: Stimmungsvolles Restaurant mit römischer Hausmannskost. Mittags essen hier Anwohner, abends kommen Touristen. Keine Reservierungen. Via della Croce 39

Trattoria da Augusto: Keine Reservierungen, keine Kreditkarten, dafür wartende Gäste vor der Tür. Hier essen Römer und Touristen, bei warmem Wetter gern vor der Tür.

Piazza de’ Renzi: 15 Gusto Restaurant der neuen Generation – modern, kosmopolitisch, schick gestaltet. Italienische Küche, gute Pizzen und ein großzügiges Aperitivo-Büfett. Piazza Augusto Imperatore 9, Tel. +39-06/322 62 73 Antico

Caffè della Pace: Auch Julia Roberts trinkt in „Eat, Pray, Love“ hier ihren Rotwein. Reizende Terrasse! Via della Pace 5

Salotto 42: Roms angesagteste Adresse für den Aperitivo. Schicke Leute, guter Spritz. Piazza di Pietra 42La Buvette: Etwas altmodische, aber sehr stilvolle Bar, in der sich elegante Römerinnen und Römer zum Frühstück treffen. Via Vittoria 44

Shopping:

Borini: Kleiner Schuhladen, immer voll mit Kunden und Kisten – jedes Modell ist in vielen Farben erhältlich. Via dei Pettinari, 86–87

L’Autre Chose: Relativ neue Boutique mit wunderschönen, gut kombinierbaren Kleidern und Schuhen. Piazza Campo Marzio 9–11

Via Giulia: 95 Antiquitäten aus aller Welt sowie Designobjekte, die die Eigentümerin, eine elegante Perserin, selbst entworfen hat. Via Giulia 95

Federico Polidori: Einzigartiges Geschäft für handgefertigte Lederwaren. Besonders schöne Hand- und Reisetaschen! Via Piè di Marmo 7

Said dal 1923: Niemand sollte Rom verlassen, ohne dieses Schokoladengeschäft besucht zu haben – ein Traum! Via Tiburtina 135, www.said.it


© iStock; Olivier Culmann/Agentur Focus/xxpool.de | aus der "LAVIVA"-Ausgabe März 2011


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