"The End of Meat": Für immer fleischfrei
05
Sep

"The End of Meat": Für immer fleischfrei

Die Kinodokumentation erkundet die Zukunft einer Welt, die pflanzlich isst.

Kino

Wenn ich die (zugegeben ganz schön verregnete) Grillsaison Revue passieren lasse, dann landeten dieses Jahr auffällig viele Seitanschnitzel neben Gemüseschaschliks auf dem Rost. Sitze ich bei meinem Lieblingsthai, höre ich ständig "aber mit Tofu, nicht mit Hühnchen". Und wenn ich Freunde zum Burgeressen einlade, gibt es immer welche, die lieber Frikadellen aus Halloumi essen, als welche aus Hack – mich eingeschlossen. Nachdem ich meine Karriere als Vegetarierin nach der Teenagerzeit für beendet erklärte, weil ich glaubte, nicht ohne Schwarzwälder Schinken überleben zu können, esse ich inzwischen fast gar kein Fleisch mehr. Und falls doch, dann nur Biofleisch. Wenn ich an früher denke, wo es ganz normal war, Königsberger Klopse, Kassler und Kohlrouladen an drei Tagen in Folge aufgetischt zu bekommen, könnte man meinen, Fleischgenuss sei heute nicht mehr hip. Oder umgekehrt gesprochen: Sich vegetarisch, wenn nicht sogar vegan zu ernähren, ist einfach angesagter.

Regisseur Marc Pierchel

Diese Beobachtung machte auch Regisseur Marc Pierschel – denkt dabei aber noch einen Schritt weiter: "Als selbst traditionelle Wursthersteller begannen, mit vegetarischen und veganen Produkten zu werben, fragte ich mich, ob dies mehr als nur ein Trend und vielleicht sogar der Beginn eines Bewusstseinswandels sein könnte." Seinen Dokumentarfilm "The End of Meat" (ab dem 14. September im Kino) widmete er daraufhin einer Utopie, die in ein paar Jahrzehnten vielleicht gar keine mehr ist – eine Welt ganz ohne den menschlichen Konsum von Fleisch. Dass diese Welt an manchen Orten schon existiert, zeigt Pierschel, indem er vegane Aktivisten in Deutschland zu Wort kommen lässt, eine Stadt in Indien besucht, in der sich die Bewohner vegetarisch ernähren, oder Wissenschaftler bezüglich ihrer Forschungen über tierfreies Fleisch befragt. Die Gründe für den Verzicht sind indes verschieden. Während die einen aus moralischen Gründen handeln – sie sind davon überzeugt, dass Tiere vom Menschen nicht ausgebeutet werden dürfen – wurden andere von den "Fleischskandalen" in den vergangenen Jahren zum Umdenken verleitet.

 

Wer schon den vegetarischen oder veganen Weg geht und die Augen nicht völlig vor Themen wie dem Klimawandel verschlossen hat, für den wird "The End of Meat" keine Offenbarung sein. Die Doku bietet wenig Tiefe, dafür aber Breite. Was stellenweise ein Problem ist. Dadurch, dass es so viele inhaltliche Verästelungen gibt, die verfolgt werden – von den Auswirkungen des Fleischkonsums auf unser Ökosystem, über die Hintergründe religiös motivierten Fleischverzichts bis hin zu einem glücklichen Hausschwein im Wald – geht ab und zu der Zusammenhang und ja, auch der Fokus, verloren. Das ändert aber nichts daran, dass der Grundgedanke von "The End of Meat" mit seiner zukunftsweisenden Ausrichtung ungemein spannend ist. Wie könnte denn nun eine Welt ohne Fleisch ganz praktisch aussehen? Welche Ersatzprodukte würde es geben? Wie würden wir dann mit den Nutztieren in unserer Gesellschaft umgehen? Was würde ich ganz persönlich an meiner Ernährung umstellen?

 

Ich sage: anschauen – und sich zu einem Gedankenexperiment anregen lassen. Betrachtet man den Film als solches, ist er definitiv gelungen.

Eure IVA


© Fotos: The End Of Meat/mindjazz pictures