Klamotten ausmisten: So geht's richtig!
14
Feb

Klamotten ausmisten: So geht's richtig!

Maren Assmus sortiert beruflich fremde Kleiderschränke – ihre Tricks.

Als ich in den vergangenen Tagen meinen Schrank aufgemacht habe, kam mir wahlweise ein curryfarbenes Wollmonster oder eine karierte Marlenehose entgegen gefallen. Bei beiden kann ich mich nicht daran erinnern, wann ich sie zum letzten Mal anhatte – oder ob sie nach dem Kauf überhaupt schon mal das Tageslicht erblickt haben. Kennt ihr das? Die Berliner Stylistin Maren Assmus begleitet trennungsängstliche Kandidatinnen wie mich beim Ausmisten und hilft – Stichwort Minimalismus! – beim langfristigen Reduzieren der Klamottenmassen. Ich wollte etwas genauer wissen, wie das funktioniert und habe sie im Interview um ein paar praktische Tipps gebeten.

Du hast es dir zum Beruf gemacht, anderen beim Aussortieren zu helfen. Womit tun sich die meisten so schwer?
Maren Assmus: "Die Königsdisziplin ist das Kombinieren. Mit einem wertfreien Blick auf sich selbst zu schauen, ist oft schwierig – ein professioneller, neutraler Blick von außen kann da eine Erleichterung sein. Wer ernsthaft aussortieren will, sollte sich bewusst machen: Was habe ich eigentlich im Schrank? Welches Stück gibt mir ein gutes Gefühl? Will ich mich wirklich immer wieder mit dem Ausmisten beschäftigen oder gibt es eine Lösung, die von Dauer ist? Diese Aspekte zieht sich durch meine gesamte Beratung."

Inwiefern ist Ausmisten immer auch eine kleine Therapie beziehungsweise ein Prozess der Selbsterkenntnis?
"Haha, immer! Kleidung hat einfach viel mit der eigenen Persönlichkeit zu tun. Es geht darum, die eigene Persönlichkeit sichtbar zu machen und das Positive zu betonen. Leider macht uns das kleine Teufelchen auf der Schulter dabei oft einen Strich durch die Rechnung, indem es uns einflüstert: 'Du musst, du sollst, du darfst nicht usw.' Wenn es um Kleidung geht und darum, Kleidung auszusortieren, kommen viele Glaubenssätze zum Vorschein, die nicht hilfreich sind. Meditation kann ein guter Begleiter sein, wenn eine dauerhafte Veränderung angeregt werden soll."

Hilft es, den Partner oder die Partnerin, eine gute Freundin oder Mama um Hilfe zu bitten  – oder ist das eher kontraproduktiv, weil gerade die Liebsten uns viel zu gut kennen?
"Wahrscheinlich endet der Abend nicht mit einem effektiv ausgemisteten Schrank – die emotionale Nähe zu der anderen Person kann tatsächlich hinderlich sein. Andere Menschen haben andere Vorstellungen von Dingen. Und letztendlich geht es ja darum, selbst irgendwann zu wissen, was einem steht und was die Persönlichkeit unterstreicht. Meiner Erfahrung nach bringt es mehr, wenn wir lernen, uns selbst wieder zu vertrauen. Hilfreich ist es auch, sich selbst im Spiegel zu fotografieren. So ändern wir den Blick auf uns und können im Nachhinein, mit etwas Abstand besser einschätzen, ob ein Kleidungsstück uns schmeichelt."

Welche Tipps kannst du jemandem mit auf den Weg geben, der beim Ausmisten auf sich allein gestellt ist?
"Einatmen, ausatmen. Und sich nicht zu viel auf einmal vornehmen. Bestsellerautorin Marie Kondo bringt es mit ihrem Prinzip des 'Magic Cleaning' auf den Punkt: Man sollte immer nach Kategorien ausmisten. Also beispielsweise alle Jeans, die man besitzt, auf einen Haufen legen, um zu sehen, wie viele das überhaupt sind. Und dann nacheinander anprobieren. Lernen, wieder richtig hin zu sehen, auch wenn das heißen kann, dass ich nach dem Ausmisten erstmal nur zwei Lieblingsjeans habe."

Was sind die untrüglichen Anzeichen dafür, dass es Zeit ist, sich von einem Teil für immer zu verabschieden – selbst wenn es mal ein Liebling war?
"Ich finde, ein Liebling darf so lange bleiben, bis es einen geeigneten Ersatz gibt. In den Schrank gehören nur Kleidungsstücke, über denen kein Fragezeichen hängt. Sie müssen gut sitzen, in einem guten Zustand sein und zum Lebensstil passen."

Stichwort Minimalismus: Worauf sollte ich achten, wenn ich langfristig eine Garderobe haben will, in der sich nur Lieblingsstücke finden?
"Ein easy Start zum Kleiderschrank-Detox ist die Methode des markierten Kleiderbügels. Man kann beispielsweise eine Schleife an einen leeren Kleiderbügel hängen, möglichst versehen mit dem Datum, wann ich ihn aufgehängt habe. Rechts davon hänge ich alle Kleidungstücke, sobald ich sie einmal getragen habe. Links davon bleiben automatisch alle Ladenhüter, die nicht so oft vor die Tür kommen. Nach einem halben Jahr, ist es Zeit, den Teilen auf der linken Seite Lebewohl zu sagen. Am besten geht das, indem ich sie in die Hand nehme und sie wertschätze für das, was sie mich gelehrt haben. Ob es dann heißt: 'In diesem Gelb fühle ich mich unwohl' oder 'Von der besten Freundin Sarah nehme ich keine Sachen mehr' an, findet am besten jede für sich selbst heraus. Der Leitsatz, dass immer ein anderes Teil gehen muss, wenn ich etwas Neues kaufe, sorgt ebenfalls für Klarheit im Schrank."

Was sind deine Faustregeln für ein bewussteres Einkaufen?
"Ich habe eine Shoppingliste in meinem Schrank hängen. Jedes Mal, wenn ich zum Beispiel denke 'Zu dieser Hose könnte ein roter Long Blazer passen!', schreibe ich mir das dort auf. Es bringt viel, Details zu notieren, wie etwa 'schmale Passform an den Schultern', 'warmes Rot', etc. So vermeide ich, dass ich mir einfach irgendeinen roten Blazer kaufe. Es lohnt sich, in einer ruhigen Minute über das eigene Kaufverhalten nachzudenken. Sich zu fragen: Für was stehen meine Fehlkäufe, wann kaufe ich besonders schlecht, wer war dabei, was hat mich getrieben? Oft kaufen wir aus einer Laune heraus, ohne darüber nachzudenken, ob das Teil zu unseren Proportionen passt und ob wir es mit anderen Teilen kombinieren können, die wir bereits im Schrank haben."

Eure IVA


© Fotos: luanateutzi/Adobe Stock; Katja Batke (mit Streifenblazer); Chiara Doveri (Portraitbild, mit Klientin)