Das perfekte Frühstück? Bloss kein Stress!
24
Jan

Das perfekte Frühstück? Bloss kein Stress!

Wie die Vorbereitungen am Morgen zum meditativen Akt werden können.

Küche
"Leitmedium" am Frühstückstisch: Caspar Clemens Mierau

Wenn ihr so instagramsüchtig seid wie ich und vor dem Aufstehen schon durch die Wohnungen unzähliger Leute zwischen L.A. und Paris gestromert seid, ist euch dieser Gedanke womöglich vertraut: "Wie zum Henker schaffen die es, dass ihr Frühstück immer SO aussieht." Ich muss mich in solchen Momenten dann erst mal erden und mir sagen, dass a) Smartphonefilter selbst über den vergessenen Apfel im Kitabeutel meiner Nichte noch einen Schleier des Ästhetik legen würden und b) die meisten dieser malerisch gedeckten Frühstückstische vermutlich nur an den Urlaubstagen/zu wirklich ganz besonderen Anlässen entstehen. Oder sind die Morgenstunden von Frühstücksgurus einfach länger als meine eigenen? 

Blogger Caspar Mierau zum Beispiel, bei Instagram zu finden als "Leitmedium" postet ausschließlich furchtbar schöne Fotos, die er von seinem Familienfrühstück macht. Auf ihn aufmerksam wurde ich genau wegen dieser Bilder. Geblieben bin ich, weil er zusätzlich Geschichten aus seinem Alltag mit (und ohne) Frühstück teilt. "Frühstücksgeschichten", nennt er sie und offenbart darin immer auch ein bisschen des Wahnsinns jenseits der durchinszenierten Happy-Insta-Welt. Am Telefon habe ich mit Caspar darüber gesprochen, was auf dem Frühstückstisch besonders viel her macht und warum die Vorbereitungen am Morgen etwas Entspannendes an sich haben ...

Minimalismus: "Die Kinder waren heute früh beim Bäcker und haben die heiß begehrten Körnerecken besorgt und ich habe aus einem Joghurt, Müsli, Marmelade und Frischkäse ein Frühstück gebastelt."

Die Bilder, die du bei Instagram von deinem Frühstück zeigst, wirken wie Stillleben. Ist es eine Kunst, gutes Frühstück zuzubereiten?
"Manche legen Wert auf Ordnung oder schöne Blumen in der Wohnung. Mir ist das Frühstück wichtig. Als Kunst würde ich es nicht bezeichnen – aber es zuzubereiten, ist für mich definitiv ein Ritual. Wenn die Zeit nicht allzu knapp ist und ich einigermaßen wach bin, gebe ich mir Mühe, dass es schön aussieht. Unser Motto lautet: Wenn alles blöd ist – das Frühstück ist auf jeden Fall schön. Für einen entspannteren Start in den Tag kann ich das nur empfehlen. Morgens an einem schön gedeckten Tisch zu sitzen, ist ein Gegengewicht zum manchmal nervigen, stressigen Alltag."

Was darf auf dem achtsam gedeckten Frühstückstisch auf keinen Fall fehlen?
"Bei uns ist der Obstteller ein Muss – er ist der Blickfang auf dem Tisch. Käse muss auch da sein, meistens hat jeder bei uns in seinen eigenen, weil jeder einen etwas anderen Käsegeschmack hat. Dadurch haben wir immer so drei bis vier verschiedene Sorten im Haus. Die Kinder binden wir mit ein, indem sie sich selbst einen Käse aussuchen dürfen, die ihnen schmeckt. Heiß umkämpft ist der Mozzarella. Der wird rationiert. Und für mich gilt: kein Frühstück ohne Kaffee – das wäre sinnlos."

Obstmandala: "Nachdem unsere Küche hier auf dem Land so langsam fertig ist, macht es wieder Spaß, Obst zu schneiden und sogar Abwaschen bringt einen nicht mehr um den Verstand."

Bei Instagram und Co. wird inzwischen so kunstvoll arrangiert – da heißt der Obstteller dann Obstmandala. Ist es ein meditativer Akt, Frühstück zu machen?
"
Vor anderthalb Jahren meinte mal jemand zu mir, dass das, was ich da mache, ein Obstmandala sei. Der Begriff wirkt so exotisch, aber an für sich ist das alles keine Raketenwissenschaft. Klar: Etwas Meditatives kann das Anrichten schon haben. Am Wochenende, wenn ich etwas mehr Zeit habe und mir etwa 45 Minuten für alles nehme, überlege ich mir, wie ich die Obststücke dekorativ anordnen kann und probiere herum, bis es schön aussieht. Für mich feiert man damit auch ein bisschen das Essen. So ein Obstteller oder Obstmandala ist etwas Besonderes. Wenn man will, lassen sich damit auch Gäste beeindrucken."

Wie kann man ein tolles Frühstück machen, wenn der Kühlschrank leer ist?
"Was wir wirklich immer im Haus haben, sind Eier. Deshalb gibt es in einem solchen Fall Pancakes. Die macht normalerweise meine Frau, nach einem Rezept von Cynthia Barcomi. Wichtig dabei ist, dass das Eiweiß zu Schaum geschlagen wird. Zu Pfannkuchen funktioniert Ahornsirup wunderbar. Und – wenn man noch da hat – Blaubeeren oder Marmeladereste. Wer es lieber herzhaft mag, nimmt Käse. Pancakes sind Allrounder. Am Ende kann jeder selbst rumbasteln, wie es ihm am besten schmeckt."

Abwechslung: "Nun grübele ich, was wir morgen adrettes zum Frühstück zaubern können. Pancakes? Geröstetes Müsli? Baked Oatmeal?"

Bei dir wirkt immer alles so ordentlich – trotz drei kleiner Kinder. Wie sieht es hinter den Kulissen aus?
"In der Wohnung regiert natürlich auch mal Chaos. Aber das ist uns lieber, als uns daran zu zerreiben, immer alles auf Krampf ordentlich zu halten."

 Und wann schreibst du die Frühstücksgeschichten, die deinem Mikroblog bei Instagram seinen Untertitel gegeben haben?
"Tatsächlich direkt nach dem Frühstück. Da setze ich mich auf die Couch und tippe vor mir hin. Die Texte entstehen immer aus der Situation heraus – ohne großen publizistischen Anspruch. Ganz ohne Stress."

Und jetzt viel Spaß beim Frühstücken!

Eure IVA


© Fotos: Caspar Mierau/Leitmedium