Sprachkurse für Erwachsene

Unsere Autorin spricht jetzt Französisch – dank eines Sprachkurses für Erwachsene in Bordeaux, dieser zauberhaften Stadt im Südwesten Frankreichs.

Aufgepasst: Französisch-Lehrerin Vanessa spricht schneller als ein Wasserfall

"Pssst!" – Der Unterricht in der Sprachschule beginnt mit einem kleinen Rüffel. Dabei habe ich Giana nur kurz auf Englisch zugeflüstert, warum ich hier bin: "Ich kann nicht mal einen Kaffee auf Französisch bestellen, ohne ins Stottern zu kommen." Giana lächelt mitfühlend, nickt, murmelt, dass sie einen ganz anderen Grund hat, diese Sprache zu lernen. "Welchen?", frage ich leise. "Fabien", antwortet sie. Mehr sagt sie nicht, weil Französisch-Lehrerin Vanessa sie davon abhält. 

Es gibt viele gute Gründe, Französisch zu lernen, das erfahre ich am ersten Tag meines Sprachkurses. Der Grund der 38-jährigen Amerikanerin aus Seattle heißt also Fabien. Carlos, ein Spanier Anfang 30, ist vor Kurzem in ein kleines Dorf nahe Bordeaux gezogen und muss nun Französisch büffeln, um als Physiotherapeut seine Klienten zu verstehen. Vojtek, Architekturstudent aus Danzig und der Jüngste im Kurs, nutzt seine Semesterferien, um Bordeaux und die Sprache kennenzulernen. Und ich war es leid, immer wieder an den einfachsten Sätzen zu scheitern. Daher drücke ich nun nach vielen, vielen Jahren mal wieder die Schulbank, während sich draußen die Hitze über die Stadt legt und eine Autostunde entfernt der Atlantik in großen Wellen an Land rollt.

Vanessa spricht nur Französisch, das hatte sie gleich zu Beginn des Kurses klargestellt, aber wir dürfen jederzeit unterbrechen, fragen, uns erklären lassen, was wir nicht verstanden haben. "Alors", sagt die quirlige junge Französin und erklärt die nächste Aufgabe. Wir sollen eine Feier planen, auf Französisch natürlich, "organisez une fête!" Ich male Flaschen und Gläser auf mein Papier, krame in meinem Kopf nach Worten, die zum Thema passen. Une bouteille, das ist eine Flasche. Aber wie spricht man das noch mal aus? Ich schweige lieber …

Lektion: Milchkaffee bestellen!

Am Mittag liegen drei Stunden Französisch hinter mir, drei Stunden als Schülerin mit drei Fremden, die mir schon eine Spur vertraut sind. Vielleicht, weil wir uns gemeinsam in einer fremden Sprache versuchen, gemeinsam über unsere Fehler grinsen, gemeinsam scheitern? Wir verabschieden uns, sagen "au revoir", dann ist es Zeit für Bordeaux, für diese alte, stolze Weinstadt. Im Schatten der großen Sandsteinhäuser laufe ich durch die Straßen und versuche nebenbei, jedes Schild zu entziffern. Petit déjeuner, hieß das nicht "Frühstück"?

Bordeaux hat sich in den letzten 15 Jahren neu erfunden. Die Autos wurden aus der Altstadt verbannt und durch ein Straßenbahnnetz ersetzt. Und die im Laufe der Jahre schwarz verrußten Fassaden der Sandsteinbauten wurden gereinigt und strahlen heute in hellem Beige. Seit 2007 zählt der Altstadtkern zum UNESCO-Weltkulturerbe, auch die Gegend um den Markt Victor Hugo. Berge von Renekloden sind hier aufgetürmt, Avocados, Orangen und Papayas. Eine alte Frau lächelt mich an, sie fragt etwas, das ich nicht verstehe. Ich zeige auf die Pflaumen, forme meine Hände zu einer Schüssel, um ihr anzudeuten, wie viele ich gern hätte. Unsicheres Lächeln, Schulterzucken. Dann bekomme ich meine Früchte, und dazu die Erkenntnis: Es gibt wirklich viel zu lernen!

Autorin Karen Amme drückt wieder die Schulbank. Chapeau!

Natürlich versucht Vanessa auch, uns ein wenig der komplizierten Grammatik einzutrichtern. Aber Giana, Carlos, Vojtek und ich lernen in erster Linie Praktisches. Konversation, Redewendungen, Vokabeln. Wie lesen Texte laut vor, prägen uns die Sprachmelodie ein, versuchen, alles, was wir denken, zu übersetzen.

"Tu as passé une bonne soirée?", fragt Giana mich in der Pause. Ich sehe sie an, übersetze langsam Wort für Wort, bis ich ihre Frage verstehe. "Oui", sage ich, ja, ich hatte einen schönen Abend.

 Ich verrate nicht, dass ich mit dem Versuch, das WLAN-Passwort meiner kleinen Pension herauszufinden, gescheitert bin. Christine, die gute Seele dort, konnte mit meinen französischen Brocken wenig anfangen. Ich winkte irgendwann ab, beschloss, dass ich auch ohne Internet zurechtkommen würde. Ich streifte stattdessen durch die weltberühmten Galeries Lafayette und bestellte später im "Café Populaire" einen Bordeaux. 

Zwei Tage später. Es ist sehr heiß, il fait très chaud. Ich kann den nahen Atlantik schmecken, schwöre ich, das Salz und die Algen, und ich muss den Wunsch unterdrücken, einfach ans Meer zu fahren, statt Französisch zu büffeln. Aber dafür bin ich hier, denke ich laut und betrete das Schulgebäude. Schließlich will ich am Ende der Woche wenigstens mühelos Kaffee ordern und einkaufen können.

Für die Macarons ist Bordeaux weltberühmt. Lecker für Magen und Auge

Vanessa spricht schnell, sehr schnell. Wenn ich nicht aufpasse, verliere ich den Faden nach dem zweiten Satz. Dann schweifen meine Gedanken ab, schwirren durch die Gassen, die ich nachmittags durchstreife, stoppen vor dem Maison Georges Larnicol, einem Schoko-Shop, aus dessen Schaufenstern kunstvolle, süße Käfer gucken und bergeweise Macarons. Bis ich irgendwann meinen Namen höre in diesem fremden französischen Klang und Aufforderungen wie diese: "Ecris une carte postale à tes collègues de bureau", schreib deinen Kollegen eine Postkarte.

"Tu as fait tes devoirs?", fragt Giana mich. Ob ich meine Hausaufgaben gemacht habe? "Oui." Ich zeige meine Postkarte, auf der ich ein paar französische Zeilen notiert habe: über Bordeaux und die 1200 Meter lange Rue Sainte-Catherine, in deren kleinen Boutiquen ich so gern stöbere. Über das schöne Wetter und die leckeren hausgemachten Pommes im Restaurant "l’Entrecôte". 

Drei Stunden später ist der Kurs zu Ende, Vanessa verabschiedet uns, Küsschen rechts, Küsschen links, sie ermahnt uns, weiterhin viel Französisch zu sprechen. Dann breche ich auf – zu meinem letzten Nachmittag. Ich schlemme noch einmal Zitronentarte, lese ein paar Seiten auf dem majestätischen Place de la Bourse. Schnappe ein paar Brocken der Sprache auf, die mir peu à peu vertrauter wird. Am Abend gehe ich ins Bistro "Tupina", setze mich an einen kleinen Tisch und schaue der Garonne zu, wie sie in mondsichelförmigem Bogen und leise gurgelnd gen Atlantik fließt. Ich bestelle einen Salat mit Ziegenkäse und einen Weißwein: "Je prendrai une salade de chèvre chaud et un vin blanc." Die Bedienung nickt, sagt: "Merci beaucoup." Ich sage lässig: "Merci à vous." Und kann mir ein Lächeln nicht verkneifen. Sie hat mich verstanden.

Tipps

Hinkommen

Bordeaux ist täglich von zahlreichen deutschen Flughäfen zu erreichen, z. B. mit Air France über Paris  (www.airfrance.com). In der Nebensaison kosten Hin- und Rückflug ab 200 Euro, in der Hauptsaison  ab 400 Euro. 


Lernen

In Bordeaux gibt es diverse Sprachschulen, sehr empfehlenswert ist die French Factory. Sie bietet Kurse in kleinen Gruppen mit vier bis acht Teilnehmern an. Je nach Kenntnisstand, Zeit und Zielen kann man in bestehende Halb- oder Ganztageskurse einsteigen. Ein einwöchiger Halbtageskurs (15 Stunden) kostet 193,50 Euro inklusive Arbeits­materialien.


Infos: French Factory Bordeaux, Tel. 0033/540 54 67 20, contact@ffbordeaux.fr, www.ffbordeaux.fr   


Essen und Trinken

Im Chez Jean kann man gut einheimisch speisen. Köstlich: Crème brûlée vanille zum Dessert!

1 place du Parlament, www.restaurant.chezjeanbordeaux.fr

Das zentrale Restaurant l’Entrecôte ist bekannt für seine Fleischgerichte und tollen Saucen. 

4 cours du XIV Juillet.

Auf dem Marché Colbert am Quai des Chartrons, direkt am Fluss, werden sonntagvormittags frischer Fisch, Austern und Käse verkauft. Très français!  


Übernachten

Das Chambres d’hôtes La Villa liegt mitten in Bordeaux und bietet vier unterschiedliche Zimmer ab 65 Euro inkl. Petit déjeuner.

www.bordeauxchambresdhotes.com 

Das Chambres d’hôtes Maison Fredon verfügt nur über eine Handvoll Zimmer. Das Frühstück wird im Café um die Ecke serviert – mit Traumblick auf die Garonne!

DZ ab 180 Euro, www.latupina.com


Text: Karen Amme, Bildnachweise: Polaroids: Karen Amme; Fotolia


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