Kuck' mal!
21
Feb

Kuck' mal!

Das sind meine Highlights von der diesjährigen Berlinale.

"Wie fandest du ...?", "Schaust du noch ...?", "Haste schon gesehen?": Im Februar dreht sich in der Hauptstadt dank der Berlinale alles um kommende Kinofilme, spannende Dokumentationen und auch neue Serienproduktionen. Auch ich habe mich ins Getümmel gestürzt und euch wieder ein paar Film- und Serientipps jenseits von Arthouse und 3-Stunden-Epen mitgebracht.

"Mid90s"

Stevie (Sunny Suljic) ist 13 und ziemlich klein für sein Alter. Während er seine Zeit heimlich im Zimmer des großen Bruders Ian (Lucas Hedges) verbringt und sich mit dem Discman durch dessen CD-Sammlung hört, ist Ian damit beschäftigt, der alleinerziehenden Mutter (Katherine Waterston) Sorgen zu machen und Stevie zu verprügeln.

Schließlich wird Stevie auf die vermeintlich coolen, älteren Jungs eines lokalen Skateshops aufmerksam. Um sie zu beeindrucken, tauscht er bei Ian seine Videospiele gegen ein abgenutztes Board ein, fängt an zu rauchen und erschließt sich langsam eine Welt, in der man in der Gruppe auf verbotenen Plätzen abhängt, sich bei Hausparties betrinkt und in fremden Schlafzimmern erste Erfahrungen mit dem Knutschen sammelt.

Mit "Mid90s" hat Hollywoodstar Jonah Hill sein Kinodebüt vorgelegt, das nicht nur ein komplett kitschfreier Coming-of-Age-Film, sondern gleichzeitig eine unverklärte Hommage an die 90er ist. Dafür sorgen ein durch Schauspieler, Laiendarsteller und Profiskater realistisch transportiertes Lebensgefühl, das für heutige Verhältnisse ungewöhnliche 4:3-Format und nicht zuletzt der tolle Oldschool-Soundtrack. Extrem unterhaltsamer Flashback!

Kinostart: 7. März 2019

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"Hanna"

Irgendwo in den tief verschneiten Wäldern Polens wächst die 14-jährige Hanna (Esme Creed-Miles) allein mit ihrem Vater Erik (Joel Kinnaman) auf. Sie kann Rehe ausnehmen, von Baum zu Baum klettern und ihren Vater innerhalb von Sekunden K.O. würgen. Von Snickers oder Textnachrichten hat sie dafür noch nie gehört.

Das ändert sich, als sich Hanna wiederholt weiter von ihrer Basis entfernt, als sie soll. Im nächsten Moment befinden sie und ihr Vater sich auch schon auf der Flucht vor der CIA-Agentin Marissa Wiegler (Mireille Enos), die ihn am liebsten tot und sie unbedingt lebend fangen will. Aber 100%ig klar sind die Rollen von Flüchtenden und Verfolger*innen nicht verteilt ...

Die Amazon-Produktion "Hanna" erzählt in actiongeladenen Bildern eine Geschichte von Rache, die wir bereits aus dem Kino kennen. 2011 wurde die Story unter dem Titel "Wer ist Hanna?" mit Saoirse Ronan, Eric Bana und Cate Blanchett in den Hauptrollen verfilmt. Das tut der Spannung allerdings keinen Abbruch. Die ersten beiden Folgen der Serie überzeugen zudem mit einem ähnlich tollen Cast, schnellen Schnitten – und einer Bildqualität, die Kinoniveau hat. Nicht verpassen!

Serienstart: 29. März 2019 bei Amazon Video

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"All My Loving"

Drei Geschwister, drei Leben, drei Krisen. Stefan (Lars Eidinger) reißt in seiner Pilotenuniform Frauen auf, obwohl er als Pilot gar nicht mehr arbeiten darf. Der Stress hat seine Ohren kaputt gemacht – er hat Flugverbot. Das gibt ihm Zeit, sich mit seiner Tochter auseinander zu setzen, die mitten in der Pubertät steckt, und den überbehüteten Hund seiner Schwester zu sitten. Theoretisch jedenfalls.

Schwester Julia (Nele Mueller-Stöfen) ist derweil mit ihrem Mann in Turin. Etwas ist passiert, schon vor Jahren. Was, das erfährt man erst später. Aber es erklärt, warum sie einen angefahrenen Hund von der Straße sammelt, ihn wie ein Baby hält und im schicken Hotel von einem Humanmediziner behandeln lässt. Die emotionale Eskalation bei einem Dinner mit alten Bekannten lässt sich dennoch nicht vermeiden.

Ihr jüngerer Bruder Tobias (Hans Löw) managt derweil das Familienleben mit drei Kindern und schreibt an seiner Doktorarbeit, während seine Partnerin Karriere macht. In den Augen der Geschwister hat er also nichts zu tun - und kann sich auch noch um den entfernt lebenden kranken Vater und die alles verdrängende Mutter kümmern. Ob Stefan, Julia oder Tobias: Sie funktionieren irgendwie im Leben. Bis an einem Punkt alles ineinander kracht.

Der aufwühlend gespielte Episodenfilm "All My Loving" erzählt die Geschichten seiner Protagonisten über Dialoge und lange Einstellungen. Feel-Good-Stimmung kommt dabei nicht auf. Dafür ist eindringliches Charakterkino mit Köpfchen zu sehen.

Kinostart: 23. Mai 2019, Trailer hier ansehen

Viel Spaß,
Eure IVA


© Fotos: MFA+ (Mid90s); Amazon Prime Video (Hanna); Port au Prince (All My Loving)