Winterausflug an die Flensburger Förde

Im Sommer tummeln sich von Flensburg bis Glücksburg unendlich viele Urlauber an Stränden und Cafés. Dagegen ist die nördlichste Region Deutschlands in den Wintermonaten ein echter Geheimtipp. Laviva-Autorin Stefanie Wille hat im Januar einen Ausflug gewagt und sich in die charmante Kälte verliebt.

Glücksburger Wasserschloss im Winter

Das Glücksburger Wasserschloss wurde 1583 im Auftrag von Herzog Johann dem Jüngeren erbaut.

Entspannung pur in Glücksburg

Einmal ganz tief einatmen, bitte! Es weht ein kalter Wind an den menschenleeren Stränden. Die Wanderwege im Wald sind von einem nebeligen Schleier überzogen. Und man kann sich kaum vorstellen, dass sich genau hier in ein paar Monaten tausende Sommerurlauber vergnügen werden. Und das ist auch gut so! Denn die atemberaubende Ruhe an den Stränden, die allenfalls von der rauschenden See und zischender Gischt unterbrochen wird, ist märchenhaft.

Es herrscht eine besondere Stimmung: Reine Luft, klirrende Kälte, hin und wieder bricht die Sonne durch, lässt den Sand und die Fassaden der weißen Häuser leuchten. Eine wunderbare Zeit für ein Auszeit-Wochenende: Im Winter ist die Region rund um die Flensburger Förde ein Seelenstreichler.

Strand Sandwig im Winter
Oase am Schlossteich in Glücksburg


Meine grandiose Auszeit beginnt im "Weißen Schloss am Meer" - dem Strandhotel Glücksburg. Hier erwache ich mit unvergesslichem Blick auf die raue Flensburger Förde und startet mit einem grandiosen Frühstück in den Tag - inklusive unzähligen Sorten Käse, köstlichem Walnuss-Vollkornbrot und heißen Waffeln. Vor dem Hotel nutzen Kinder die Gelegenheit Schlitten zu fahren oder sich ausgelassen mit Schneebällen zu bewerfen. Ich entfliehe dem Trubel und wandere bis zum Glücksburger Wasserschloss.

Der kurze Spaziergang durch den vom Schnee weiß gezeichneten Wald endet am Schlossteich. Durch die Baumwipfel ragt am Horizont das weiße prunkvolle Gebäude aus dem trüben Himmel. Ich mache eine kurze Pause an der Königseiche, dem Lieblingsplatz des Königs Friedrich VII. von Dänemark. Sie steht kahl und einsam herum, aber verzückt durch den Ausblick auf das Glücksburger Wasserschloss. Diesen Monarchen kann ich gut verstehen: Perfekte Wahl eines Lieblingsplatzes!

Der Ausblick von der Königseiche, dem Lieblingsplatz des Königs Friedrich VII. von Dänemark auf das Wasserschloss in Glücksburg.
Der Ausblick von der Königseiche, dem Lieblingsplatz des Königs Friedrich VII. von Dänemark auf das Wasserschloss in Glücksburg.

Weiter geht's über die von Schnee bedeckten Pfaden durch den sich im Winterschlaf befindenden Rosengarten bis zum Schloss. Es wurde 1583 im Auftrag von Herzog Johann dem Jüngeren erbaut. In Filzpantoffeln erkundige ich die alten Gemäuer und lerne eine Menge über die deutsch-dänische Geschichte.

Der einstige Schlossherr zeugte beispielsweise 23 Kinder, deren Gesichter er alle in der Decke des Roten Saales verewigen ließ. Das Schloss wird bis heute nicht nur als Museum, sondern auch als kulturelle Veranstaltungsstätte genutzt. Es erkunden auch an diesem Tag mit mir 13 Kinder in Prinzessinnen- und Königskostümen die Schlossgemäuer, die einen Kindergeburtstag feiern.

In die Stuckdecke des roten Saals ließ Herzog Johann dem Jüngeren die Gesichter seiner 23 Kinder modellieren.
Die Kappelle des Schlosses Glücksburg wurde vom Herzog Philip Ernst 1717 errichtet, als eine der frühesten protestantischen Kirchen in Schleswig-Holstein.

Gut aufgewärmt und im Schloss-Café mit Kakao glücklich gestärkt, lausche ich den dänischen Gesprächen der anderen Besucher um mich herum. Ein für mich schwer zu verstehender Singsang, der aber sympathisch klingt. Zürück zum Hotel streife ich vorbei an schnuckeligen Anwesen und charmanten Villen.

Beim diesem Anblick überkommt einen das Gefühl, Pippi Langstrumpf springt gleich von einer der niedlichen Verandas. Im Ort herrscht Ruhe. Nur wenige Wintergäste spazieren umher. Aber plötzlich sind Schreie zu hören: Hinter der nächsten Ecke erstreckt sich die Förderland Therme. Inklusive großer Wasserrutsche, 32 Grad warmen Erlebnisbecken und Meerwasser-Pool. Das Jauchzen der Kinder schallt durch den menschenleeren Wald. Hier ist ja was los! Das nächst Mal bin ich vielleicht auch dabei, aber heute sehnt es mich nach Ruhe.

Muskeln wieder weich, die Gedanken träge, der Magen hungrig. So raffe ich mich aus der Sauna wieder auf.

Zurück im Strandhotel hat sich die Entscheidung gefestigt, doch noch einen Abstecher in den Wellness-Bereich zu wagen. Nach einem Gang in die Bio-Sauna und einen Ausflug in die finnische Sauna wird mir wieder wohlig warm ums Herz. Niemand redet, alle lassen sich treiben, liegen mit geschlossenen Augen im Ruheraum und genießen die Stille. Erst zwei Stunden später raffe ich mich wieder auf, die Muskeln wieder weich, die Gedanken träge, der Magen hungrig.

Strandhotel Glücksburg im Winter
Das weiße Schloss am Meer: Das 1872 erbaute Kurhotel besuchte schon Kaiser Wilhelm II. sowie Dichter Thomas Mann.
Strandhotel Glücksburg im Winter
In den 33 individuell eingerichteten Zimmern oder im Kaminraum lässt es sich vorzüglich entspannen.

Der Tag klingt mit einem Drei-Gänge-Menü im Hotel-Restaurant Felix aus. Auch mangels anderer Alternativen. Kaum andere Lokale haben zu dieser Jahreszeit geöffnet. Aber Küchenchef André Schneider und sein Team servieren köstliches Tatar von der Lachsforelle, Skrei mit Dijon Senfsauce und Mousse au Chocolate im Baumkuchen. Kein Wunder, das der Raum voller Gäste ist. Purer Luxus für den Gaumen mit netten Landhaus-Kuschelfaktor-Design - da braucht es keine Alternativen. Ich ziehe mich nach dem Essen auf mein Zimmer zurück und genieße noch ein letztes Mal an diesem Tag das beruhigende Geräusch der rauschenden See, bevor ich mich in mein riesiges Bett kuschle und selig wegschlummere.


Maritimes Flair in Flensburg

Gestärkt von einem grandiosen Tag geht's vor der Heimfahrt noch einmal nach Flensburg - jedem Autofahrer und Biertrinker zumindest dem Namen nach bekannt. Die traditionelle Stadt hat aber mehr zu bieten: Einen historischen Hafen, eine entzückende Altstadt und kleine Design- und Antiquitätengeschäfte in der Roten Straße. Genau hier im südlichsten Teil der Altstadt starte ich meinen Rundgang und sichte die vielen Lädchen in der Roten Straße.

Ein einziger Magnet: Ich bleibe immer wieder hängen und staune. Ob selbst geschusterte Schuhe, vieler Bilder in kleinen Galerien oder einer Menge Rum. Es war nämlich das flüssige Gold der Karibik das Flensburg einst reich machte. Die Kolonialwaren fanden seit 1755 auf Segelschiffen von Westindien ihren Weg in die damals dänische Handelsstadt. Heute gibt es kaum noch Rum-Produktion in Flensburg, aber ein Museum und noch einige Verkostungsmöglichkeiten. Wer sich also einmal im hohen Norden Deutschlands befindet, sollte hier unbedingt einmal Halt machen! 

Die baumelnden Schuhe in der Norderstraße.
Schandfleck oder Kunst?

Weiter geht's vorbei an der Nikoleikirche über die Große Straße bis zur Norderstraße. Ein spektakulär unerwarterer Anblick: An der einsten Straßenbahn-Aufhängung zwischen den Häuserschluchten in der Norderstraße hängen viele ausrangierte Stiefel, Turnschuhe, Sandalen in der Luft - eins gemeinsam: die Schnürsenkel an denen sie über den Drahtseilen schaukeln. Gerüchten nach soll das "Shoefiti" 2008 begonnen haben, als ein Kunde erfreut über sein in einem Skaterladen gefundenes Schuhwerk, seine ausgedienten Treter über die Leinen warf. Andere sagen, die Sammlung weise den Weg zur nächsten Prostituierten oder stellen einen Protest dar. Auf jeden Fall sind sie ein imposanter Anblick.  

Entlang des historischen Hafens in Flensburg liegen Segel-, Motor- und Dampfschiffe.
Möwen leisten den alten Pötten gerne Gesellschaft.

Nächste Station ist der historische Museumshafen: Hier liegen viele kleine und größere vertäute Kähne und schaukeln im Wind. Ein Stück gedeckter Apfelkuchen in der Museumswerft ist ein vorzüglicher Abschluss eines Flensburger Tages. Neben knarrenden und ächzen Pötten im Trockendock der Museumswerft und zwischen Tampen, Tauen und Trossen befindet man sich für kurze Zeit in einer anderen Welt. Das Museum hat an diesem Tag leider geschlossen, aber zu anderen Zeiten können Besucher hier Zuschauen, wie historischen Schiffe wieder Leben eingehaucht wird. Oder sich auch selbst an der Säge versuchen. Wo im Sommer das Leben pulsiert, ist es heute still. Möwen bestimmen das Bild und kleine Wellen treiben Mini-Eisschollen zusammen. Dahinter spiegelt sich die Sonne im grünblauen Wasser. Beseelt von diesem Bild starte ich zurück in die Heimat - mit dem festen Entschluss im Gepäck, im nächsten Winter bin ich wieder da!

In der Museumswerft bleibt Geschichte lebendig. Hier werden alte Kähne wieder flott gemacht.
Liebevoll ist das Gelände dekoriert und der Kuchen schmeckt im Café herrvoragend.

 

 


Hotel- und Geheim-Tipps

Übernachten in Glücksburg

Strandhotel Glücksburg. Das "weiße Schloss am Meer" wurde 1872 erbaut und es logierten seit der Eröffnung schon illustre Gäste in den Gemäuern: 1890 wurde beispielsweise zu Ehren Kaiser Wilhelm II ein legendäres 12 Gänge-Menü zelebriert. Nach einer grundlegenden Sanierung wurde das Haus wieder eröffnet. DZ/F ab 140 Euro, Kirstenstraße 6, 24960 Glücksburg, www.strandhotel-gluecksburg.de

Schlemmen in Glücksburg

Restaurant Felix. Feinschmecker-Paradies, das mit 14 Punkten Gault Millau prämiert und sowie mit drei Diamanten vom „Varta Führer" ausgezeichnet wurde. Restaruant Felix im Strandhotel Glücksburg, Kirstenstraße 6, 24960 Glücksburg, www.strandhotel-gluecksburg.de

Erleben in Glücksburg

Schloss Glücksburg. Das Wasserschloss gehört zu den bedeutesten Residenzschlössern Nordeuropas. Den Namen erhielt das Schloss nach dem Wahlspruch des Herzogs: "Gott gebe Glück mit Frieden". Der Spruch findet sich zusammen mit seinem Wappen über dem Eingangsportal mit den Anfangsbuchstaben: GGGMF. 8 Euro Eintritt, Familienkarte 16 Euro, www.schloss-gluecksburg.de 

Fördeland Therme Glücksburg. Sportbad  für die ganze Familie mit Sauna, Solarium, Physiotherapie und großzügigen Ruhebereichen. Fördeland Therme Glücksburg Sandwigstraße 1A, 24960 Glücksburg, www.foerdelandtherme.de

Extra-Tipp: Wer noch mehr einsame Natur sucht, sollte einen Abstecher ins Naturschutzgebiet der Halbinsel Holnis machen. Am nördlichsten Zipfel der deutschen Ostseeküste erstreckt sich über 400 Hektar ein Paradies für Vogelkundler und Pflanzenliebhaber mit Wanderwegen und einmaligem Blick über die Flensburger Förde sowie nach Dänemark.

Übernachten in Flensburg

Alte Post Flensburg. Das im Februar 2015 neu eröffnete Hotel ist in modernen skandinavischen Design-Stil eingerichtet. Vier von den 75 Zimmern sind zudem  besondere Themenzimmer und in Kooperation mit Unternehmen aus der Flensburger Region eingerichtet worden. Das Interieur trägt die Handschrift der Kopenhagener Architektin und Designerin Helle Flou. DZ/F ab 80 Euro, Hotel Alte Post Flensburg, Rathausstr. 2, 24937 Flensburg, www.ap-hotel.de

Erleben in Flensburg

Museumswerft. Hier werden Wracks nach historischen Plänen wieder flott gemacht. Extra-Tipp: Kakao mit Sahne im kleine Café trinken, sehr entspannte Atmosphäre mit, der Service ist perfekt. Museumswerft Flensburg, Schiffbrücke 43, 24939 Flensburg, www.museumswerft.de

Rumhaus Braasch Rum. In der kleinen Laden können viele verschiedene Tropfen, aber auch Rum-Pralinen, Schokolade oder Trüffel probiert werden. Am zweiten Standort der Braasch Rum Manufaktur in der Roten Straße exisitert sogar seit Sommer 2014 ein Rum-Museum. Rumhaus Braasch Rum, Großen Straße 24,  www.braasch.sh  

Rote Straße. Liegt unmittelbar zur Nähe des Südermarktes im südlichsten Teil der Flensburger Altstadt. Heute ist sie bekannt für die vielen individuellen Design- und Schmuckgeschäfte. www.rotestrasse.de


Stefanie Wille (13); Tourismus Agentur Flensburger Förde GmbH (2); Olff Appold; Udo Fischer; PR (4)


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