Hallo Sport, hier bin ich wieder!
24
Okt

Hallo Sport, hier bin ich wieder!

Drei Angebote, die helfen, sich als Fitnessfaulpelz aufzuraffen.

Der Ausruf "Sport ist Mord" könnte von mir erfunden worden sein. Obwohl ich in der Vergangenheit immer wieder mal mit Pilates oder Yoga geliebäugelt habe, ist es mir bis heute nicht gelungen, eine stabile Beziehung zu Sport aufzubauen. Dabei hätte ich regelmäßige Bewegung wegen bald chronischer Schreibtischrückenschmerzen, depressiver Verstimmungen, sobald die Wolken mal nicht lila sind, und anhaltender, bleierner Murmeltiermüdigkeit bei so ziemlich jedem Jahreszeitenwechsel wirklich dringend nötig. Sport soll ja angeblich bei allem helfen. Und vor lauter Gekeuche halb bewusstlos in die U-Bahn kippen, wenn ich die letzten zwanzig Meter sprinten musste, ist auch nicht wirklich cool, oder? Für den Start in den Herbst hatte ich mir dieses Jahr also vorgenommen, den inneren Schweinehund anzutreiben – anstatt träge hinter ihm her zu hecheln. Hier kommen drei Möglichkeiten für Sportmuffel wie mich, die sich im Selbsttest (mehr oder weniger) bewährt haben!

Voll auf Kurs

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber öffentliche Yoga- und Pilateskurse schüchtern mich oft ein. Gerade bei diesen Sportarten soll man sich ja eigentlich nicht vergleichen, aber, nun ja ... hat bei mir leider nie geklappt. Entweder kam ich mir in meiner schlabberigen Jogginghose underdressed vor oder wie die absolute Bewegungsniete, weil ich nie so weit runter, nie so weit zur Seite – oder wohin auch immer – gekommen bin wie meine direkten Nachbar*innen. In den vergangenen Wochen habe ich deshalb Onlinekurse für mich entdeckt. Bei YouTube gibt es gratis Videos für alle Levels. Empfehlen kann ich HappyAndFitPilates. Aus dem Bett direkt auf die Matte kippen oder den Körper nach Feierabend vom Scheitel bis zu Sohle dehnen: Dieses Pilates macht wirklich wach und gutgelaunt – mich zumindest! Ein halbstündiges Video nachzuturnen, kann ein Feel-Good-Start in den Tag sein und prima zum Durchschnaufen nach langem Sitzen im Büro. Bei den Kursen, die sich an Einsteiger*innen richten, werden alle Übungen langsam und deutlich erklärt. Auch an die – beim Pilates besonders wichtige – Atmung wird regelmäßig erinnert. Meistgehörter Satz: "Bauchnabel sanft nach innen ziehen".

Pro: Wer Gesellschaft braucht: Die Kurse lassen sich auch zusammen mit einer Freundin machen. Habe ich ausprobiert! Danach noch nett zusammen zu kochen und eine Runde auf der Couch zu quatschen, ergibt einen runden, entspannten Abend, an dem ihr Körper UND Seele Gutes getan habt.

Contra: Bei Pilates ist es wichtig, dass ihr die Übungen korrekt ausführt – sonst drohen (wie eigentlich bei so ziemlich jeder Sportart) Fehlhaltungen und im schlimmsten Fall sogar Verletzungen. YouTube-Kurse sind in meinen Augen deshalb nur für diejenigen etwas, die bereits Erfahrung durch einen begleiteten Kurs haben und die Basic-Übungen sicher ausführen können.

Die schnelle Nummer

Heute mal ein bisschen was für den Bauch machen? Die Beine trainieren? Oder ein Rücken-fit-Programm starten? Mit der Fitness-App Seven für iOs oder Android lässt sich beim Training der Fokus auf einzelne Körperregionen legen. Der Clou ist aber etwas anderes: Ein Programm ist immer nur wenige Minuten lang. Wer sich mehr fordern möchte, kann Extrarunden machen. Über das Profil lassen sich die eigenen Erfolge einsehen. Das kann abhängig von der Regelmäßig der durchgeführten Übungen ziemlich motivierend sein – oder auch ziemlich frustrierend. Die korrekte Ausführung wird durch animierte Trainer*innen übermittelt. Ein Countdown zeigt an, wie viele Sekunden noch geschafft werden müssen, bis – nach einer kurzen Pause – die nächste sportliche Aufgabe ansteht. Dadurch kommt Tempo in die Sache. Da ich wirklich nicht die Fitteste bin, hilft mir das Runterzählen außerdem beim Durchhalten.

Pro: "Ich habe einfach keine Zeit für Sport", ist bei einem 7-Minuten-Programm kein Argument mehr. Eine Einheit pro Tag lässt sich eigentlich immer zwischenschieben – so hat man ganz leicht das Gefühl, etwas geschafft zu haben. Die Hemmschwelle, endlich loszulegen, finde ich außerdem unschlagbar niedrig.

Contra: In der Gratis-Version wiederholen sich die Übungen ziemlich schnell. Wer beim Sport Abwechslung braucht, wird sich schnell langweilen – oder bei den In-App-Käufen zuschlagen. Dort lassen sich kostenpflichtig weitere Programme freischalten und Mitgliedschaften abschließen.

Einmal alles, bitte!

Vor der Arbeit zum Yoga für Anfänger*innen, zum ersten Mal bouldern gehen, am Wochenende eine Freundin für einen Spinningkurs und Sauna danach in ihr Fitnessstudio begleiten und die Woche drauf eine Art Personal Training an TRX-Bändern mit einer 2:1-Betreuung durchziehen: geht alles, auch ohne sich in verschiedenen Studios anzumelden (oder unendlich viel Geld dafür zu bezahlen)! Das Prinzip des Urban Sports Club ist es, mit einer Mitgliedschaft verschiedene Fitnesssstudios und ganz unterschiedliche Sportangebote nutzen zu können. Für euch durfte ich die L-Mitgliedschaft gratis testen und kann sagen: Mich hat es anfangs ziemlich angefixt, mir beim Frühstück über die App ausspucken lassen, welche Kurse an dem Tag zu meiner Wunschzeit in der nächsten Umgebung stattfinden und nach Lust und Laune auszuwählen worauf ich gerade Lust habe. Meine engsten Freund*innen sind nicht solche Sportmuffel wie ich, machen aber alle an anderen Orten Sport. Die meisten davon haben einen Deal mit Urban Sports, weswegen ich oft Begleitung hatte. Für wen das gut klingt: Den Urban Sports Club gibt es in diversen deutschen Großstädten sowie in Frankreich und Italien. Mitgliedschaften sind ab 29 Euro im Monat (dann mit limitierten Besuchen und einem begrenzten Angebot) möglich.

Pro: Dank der vielen Abwechslung hat man immer wieder den Kick des Neuen, Aufregenden. Wer so viel ausprobieren kann, muss irgendwann etwas finden, das zu einem passt. Ein Plus gibt es für die Möglichkeit, sich innerhalb der App einen bunten Wochenplan zu erstellen. Auch wenn ich ihn nicht immer einhalte: Er macht Lust aufs Ausprobieren und schürt Vorfreude!

Contra: Das Angebot ist so groß, dass man auch mal überfordert sein kann – und im Zweifelsfall lieber zu Hause bleibt, als sich schon wieder irgendwo neu reinzufuchsen. Für den Sport vor die Tür zu gehen, hat sich außerdem als meine größte Hürde entpuppt, wenn draußen der Herbst tobt.

Eure IVA


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