Smart Luggage: schlauer reisen?
04
Okt

Smart Luggage: schlauer reisen?

Moderne Koffer können mehr als Kleidung zu verpacken.

Reisen

Ich gehöre seit Jahren zum Team Reiserucksack. Meine Habseligkeiten gut verstaut auf dem Rücken zu wissen und dadurch in dem Gewusel des Flughafens oder Bahnhofs beide Hände frei zu haben, stellte für mich immer die beste Lösung dar. Bloß keine Sperenzchen. Jetzt gab es zum ersten Mal einen Moment, in dem meine Überzeugung ins Wanken geriet. Als ich gerade für ein verlängertes Wochenende nach Dublin fliegen wollte, rollte direkt neben mir eine Frau mit ihrem kleinen Trolley am Gate an und stöpselte während einer ungeplant längeren Wartezeit von zwei Stunden ihr Tablet an den Koffer an. Um es zu laden und sich die Zeit mit ein paar Folgen "Modern Family" zu vertreiben. Neid! Reisefiebrig wie ich war, hatte ich natürlich vergessen, mein Handy aufzuladen, und das Kabel irgendwo zu unterst in den Rucksack geworfen, der wiederum längst bei der Gepäckaufgabe war.

Aber zurück zu diesem speziellen Trolley: Unter den Begriff "Smart Luggage" fallen solche schlauen Koffer, die für Geschäftsreisende schon länger interessant sind. Oder für Technikfüchse, die im Zuge von Smart Travel – dem Trend, auf Reisen von den Vorteilen der Technik und digitalen Vernetzung zu profitieren – alles Neue durchprobieren. Dadurch, dass die smarten Begleiter inzwischen etwas günstiger sind, werden sie zunehmend auch für Privatpersonen spannend. Was genau der Reiz an den rollenden Alleskönnern ist, weiß Dr. Ulrich Reinhardt, Zukunftsforscher und wissenschaftlicher Leiter der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen. "Die Vorteile ergeben sich aus den verschiedenen Funktionen der schlauen Koffer", sagt er und nennt ein paar Beispiele: "Einige schlaue Koffer haben eine integrierte Ortungsfunktion, sodass der Besitzer jederzeit prüfen kann, wo sich sein Gepäck befindet." Ein weiteres Feature für Vielreisende sei die Möglichkeit, das eigene Gepäck selber einzuchecken, "sodass ein Anstehen am Schalter obsolet wird und der Reisende sein Gepäck schneller abgeben kann". Das alles finde ich als eher bodenständige Rucksachträgerin ja schon verrückt genug. Aber für die Zukunft kann sich Dr. Ulrich Reinhardt sogar noch extreme Entwicklungen vorstellen. "Das Gepäck könnte per Smartphone bewegt werden und das lästige Ziehen überflüssig machen oder aber der Koffer könnte zu Hause eingecheckt werden und selbstständig zum Flughafen oder Bahnhof steuern, sich dort einchecken und im Hotel auf uns warten", sagt er.

DAS konnte der Koffer der Frau tatsächlich noch nicht. Dafür weiß ich jetzt, dass er – das habe ich über mein später im Hotel aufgeladenes Handy recherchiert – von der Marke Horizn Studios stammt, einem Berliner Startup, das sich auf Smart Luggage spezialisiert hat. Abgesehen davon, dass der Kabinen-Trolley bei allen Airlines als Handgepäck durchgehen soll und optisch ziemlich schick aussieht, hat er einen entnehmbaren Akku mit 10.000 mAh. Dazu befindet sich an der Vorderseite ein praktisches Frontfach, das Platz für ein Tablet oder einen Laptop bis zu einer Größe von 15 Zoll bietet. Sollte ich meinen Rucksack am Ende wirklich gegen einen solchen oder ähnlichen Trolley tauschen, lasse ich es euch auf jeden Fall wissen. Ich finde, dass die Koffer mehr als Potenzial haben – erst recht, wenn sie ihr Gewicht irgendwann selbst tragen können. Schwer zu schleppen war bisher nämlich das Einzige, was ich bei meinem Reiserucksack ziemlich blöd fand ...

Eure IVA


© Fotos: Horizn Studios