Workspaces: die neuen Arbeitswelten
02
Nov

Workspaces: die neuen Arbeitswelten

Wer im Job flexibel ist, kann einen Schreibtisch ganz nach seinen Bedürfnissen mieten.

Staedte

Ich bin jemand, der nicht gern allein arbeitet. Im Home Office fehlt mir der Austausch, das Soziale. Außerdem verbringe ich dort (für mich Haushaltsfaulpelz ungewöhnlich) mehr Zeit an Spülbecken und Staubsauer als an meinem Laptop. Workspaces, in denen ich mir entweder spontan oder auch auf Dauer einen Arbeitsplatz mieten kann, geben mir Motivation, den Hintern hoch zu bekommen und zu machen. Vielen scheint es ähnlich zu gehen wie mir – gerade in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München boomt das Angebot. Drei Varianten für ganz verschiedene Bedürfnisse möchte ich euch hier vorstellen:

Für Ästheten

An einem Arbeitsplatz ganz ohne Schnickschnack ist das Potenzial, sich ablenken lassen, vermutlich am geringsten. Aber manchmal tut es auch gut, den Blick schweifen zu lassen. Um aus den gesammelten Bildern Inspiration zu ziehen – oder dem Auge einfach mal etwas Angenehmeres zu bieten als blanke Schreibtischplatten, Raufasertapeten und dem Buchstabensalat auf dem Monitor. Besonders stylisch arbeiten lässt es sich bei Workspace-Anbietern wie Mindspace mit Standorten in Hamburg, Berlin und München oder WeWork in Frankfurt, Berlin und Hamburg. Beide haben sich auf durchdesignte, komplett möblierte Büros spezialisiert, setzen auf den Charme von Industrielampen und Marmortischen und werben mit Extras wie Lounges mit Wohnzimmeratmosphäre oder einer Kaffeebar mit Bohnen aus der Privatrösterei. Glücklich werden hier vor allem Schöngeister, Kreative, bei denen auch beim Selbstmarketing viel über die Optik geht, oder komplette Start-ups, die Kund*innen mit einem Design-Office beeindrucken wollen. Mit einem Special wartet das ähnlich ausgerichtete Wertheim in Köln auf: Dort können Interessenten neben Büroplätzen auch zwei möblierte Design-Apartments mieten.

Für ein gezieltes Miteinander

Co-Working kann bedeuten, sich einfach nur Büroräume zu teilen und dann nebeneinander sitzend zu arbeiten – es kann aber auch zu einem verstärkten Miteinander beitragen, dazu, sich gezielt mit bis dato Unbekannten zu vernetzen, um gemeinsam Projekte zu erdenken und umzusetzen. Diesen Ansatz verfolgen vor allem kleinere Büros, die ihre Schreibtische fest an Einzelpersonen vermieten. Das The Stu in München hat sich zum Beispiel auf die Fahnen geschrieben, den Dialog zwischen Macher*innen aus verschiedenen Feldern fördern zu wollen. Daneben werden Ausstellungen konzipiert oder Workshops organisiert. Den Dialog verbessern will auch das Tuechtig in Berlin mit seinem inklusiven "Ort zum Arbeiten, Lernen und Austauschen". Dank barrierefreier Räume, Konferenz- und Schreibtische finden hier Menschen mit und ohne Behinderung einen Platz. Eine Besonderheit: Bei Bedarf helfen Arbeitsassistent*innen den Workspace-Besucher*innen. Außerdem gibt es eine Psychologin, die Hilfesuchende dabei unterstützt ins Berufsleben zurück zu kehren – zum Beispiel nach längerer Krankheit oder einem schweren Unfall. Ausdrücklich willkommen sind auch Geflüchtete. Erklärtes Ziel vom Tuechtig ist es, ein Miteinander ohne Hindernisse zu fördern.

Für Working Moms (oder Dads)

Um Missverständnissen vorzubeugen: Wer ein Kind betreut, ist natürlich IMMER eine "Working Mom" oder ein "Working Dad" – Erziehung, Haushalt, Windelnwechseln ist ein mindestens genauso anstrengender Job, wie 40 Stunden in der Woche oder mehr für Geld schuften zu gehen. Manche versuchen schon früh, beides unter einen Hut zu bekommen – Eltern- und Erwerbsarbeit. Aber wenn man die Betreuung zum Beispiel alleine übernehmen muss, keine Großeltern in der Stadt leben, um mal aufzupassen, und ein Kitaplatz in weiter Ferne liegt, kann das zum Ding der Unmöglichkeit werden. Dass es sich zuverlässig, konzentriert und vor allem effektiv arbeiten lässt, weil "Babys doch eh immer nur schlafen", ist ein Mythos! An Elternteile, die sich nicht nur eine theoretische Vereinbarkeit von Kind und Karriere wünschen, richten sich Workspaces mit flexibler Kinderbetreuung, die entweder wechselseitig von Eltern oder angestellten Erzieher*innen übernommen wird, wie im Le Box oder Juggle Hub in Berlin. Ähnliche Ansätze gibt es unter anderem mit den Eltern-Kind-Büros Rockzipfel in Leipzig und Hamburg oder dem Coworkind in Hannover. Das Konzept bei den Berliner Coworking Toddlern geht sogar noch weiter: Hier kommen die Büroplätze mit einer hauseigenen Kita, gefördert durch das Bundesprogramm Kita-Plus.

Eure IVA


© Fotos: WeWork