Supper Clubs: Dinner im Geheimen
14
Aug

Supper Clubs: Dinner im Geheimen

In Privat-Restaurants geht es neben dem Genuss vor allem ums Gespräch.

Küche

Als meine kleine Schwester Ende 2010 nach Berlin zog, sprach gerade die ganze Stadt über sogenannte "Supper Clubs". Ob in Kreuzberger Hinterhöfen oder Friedrichshainer Souterrainwohnungen: Überall ploppten damals winzige Restaurants ohne Lizenz auf, deren Hobby-Betreiber*innen nur für einen Abend im Monat öffneten und fremde Menschen nach Anmeldung in ihren Wohnzimmern bodenständig bis kunstvoll bekochten.

Meine Schwester und ich waren einmal gemeinsam bei einem solchen halböffentlichen Event. In dem Hinterzimmer eines Cafés hatte sie unsere E-Mail-Adressen auf den Zettel von Tresenbekanntschaft Miles geschrieben und damit Interesse an seinem geplanten Supper Club bekundet. Zwei Tage vor dem angekündigten Termin bekamen wir schließlich den Ort für das geheime Guerilla-Dinner mitgeteilt und den Nachnamen, bei dem wir klingeln müssten. Vorher nicht zu wissen, wie das temporäre Privat-Lokal aussehen, mit wem man am Ende den Tisch teilen oder was es überhaupt zu essen geben würde, hatte einen ganz besonderen Reiz.

Es ging damit nicht nur um den Genuss neuer, exotischer Gerichte (Miles servierte u.a. ein Curry mit Kochbananen!), sondern auch darum, die Gesprächskultur zu pflegen. Am Ende saßen meine Schwester und ich zwischen einer insolventen Galeriebesitzerin und einem Saxofonspieler, die wir beide in unserem Alltag sicher nicht kennengelernt hätten. Wie vielseitig die Themen waren, könnt ihr euch bestimmt vorstellen!

Gerichte aus der Weltliteratur

Weltliteratur als Kochbuch: Cara Nicoletti

Dass ein gemeinsames Essen die Kommunikation befeuert, erkannte vor Jahren auch Metzgerin und Autorin Cara Nicoletti. In ihrer Wohnung gründete die in New York lebende Buchfreundin 2008 einen Supper Club, in dem sie das Prinzip verfolgte, ausschließlich Gerichte aus der Weltliteratur zuzubereiten. "Ich fühlte mich den Figuren aus meinen Büchern tief verbunden, und wenn ich die Gerichte kochte, die sie aßen, erschien mir das als ganz natürlicher Weg, ihnen noch näher zu kommen, sie so real werden zu lassen, wie sie es für mich waren", so Cara über ihre ungewöhnliche Leidenschaft, das Kochen und Lesen zu verknüpfen.

Als ihre Supper Clubs immer erfolgreicher wurden, startete sie den Blog "Yummy Books". Es folgte die Veröffentlichung eines gleichnamigen Buchs, das neben charmanten autobiografischen Anekdoten Rezepte zwischen Buttermilchpfannkuchen à la Pippi Langstrumpf und Austern mit Gurken-Mignonette nach "Anna Karenina" bereit hält. Das macht nicht nur Lust aufs Kochen, sondern auch aufs Nachlesen!

Eines von Caras literarisch inspirierten Rezepte, die jede Menge Stoff für Tischgespräche bieten, habe ich hier für euch:

Middlesex: Olivenöl-Joghurt-Kuchen

Für 8 Personen

  • 360 g griechischer Sahnejoghurt
  • 160 ml Olivenöl
  • 3 große Eier
  • 250 g Kristallzucker
  • 3/4 TL Vanilleextrakt
  • ausgepresster Saft und fein abgeriebene Schale von 1 kleinen unbehandelten Orange
  • 350 g Weizenmehl
  • 2 1/2 TL Backpulver
  • 3/4 TL Natron
  • 1/2 TL Salz
  • 40 g Mandeln, grob gehackt

1. Den Backofen auf 180 °C vorheizen. Eine Springform von 22 cm Durchmesser einfetten, den Boden mit einem kreisförmig zugeschnittenen Backpapierkreis auslegen und das Backpapier ebenfalls einfetten.

2. In einer großen Schüssel den Joghurt mit dem Olivenöl, den Eiern, dem Zucker, der Vanille, dem Orangensaft und der Orangenschale aufschlagen. In einer zweiten Schüssel das Mehl mit dem Backpulver, dem Natron und dem Salz vermengen. Die trockene zur feuchten Zutatenmischung geben und zu einem glatten Teig vermischen. Den Teig in die vorbereitete Backform gießen und mit den gehackten Mandeln bestreuen.

3. Etwa 45 Minuten im Ofen backen, bis ein in die Mitte eingestochenes Holzstäbchen sauber wieder herauskommt. Den Kuchen vor dem Servieren leicht abkühlen lassen oder vollständig abkühlen lassen und kalt genießen.

Buchcover: Yummy Books

Buchtipp

In "Yummy Books" nimmt Cara Nicoletti die Leser*innen mit auf eine Reise durch ihre Lieblingsbücher. Welche besonderen Gerichte tauchen darin auf und durch welche Zeilen wurde Cara zu eigenen Kreationen inspiriert? Die autobiografischen Geschichten, die sie um die einzelnen Rezepten spinnt, sind oft lustig, in jedem Fall aber unterhaltsam. Und die Rezepte eine tolle Anregung für eigene thematisch ausgerichtete Supper Clubs!

Cara Nicoletti: "Yummy Books. In 50 Rezepten durch die Weltliteratur", 16,95 Euro über Suhrkamp


© Foto (Cara Nicoletti): Justin Hogan/Suhrkamp Verlag; pololia/Adobe Stock