Beweg dich!
19
Aug

Beweg dich!

Wie ein Aktivity-Tracker mich beim Zähneputzen Kniebeugen machen lässt

Sport

Goal

Als ich noch gekellnert habe - Gott, ich werde alt, das ist schon ewig her -  hatte ich einen Schrittzähler zu Wettzwecken. Die Kollegin, die die meisten Schritte in einer Schicht machte, wurde zum Feierabendbierchen eingeladen.  

Heute gibt es Apps und Geräte, die nicht nur Schritte zählen, sondern auch Kalorien, Laufstrecken abstecken, das Tempo überwachen und die Herzfrequenz messen. Mit diesen Werten werden keine feuchtfröhlichen Nächte eingeläutet, sondern man kann sie auf Facebook & Co. mit anderen teilen, sich messen und, wie es heißt, sich motivieren. 

Das hört sich für mich nach zu viel Kontrolle und Selbstdarstellung an. Und deshalb habe ich bisher einen Bogen um diese sogenannten Tracking-Apps und - Geräte gemacht.  

Bis ich vor kurzem einen Testbericht im TV gesehen habe. Eine sympathische, normale Frau - also ohne Sixpack - berichtete begeistert über ein Tracking-Armband, dass sie motiviert, sich mehr zu bewegen, aber nicht stresst. Motivation gefällt mir. Ich hab eine On-Off-Beziehung mit meinem inneren Schweinehund. 

Seit drei Wochen trage ich einen Aktivity-Tracker an meinem Handgelenk. Er zeigt mir auf seinem schicken LED-Display neben Uhrzeit, gemachten Schritten und Kalorienverbrauch auch ein Aktivitätskonto an. Im Grunde sagt er mir mit Hilfe einer kostenfreien App, wann ich zu lange auf meinem Allerwertesten gesessen habe. Was bei mir oft passiert, weil ich im Büro arbeite. 

Ich stehe jetzt öfter mal vom Schreibtisch auf und laufe herum. Ich mache mir zum Beispiel einen Tee oder gehe zu einer Kollegin in den dritten Stock - natürlich Zu Fuß - auf ein kurzes "Hallo, wie geht es dir?" Das tut mir gut, nicht nur habe ich mein Bewegungspensum aufgestockt sondern auch mein Bedarf an zwischenmenschlichem Austausch gedeckt. Der Tracker hat mein Leben nicht verändert, mich aber aufmerksamer für Bewegung gemacht.

Meine tägliche Bewegungsdosis erreiche ich, indem ich Treppen steige, Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklege, die ich sonst mit der Bahn oder dem Auto gefahren bin. An Tagen, an denen ich eine Runde jogge oder Yoga mache, brauche ich den Tracker gar nicht. Schließlich weiß ich dann, dass ich genug "Auslauf" hatte. Das ist dann mein Bewegungspolster für faule Couchtage. 

Gestern Abend sitze ich schon im Schlaf-Shirt auf der Couch und putze verträumt meine Zähne, zufällig komme ich auf den An-Schalter auf meinem Armband. Die Anzeige zeigt, dass noch ein winziger, kleiner Aktiv-Punkt fehlt, um mein tägliches Bewegungsziel zu erreichen. Ich springe auf und mache dreieinhalb Kniebeugen. Der Tracker jubelt mir zu: "Goal" erscheint auf der Anzeige. Moment. Ich schaue verschämt die Zahnbürste in meiner Hand an und komme mir plötzlich sehr albern vor. Dann schüttelt es mich und ich pruste lachend die gesamte Zahnpasta vor mir auf den Boden. 

Für einen Aktivity-Tracker gilt also das Gleiche, wie für das Leben: Take it easy! Und das klappt mal mehr, mal weniger. Das Saubermachen des Fußbodens gibt mir auch ganz ungewollt extra Bewegungspunkte.  

Ich habe den Activity Traker "Polar Loop" getestet. Mehr Infos gibt es im Shop