Kommentar zum Muttertag
12
Mai

Kommentar zum Muttertag

Dieses Jahr feiere ich mit Schampus nicht nur meine Mama, sondern auch den Protest.

Kommentare

Als Kinder war die Sache klar: Stand der Muttertag vor der Tür, brüteten wir im Vorfeld kollektiv über Schere und Prittstift und klebten unsere Liebe für Mama in Form von kleinen Filzstückchen oder Wollresten auf Buntpapier. In ihrem Strahlen, wenn wir Jahr für Jahr windschiefe Kunstwerke verschenkten und ihr (heimlich angeknabberte) Croissants ans Bett brachten, lag neben dem Mutterstolz immer auch Freude über die kleinen Aufmerksamkeiten.

Die Geschenktradition pflege ich bis heute - nur, dass ich meine Mama inzwischen zum Champagner-Brunch bei mir zu Hause einlade und ihr ein aktuelles Foto von uns beiden entwickle, das wir an dem Tag zusammen machen. Das ist schön. Wir genießen die Zeit zu zweit - aber das tun wir an anderen Tagen auch. Und genau deshalb denke ich, dass speziell am Muttertag doch noch mehr gehen muss. Forderungen stellen und Herzenswünsche erhören zum Beispiel. Und damit meine ich nicht jene Wünsche, die sich in einer Schachtel Pralinen oder dem Lieblingsparfüm erschöpfen.

Geht man in der Zeit zurück, fällt auf, dass der Muttertag ganz ursprünglich einen empowernden Anlass hatte. Geprägt von Frauenrechtsbewegungen wurde er Mitte des 19. Jahrhunderts ins Leben gerufen, um Müttern die Gelegenheit zu bieten, sich untereinander auszutauschen. Etwas später sollte bessere Bildung für Frauen Teil der gesellschaftlichen Diskussion werden.

Heute ist der Muttertag weitgehend kommerzialisiert. Gleichzeitig wird mit dem Bild einer Mutter, die im Kreis ihrer Lieben sitzen und sich überglücklich schätzen, dieses eine Mal im Jahr mit Blumen und süßen, kleinen Geschenken bedacht zu werden, das Rollenklischee der sanften, geduldigen Frau, Hüterin des Hauses, des Herdes und der Familie aufrecht erhalten.

2016 reichte es den Bloggerinnen Annette Loers ("Mutterseelesonnig") und Christine Finke ("Mama arbeitet"). Mit der Unterstützung von "family unplugged" und "FrauTV" kritisierten sie anlässlich des Muttertags, dass die Bedürfnisse von Müttern mit einem Strauß Rosen nicht erschöpft seien und riefen alle Mamas dazu auf, unter dem Hashtag #muttertagswunsch zu posten, was sich gesellschaftspolitisch ändern müsse. Sechs Kernforderungen aus diesen Tweets und anderen Einsendungen leiteten sie damals an Familienministerin Manuela Schwesig weiter.

Hashtag #muttertagswunsch, Hashtag #vatertagswunsch: eine Internetkampagne für Mütter- und Väterrechte

Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, geht #muttertagswunsch nun in die zweite Runde, und soll - wie schon im vergangenen Jahr - mit #vatertagswunsch fortgesetzt werden. "Wir brauchen dringend modernere Familienbilder, und wenn wir schon dabei sind: wir brauchen dringend familienfreundlichere Strukturen in Deutschland", schreibt Christine Finke auf ihrem Blog. Nur ein paar Beispiele dazu, was sich Mamas unter dem Hashtag #muttertagswunsch wirklich wünschen:

• "Dass es genügend gute Kita- und Schulplätze in Wohnortnähe gibt!" (Ahhh...Nett!)

• "Dass Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht nur auf dem Papier großgeschrieben, sondern auch umgesetzt wird" (kleinegroßeliebe)

• "So viele Kinderkranktage, wie meine Kinder krank sind" (Mirjam)

• "Dass Kinder nicht als privates Hobby sondern als unsere Zukunft gesehen werden" (Wilde Hilde)

Ich finde Aktionen wie diese richtig toll und wichtig und habe mir für den diesjährigen Muttertag eines ganz fest vorgenommen: meine Mama zu fragen, was sie sich als Mutter, als Frau, als Familienmitglied wirklich wünscht - nicht nur von mir, sondern im größeren Kontext auch vom Rest der Gesellschaft. Bei einem Glas Schampus werde ich nicht nur sie feiern, sondern auch die Chance für den Protest.

Eure IVA

PS: Falls ihr auch mit Schampus feiern mögt - hier könnt ihr (bis zum 20. Juni) vier Champagner-Flaschen von Lanson gewinnen!


© Fotos: brand:marke GmbH; Photographee.eu/Adobe Stock; Screenshot: mutterseelesonnig.wordpress.com