Auf uns, Ladies!
21
Sep

Auf uns, Ladies!

Warum wir uns nicht nur an Geburtstagen selbst feiern sollten.

Ich bin ein großer Fan von Geburtstagen. Der 18. des Patenkindes? Omis 85.? Oder der 40. der besten Freundin? Beim Jubeln bin ich ganz vorne mit dabei – grundsätzlich. Für mich braucht es keine großen Zahlen, um die Konfettikanone zu zünden und das Geburtstagskind mit Zuneigung zu überschütten. Unsere besondere Aufmerksamkeit sollten wir den Liebsten doch eigentlich immer widmen. Und ein Geburtstag – runde Zahlen hin oder her – ist jedes Jahr wieder besonders feiernswert. Das finde ich zumindest. Im Kern feiern wir die Geburt eines geschätzten Menschen. Wir freuen uns zusammen, dass die Person auf der Welt und immer noch unter uns ist. Es ist ihr Tag.

Feiertag? Ist jeden Tag!

Vielleicht klingt das für manche von euch nun erst mal seltsam, aber: Am liebsten feiere ich meinen eigenen Geburtstag. Das hat wenig mit Schokotorte, Küchenparties oder Geschenken zu tun – auch wenn ich kleine Überraschungen sehr mag. Vielmehr genieße ich es, einen ganzen Tag nur mir zu widmen. Das hat irgendwann dazu geführt, dass ich den Geburtstag auf eine Geburtstagswoche ausgeweitet habe. Sieben Tage lang hieß es dann: "Das ist meine Zeit! In dieser Zeit achte ich besonders auf mich." Mitfeiern war ausdrücklich erlaubt, wurde aber nicht erwartet. Vor allem wollte ich selbst feiern – und zwar mich. Ich wollte gut zu mir selbst sein. Heute bin ich soweit zu sagen: Wir sollten uns immer feiern. Jeden! Einzelnen! Tag! Zumindest ein bisschen, gerne auch ein bisschen doller – gerade als Frauen, denen Selbstliebe, Selbstbewusstsein und Stolz auf die eigenen Leistungen immer noch viel zu oft negativ als Egoismus oder Arroganz ausgelegt wird. Ob im Haushalt oder am Schreibtisch, als Partnerin, Freundin, Mutter, Arbeitnehmerin oder in einer unserer anderen wahnsinnig vielfältigen und herausfordernden Rollen: Wir sollten uns gedanklich viel öfter dafür zuprosten, was wir als Einzelne jeden Tag auf die Reihe bekommen, anstatt uns nach der Anerkennung durch andere zu verzehren. Wir sollten uns selbst dafür in den Arm nehmen, wenn etwas nicht so klappt, wie wir uns das erhofft hatten. Wir sollten uns jeden Tag lieb haben und dafür schätzen, wer wir sind. An den grauen Tagen umso mehr.

Stolz statt Scham

"Wie schön, dass du geboren bist!", sollte der erste Satz sein, den wir unserem Spiegelbild nach dem Aufwachen sagen und den letzten, den wir beim Einschlafen denken. Zugespitzt formuliert. Dadurch werden wir nicht unkritischer oder unreflektierter – ganz im Gegenteil: Positives Feedback, denn das geben wir uns, wenn wir uns selbst feiern, macht es viel leichter, kritischer zu sein – und die Dinge auch wirklich anzugehen, an denen wir bei uns noch arbeiten müssen. Das alles hat für mich nichts mit Selbstbezogenheit zu tun. Obwohl das so formuliert natürlich falsch ist: Es hat alles mit Selbstbezogenheit zu tun! Aber die empfinde ich mit jedem Lebensjahr mehr als etwas Positives, wenn man sie als Fähigkeit versteht, gut auf sich und die eigenen Bedürfnisse zu achten und keine Scham dabei zu verspüren, sich selbst zu feiern – auch wenn gerade kein Geburtstag ist.

Also lasst uns anstoßen. Heute, morgen, übermorgen und all die Tage danach: auf dich, auf mich, auf uns!

Eure IVA


© Fotos: AdobeStock/ Tijana