Einfach sprießen lassen!
25
Apr

Einfach sprießen lassen!

Keimlinge sind Superfoods, die man leicht selber ziehen kann.

Schwarzbrot mit Ei und Kresse: Glaubt es oder nicht, aber als Teenagerin konnte ich mich in diese Schnitten reinlegen! Meine kleine Schwester, eine begnadete Hobbyforscherin, sorgte dafür, dass die Kresse niemals ausging. Überall im Haus, wo es ein Fensterbrett und ausreichend Licht gab, standen ihre flachen Schüsseln/Auflaufformen/abgeschnittenen Joghurtbecher, in denen sie auf wasserdurchtränkter Küchenrolle oder Watte die feinblättrigen, grünen Kraftpakete voller Vitamine, Eisen und Kalzium züchtete. Sobald sie die Samen ausgestreut hatte, dauerte es ungefähr eine Woche, bis eine weitere Ration fertig war, die ich mir nur noch auf mein Brot schnippeln musste. Mit den Jahren geriet die Kresse in Vergessenheit. Nicht, dass ich sie nicht immer noch schätzen würde, aber auf meinen Salat streue ich als Topping gerade am liebsten ein paar knackige Mungobohnenkeimlinge. Und bei denen bin ich ganz wie meine Schwester: Ich ziehe sie selbst. Das ist tatsächlich genauso leicht wie bei der Kresse – funktioniert allerdings ein bisschen anders.

Ihr braucht: Samen, Leitungswasser und ein Keimglas. Letzteres kann auch ein altes, gut abgewaschenes Glas mit Schraubverschluss sein. Bohrt in den Deckel einfach ein paar Löcher – fertig ist die Selfmade-Keimzelle. Gebt zunächst einen Esslöffel voll Samen in ein Sieb, um sie abzuspülen. Danach kommen sie mit der doppelten Menge an Wasser in das Glas. Dort lasst ihr sie sechs bis acht Stunden quellen. Anschließend könnt ihr das Wasser abgießen. Von nun an die keimenden Samen täglich zweimal spülen. Dafür jedes Mal frisches Wasser in das Glas geben und es durch die Löcher im Deckel wieder ablaufen lassen. Nach drei bis vier Tagen sind die Mungobohnenkeimlinge in der Regel essreif! Noch schneller funktioniert das Prinzip zum Beispiel mit weißem Quinoa. Wie ich in "Sprossen, Keimlinge, Mikrogrün" – meinem aktuellen Buchtipp für euch – nachgelesen habe, sind die Körner normalerweise innerhalb von 24 bis 36 Stunden nach dem Quellvorgang fertig gekeimt. Am besten weicht ihr Quinoa über Nacht ein, mindestens aber über einen Zeitraum von sechs Stunden. Wie wunderbar es sich dann in eurem Frühstücksmüsli macht, verrät das folgende Rezept:

APRIKOSEN-CHIA-TRIFLE

Für 2 Personen

  • 50 g gemischte Keimlinge (z.B. von Quinoa, Buchweizen und Sonnenblume)
  • 100 ml Kokosmilch (Mandelmilch oder gewöhnliche Milch)
  • 4 TL Chiasaat
  • 1–2 Msp. Vanillepulver
  • 10 getrocknete Aprikosen + 200 ml Wasser
  • evtl. etwas flüssiger Honig
  • 1 Apfel
  • 100 ml türkischer Joghurt (10%)
  • Hanfsaat, Kokos-Chips und Nüsse zum Garnieren

1. Die Kokosmilch in einer Schüssel mit der Chiasaat und dem Vanillepulver vermischen. Die Mischung zum Quellen über Nacht (jedoch mindestens 2 Stunden) in den Kühlschrank stellen.

2. Das Wasser in einem kleinen Topf aufkochen, vom Herd nehmen und die Aprikosen hineingeben. Mit einem Deckel schließen und beiseitestellen, bis die Aprikosen weich sind (ca. 30 Minuten). Das Wasser abgießen und dabei auffangen. Die Aprikosen mit dem Stabmixer pürieren und mit der aufgefangenen Flüssigkeit bis zur gewünschten Konsistenz verdünnen. Eventuell mit etwas Honig süßen.

3. Den Apfel vom Kerngehäuse befreien und in kleine Würfel schneiden.

4. Chiapudding, Joghurt, Aprikosenmus und Keimlinge in 2 Gläser schichten.

5. Mit Apfelstückchen, Hanfsaat, Kokos-Chips, Nüssen und Samen bestreuen.

Buchtipp

Welche Superfoods sich neben Kresse, Mungobohnenkeimlingen und weißem Quinoa noch selbst ziehen lassen, verrät die schwedische Ernährungsökonomin und Foodjournalistin Lina Wallentinson mit leicht nachvollziehbaren Step-Anleitungen in "Sprossen, Keimlinge, Mikrogrün". Kurz und knackig gibt sie außerdem eine Einführung zu den biologischen Hintergründen. Damit die eigene Ernte am Ende direkt weiterverarbeitet werden kann: Eine Auswahl an leicht nachzukochenden und dennoch spannend-außergewöhnlichen Rezepten zeigen euch, wie vielfältig Sprossen, Keimlinge und Co. wirklich sind. Yummy!

Lina Wallentinson: "Sprossen, Keimlinge, Mikrogrün",
18 € über den BLV Verlag.


© Fotos: Lennart Weibull