Städtetipp: Dublin, Marsch!
14
Sep

Städtetipp: Dublin, Marsch!

Mit diesen Empfehlungen erkundet ihr die irische Hauptstadt zu Fuß.

Turnschuhe geschnürt und los geht's! Wer einer fremden Stadt wirklich nahe kommen will, schlängelt sich am besten zu Fuß durch die Straßen. Meine Strategie: mit der U- oder S-Bahn bis zu einer Station mit schön klingendem Namen fahren, aussteigen und einfach querfeldein laufen. Auf diese Art bin ich bei meinen ersten Besuchen in Berlin auf geheime Gärten, verwunschene Hinterhöfe und Antiquariate mit den größten und gleichzeitig günstigsten Schätzen gestoßen. Etwas Ausdauer war dafür allerdings von Nöten. Umso toller finde ich, dass es Reiseführer gibt, die detaillierte, städtegebundene Spazierrouten austüfteln und dadurch wertvolle Hinweise liefern, welche Strecken sich wirklich lohnen. Für meinen geplanten Trip in die irische Hauptstadt packe ich den Stadtführer "Dublin zu Fuß entdecken" ein. Er enthält neben persönlichen Städtetipps des Autors insgesamt 30 Touren speziell für lauffreudige Globetrotter. Eine habe ich hier für euch:

Smithfield: Verkanntes Viertel für Entdecker

Four Courts ❯ Chancery Park ❯ Victorian Fruit & Vegetable Market ❯ St. Michan’s Church ❯ Old Jameson Distillery ❯ Smithfield Square ❯ The Cobblestone ❯ Collins Barracks

Start (Haltestellen): Four Courts (Tram/Luas Red Line); Inns Quay/Chancery Place (Bus 25, 26, 37)
Ziel (Haltestellen): Merchant’s Quay/Whinetavern St. (Bus 25, 26, 37)/ Museum, Benburb St. (Tram/Luas Red Line)
Wann: Mo Museum geschlossen
Distanz: 3 km

Brennereien und Straßenmärkte dominierten einst dieses Viertel nördlich der Liffey, allen voran der Pferdemarkt Smithfield Horse Fair. Davon ist wenig geblieben. Zwischen den alten Ruinen und den neuen Bausünden lassen sich einige Schätze entdecken.

Der kleine Umweg über die südliche Uferseite und die O’Donovan Rossa Bridge ist notwendig. In ihrer gesamten Pracht lassen sich die Four Courts nur schwer erfassen, wenn man direkt davor steht (Inn’s Quay, Mo–Fr 9–18 Uhr). Das klassizistische Gebäude war tatsächlich lange Zeit Sitz von vier Gerichten, heute sind es noch drei. Während der Gerichtszeiten haben auch Besucher Zutritt zur Eingangshalle mit der mächtigen Kuppel. Ähnlichkeiten mit der City Hall sind kein Zufall. Beide Gebäude entwarf der Architekt Thomas Cooley. Nur wenige Schritte sind es zum Chancery Park (16 Charles St.). In den 1930er-Jahren entworfen von Herbert Simms, harmoniert der kleine Park aufs Feinste mit der zugehörigen Wohnanlage – einer der verbliebenen Art-déco-Juwelen. Typisch sind die abgerundeten Ecken am Haus und an den Toren.

Zwei Ecken weiter, von der Chancery Street links in die St. Michan’s Street, sehen wir die viktorianische Markthalle mit dem Victorian Fruit & Vegetable Market. An der nächsten Ecke geht es links in die Mary’s Lane und an der Church Street wieder links: Eingezwängt zwischen zwei moderneren Gebäuden behauptet sich die kleine St. Michan’s Church aus dem 17. Jh. ihren Platz. Dracula-Autor Bram Stoker soll des Öfteren die Gruft aufgesucht haben, um zwischen den mumifizierten Toten Inspiration für seinen Gruselroman zu sammeln. Die Leichen der Rebellenbrüder John und Henry Sheares stecken zum Glück in Särgen. Sie wurden gehängt, ausgeweidet und gevierteilt (Touren: Mo–Fr 10–12.45, 14–16.30, Sa 10–12.45 Uhr). Wer jetzt etwas Stärkeres braucht, ist an der nächsten Station genau richtig: Am anderen Ende der Mary Lane zeigt sich schon ein Turm der Old Jameson Distillery, die hier bis 1971 Whiskey produzierte. Durch eine kleine Passage an der Bow Street kommt man in den Innenhof der Destillerie. Dort befinden sich der Eingang zum Museum sowie zu einigen Bistros. Die einstündige geführte Tour durch die ehemalige Jameson-Brennerei gipfelt selbstverständlich in einer Whiskeyverkostung.

Auf der Westseite grenzt Old Jameson an den Smithfield Square, Zentrum des gleichnamigen Stadtteils. Selbst wenn man zehn rosarote Brillen aufsetzt, wird man an diesem leeren Platz nichts Schönes entdecken. Kaum vorstellbar, dass er in seiner langen Geschichte so viel erlebt hat. Früher gab es hier drei Whiskey-Destillerien und entsprechend viele Pubs, wo das "flüssige Sonnenlicht" (George Bernard Shaw) an seinen Bestimmungsort gelangte. Ein guter Orientierungspunkt ist der alte Fabrikschornstein Smithfield Chimney. In den Boomjahren wurde er zum Aussichtsturm umgebaut, seit der Finanzkrise ist er leider nicht mehr zugänglich. Mitte der 1960er-Jahre hatte der Platz einen prominenten Gastauftritt als Checkpoint Charlie in der Verfilmung von John le Carrés Spionage-Thriller "Der Spion, der aus der Kälte kam". Das Beste am Smithfield Square ist das Musikpub The Cobblestone an der Nordseite (77 King St. North). Der Laden genießt einen legendären Ruf als Hotspot für Traditional Irish Music. Einziger Wermutstropfen: Es ist sehr oft sehr voll. Den Hunger kann das Restaurant Café Oasis, etwa auf Höhe der Bow Street, mit leckerer libanesischer Küche stillen.

Gesättigt und zufrieden erreichen wir mühelos die letzte Station dieser Tour über die Benburb Street: In der ehemaligen Kaserne Collins Barracks befindet sich die ausgelagerte Abteilung Decorative Arts & History des National Museum of Ireland (Benburb St., Di–Sa 10 bis 17, So ab 14 Uhr, Eintritt frei). Eines der Highlights ist die Dauerausstellung über die außerhalb Irlands weniger beachtete Architektin und Designerin Eileen Gray, obwohl doch ihr am Bauhausstil orientierter Stahlrohrtisch "E-1027" als Klassiker des modernen Designs gilt.

Für längere Pausen: Wenn ihr einmal eine längere Auszeit braucht, geht ins Light House Cinema an der Ecke Smithfield Sq./Blackhall Walk. Hier könnt ihr bei Filmklassikern, Kultfilmen, aktuellen Independent- Filmen oder ausgewählten Blockbustern, jeweils im Original, entspannen.

Buchcover Dublin zu Fuß

Buchtipp

Wenn es darum geht, die Atmosphäre der Stadt zu schnuppern, ist "Dublin zu Fuß entdecken" ein toller Begleiter. Der Reiseführer weist Spazierwege durch geheime Gassen, bringt euch die wuseligsten Märkte nahe und führt euch an den urigen Lokalen Einheimischer vorbei. Bei jeder Tour ist angegeben, wie viel Zeit ihr einplanen solltet, welche Strecke ihr zurücklegt und bei welchem Wetter der Weg am angenehmsten zu bestreiten ist.

Johnny Rieder: "Dublin zu Fuß entdecken. Auf 30 Touren die Stadt erkunden", für 12 Euro über Polyglott.

Gute Reise!

Eure IVA


© Fotos: Dublin/Leonid Andronov; Polyglott