Yoga-Reise: Unterwegs zu mir

Sechs Tage auf Mallorca, um Yoga zu praktizieren. Unsere Laviva-Mitarbeiterin probierte es aus

Sand unterm Po, Meeresbrise in der Nase, richtig atmen – das allein sorgt für jede Menge für Entspannung beim Yoga auf Mallorca. Die Laviva-Mitarbeiterin Jana Nagel verbrachte sechs Tage in wunderschönen Buchten vor türkisblauem Wasser, um Yoga zu praktizieren. 

Schweigend erklimmen wir die ausgetretenen Steinstufen, um an den magischen Ort zu kommen, den Yogalehrerin Sabine ihren „Kraftplatz“ nennt. Eine alte Kapelle thront auf dem Hügel, vor dem sich die mallorquinische Ebene wie ein grünbrauner Flickenteppich ausbreitet, bevor sie sich im tiefblauen Meer auflöst. Der Wind streicht warm über meine Arme und trägt jedes Geräusch mit sich fort. Es ist einer jener Orte, die alles ein bisschen unbedeutender machen: den Job, die Ängste, den Liebeskummer...

Wir breiten unsere Matten aus und beginnen mit dem Sonnengruß: aufrechter Stand, Augen geschlossen, die Hände vor der Brust zusammenführen und tiiiief einatmen. Ich strecke meine Arme nach oben und ziehe meine Schulterblätter nach unten. Ausatmen, Oberkörper fallen lassen, die Hände landen neben meinen Füßen, einatmen, ich schiebe mein rechtes Bein nach hinten. Mit dem nächsten Luftstoß recke ich mich in die Kobra, gehe also liegend und auf die Hände gestützt ins Hohlkreuz, lege den Kopf in den Nacken.

Nach Anleitung fixiere ich mein drittes Auge, offenbar jener Punkt genau zwischen meinen Augen, und genieße die wohlige Anspannung, die vom Nacken über den Rücken bis in die Beine zieht. Nun wallt er tatsächlich in mir auf, der Moment, den Sabine tags zuvor angepriesen hatte: Ich spüre nur noch mich selbst in der Übung. Der Moment, in dem Yoga etwas mit mir macht. Zugegeben, allzu viel ist das nicht, und eine echte Glückswoge fühlt sich auch anders an, aber als wir eine Stunde später auf unseren Matten liegen, um in der Morgensonne den „Übungen nachzuspüren“, bin ich trotzdem zufrieden. Und das nur einen Tag, nachdem ich beschlossen hatte, Yoga endgültig abzuhaken.

Erst am Tag zuvor war ich auf Sabines Finca angekommen, einem wunderschönen Landsitz inmitten von Natur, nahe bei Santanyí. Dort würde ich die erste Yogareise meines Lebens antreten. Ein Ich-Experiment, denn ich zähle zur Marke „unspirituell“. Ausgleich finde ich weniger beim In-mich-Gehen als vielmehr beim Aus-mir-Rausgehen, und das ordentlich. Boxen und Laufen sind meine Religion. Aber es gibt Menschen, die finden, ich sei furchtbar rastlos und Yoga ein passendes Gegenmittel. Nach unserer ersten Yogastunde auf Sabines Veranda überkam mich allerdings ein Gefühl von Ohnmacht.

„Wie fühlt ihr euch jetzt?“, fragte sie meine drei Mitreisenden – Kathrin, Claudia, Susanne – und mich. „Beschissen“, antwortete ich stumm, während mir Wut den Rücken hochkroch. Anstatt selig über meiner Matte zu schweben, regte mich plötzlich alles auf: die seichten Übungen, das Richtig-atmen-Müssen, Sabines esoterisches Gesäusel und die Tatsache, dass ich offenbar als Einzige nicht darauf ansprang.

Doch heute ist die Welt eine andere. Hier oben am „Kraftplatz“ ist mein Groll vom Vortag verraucht, wohlige Entspannung hat sich wie eine Daunendecke über mich gelegt. Durch halb geschlossene Lider blinzle ich in sich wiegende Kiefernäste und befinde: Yoga ist okay! Sabine hatte mir gestern noch gut zugeredet: „Sei nicht zu streng mit dir, dann kommt es von allein.“ Ich stelle mir dieses ES als den Moment vor, in dem man bei sich ankommt – was das auch heißen mag.

Um das herauszufinden, liegen noch fünf Tage vor uns, die wir morgens mit einem Schluck heißem Wasser und Müsli starten. Danach folgt eine Stunde Yoga und die Morgenmeditation. Wenn es für körperliche Betätigung zu heiß wird, fahren wir mit dem Rad ans Meer und bleiben, bis die Sonne westwärts gezogen ist. Dann erst ist es kühl genug für die zweite Yogarunde. Später am Abend serviert uns Sabine auf ihrer Terrasse das Essen. Dazu gibt’s Häppchen von Weisheiten aus der yogischen Lehre.

Runterkommen ist hier leicht. Selbst Skeptiker finden irgendwann die Ruhe in sich

„Wir leben im Zeitalter des Wassermanns“, erklärt sie. „Wir werden von Informationen geflutet und sind dauernd überfordert, rastlos oder depressiv.“ Yogi Bhajan hat das schon vor 60 Jahren kommen sehen. Um einem kollektiven Burn-out entgegenzuwirken, brachte der Inder Kundalini unters Volk. Eine Yogaform, in der viel meditiert wird, um sich seiner selbst stärker bewusst zu werden. „Wenn du Kundalini machst, kannst du nicht mehr gegen deinen Körper handeln. Weder fettige Pizza essen, noch unter einem tyrannischen Chef arbeiten“, sagt Sabine, die das aus eigener Erfahrung kennt.

Seit 20 Jahren praktiziert die Hamburgerin Kundalini. In dieser Zeit trennte sie sich von falschen Männern, kündigte ihren Job und zog aus, um den perfekten Ort für ihr spirituelles Dasein zu finden. Seit April letzten Jahres lebt und unterrichtet sie auf Mallorca. Ich höre ihr zu, esse Pasta mit Saucen aus Roter Bete, Tomaten und Sesam. Es schmeckt himmlisch und versöhnt mich mit der schwerer verdaulichen Yogasession kurz zuvor am Strand.

Mit unseren Matten unterm Arm spazierten wir die Bucht von S’Amarador hinunter. Durch die Bäume sah ich das Meer glitzern – außer uns waren nur noch ein paar letzte Sonnenanbeter da. Beste Zeit für Yoga. Die untergehende Sonne im Rücken, das offene Meer im Blick, begannen wir unsere Abendstunde. Ich war stolz auf die Selbstverständlichkeit, mit der ich die Bewegungen mittlerweile ausführte: frei von Rückenschmerzen und energiegeladener denn je.

Nach der Morgenmeditation springen die Teilnehmer begeistert ins Meer – jetzt kann der Körper sich wieder frei bewegen 

Ich konnte mir durchaus vorstellen, Yoga doch in meinen Alltag zu bringen. Vielleicht würde ich mal ins Yogastudio gehen. Oder auch nicht, schoss mir der Gedanke quer, als Sabine plötzlich sang. „Ad Gure Nameeeeh“ schwang es voller Inbrunst aus der kleinen Frau. Als sie dann auch noch in tierischen „harrharrharr“-Lauten den sogenannten Feueratem auszurufen begann, wünschte ich mich ganz weit weg. Dankbar stürzte ich mich hinterher allen voran ins Meer. Die Sonne war untergegangen, ein voller Mond hing an ihrer Stelle über der Bucht. Tief tauchte ich in die Wellen – als ich wieder hochkam, hatte ich einen Entschluss gefasst: Yoga ja, aber bitte ohne Om und Mantren. 

Am letzten Tag führen uns steile Treppen in die Cala Llombards in noch menschenleerer Morgensonne. Ein letztes Mal breiten wir unsere Matten aus, ein letztes Mal begrüßen wir die mallorquinische Sonne und atmen die warme, von Salz und Pinienduft getränkte Luft. Als ich aus den Augenwinkeln beobachte, wie Susanne, Claudia und Kathrin mit dem entrückten Gesichtsausdruck, den eigentlich nur Buddha draufhat, dasitzen, muss ich grinsen. Die drei, alle um die 50, sind bei sich angekommen, sagen sie. Was das bedeutet, weiß ich noch immer nicht genau, aber sie sehen so entspannt aus, dass ich sie beneide.  

Nach einer Woche Intensivpraktikum habe ich mich mit Yoga angefreundet – die Sportart hat eine Chance verdient. Der Appetit auf Pizza ist mir bisher nicht vergangen, und ich weiß immer noch nicht, ob ich mich beruflich verändern sollte. Doch als ich am Abend nach dieser Woche wieder in Hamburg lande, spüre ich, was anders in mir ist als noch vor wenigen Tagen: Alles Ungeklärte ist mir plötzlich herzlich egal! Schon dafür hat sich das Experiment gelohnt.

Tipps

Die Reise unserer Autorin 

„Mein Mallorca Santanyí“, 7 Tage Kundalini-Yoga und yogische Lebensweise mit ayurvedischer Halbpension. Sehr privates Ambiente (max. 6 Teilnehmer) auf einer wunderschönen Finca. 7 Tage mit Verpflegung und 10 Yogaeinheiten. Ab 500 Euro. Zu buchen über holidayyoga.de

Weitere Tipps

Yoga vor der Haustür. Auf der Yoga-Ranch zwischen Berlin und Usedom –  einer Region, die als weitgehend unbesiedelt gilt. Hier kommt jeder zur Ruhe. Maximal für 4 Teilnehmer. 6 Übernachtungen mit Verpflegung und 10 Yogaeinheiten, ab 499 Euro, yoga-ranch.de 

Yoga (und Surfen) in Portugal. Im Monte Velho Nature Resort an der Algarve.  Nach dem Yoga geht’s an den Strand, zum Surfen oder direkt in die Hängematte mit Meerblick. 6 Tage mit 9 Yogaeinheiten, ab 900 Euro, www.yogabija.eu

Yoga in Europas Karibik – auf Formentera. Im exklusiven Strandklub am Gecko Beach. Formentera gilt als einer der schönsten Yogaorte der Welt. Yoga findet auf einer Terrasse mit Meerblick statt. Top! 5 Übernachtungen mit ca. 20 Yogastunden, Ab 750 Euro, yoga-on.com

Noch mehr Reisen finden Sie unter meineyogareise.de


Bildnachweise: Pere Ferrer (4), Sabine Schäfer (3), Privat (4)


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