Sologamie: Das JA zu sich selbst
30
Okt

Sologamie: Das JA zu sich selbst

Um zu heiraten, brauchen manche keinen Ehepartner.

Liebe

Ja, ich will, und zwar MICH! Glaubt man aktuellen Medienberichten, wird die Selbst-Hochzeit – auch Sologamie genannt – immer populärer. Dabei pfeifen die Brautleute auf einen Partner, mit dem sie die Ehe eingehen könnten und entscheiden sich lieber dafür, einzig und allein sich selbst zu heiraten. Wie ihr euch das praktisch vorstellen könnt? Vor kurzem las ich von der Italienerin Laura Mesi. Rund 10.000 Euro gab sie für die Ausrichtung ihrer Hochzeit aus, lud 70 Gäste zu der Feier ein und sagte dann ganz in Weiß, mit Brautstrauß und allem Drum und Dran "Ja". Nur, dass der dazugehörige Bräutigam (oder natürlich die dazugehörige Braut) fehlte. Das Hochzeitsgelöbnis las ihr bester Freund vor und statt zwei Figuren stand am Ende nur die der Braut auf der Torte. Auch auf einen Ehering wollte sie nicht verzichten.

Wahnsinnig? Konsequent, finde ich! Zumindest, wenn man das Thema Selbstliebe bis zur letzten Instanz durchspielt und das romantisierte Verständnis von Hochzeit als Bekenntnis zur Verbundenheit im eigenen Sinne interpretiert. Dann wird Sologamie nämlich zu einem Statement: dem, sich selbst ein Leben lang selbst treu zu bleiben und zu ehren. In guten wie in schlechten Zeiten. Gleichzeitig kann die Selbst-Hochzeit ein Akt der Emanzipation sein. Eine geballte Faust Richtung Norm. Ich kann heiraten, wann ich will, wo ich will. Als Single, als frisch Verlassener*r, in jedem Land der Welt. Ich bin nicht allein, ich habe mich. Die Hochzeit gehört allen. Es würde nicht darum gehen, der Außenwelt etwas zu beweisen. Man würde aus dem Selbstbewusstsein heraus handeln, fein mit sich zu sein. Wisst ihr, was ich meine?

Selbst Solo-Wedding-Planner gibt es schon!

Mit Dominique Youkhehpaz aus Kalifornien gibt es vor allem im amerikanischen Raum bereits solche, die Sologamie als Geschäftsmodell für sich erschlossen haben. Über die Homepage Selfmarriageceremonies.com bietet sie Menschen, die sich selbst heiraten wollen, für ein Honorar von 200 Dollar ein zehnwöchiges Programm, in dem sie ihnen Anleitung zu Selbsterkenntnis und Selbstliebe gibt. Dabei geht es natürlich nicht nur um Geld, sondern ihren Angaben nach vor allem um Überzeugung. 2011, an Dominiques 22. Geburtstag, habe sie selbst Hochzeit mit sich gefeiert, auf einer kleinen Farm. Als Symbol für das Ritual wählte sie einen Nasenring. "Mir gefällt der Gedanke mit jedem Atemzug das Commitment einzuatmen, das ich mit mir selbst eingegangen bin", sagte sie der britischen Tageszeitung "Independent". Mit Mary Yourself Vancouver ist in Kanada außerdem eine Wedding-Planner-Agentur entstanden, die sich auf die Ausrichtung und Beratung von Selbst-Hochzeiten spezialisiert hat.

Ob für das Bekenntnis zu sich selbst die Konsummaschinerie bemüht werden muss, die sich hinter der Hochzeit der etwas anderen Art verbirgt, ob es für ein Selbstliebe-Ritual wirklich die große Inszenierung braucht, muss jede*r für sich selbst entscheiden. Zentral an der Sologamie ist für mich der Gedanke, zu sich selbst stehen zu wollen. Ohne Kompromisse.

Eure IVA


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