Menstruationstassen: Becher hoch!
27
Jun

Menstruationstassen: Becher hoch!

Meine Erfahrungen mit einer nachhaltigeren Alternative zu Tampons und Binden.

Verdammt - schon wieder ein Zyklus rum?! Wie viele Frauen gehörte auch ich lange Zeit zu denen, die von ihrer Menstruation am liebsten so wenig wie möglich mitbekommen wollten. Deshalb war ich Team Tampon. Watte rein, Kopf aus. Gesprochen wurde über die Periode maximal, wenn sie überraschend kam. "Hast du was mit?", flüsterte es während der Schulzeit dann mal von links, mal von rechts, wenn wir die Plastik umhüllten Helfer in der geschlossenen Faust von Bank zu Bank reichten. Dass die Periode nichts Schmutziges ist, die wir - husch, husch - zu beseitigen haben, wie uns die Werbung glauben lassen will, sondern ein Zeichen dafür, wozu der weibliche Körper imstande ist, habe ich erst verstanden, als ich mich näher mit der Body Positivity-Bewegung beschäftigte. Dann war ich eines Abends bei einer guten Freundin zu Besuch. Sie erzählte mir stolz von ihrer jüngsten Errungenschaft: einer Menstruationstasse.

Lacht nicht, aber in meiner Naivität ging ich zunächst davon aus, dass es sich dabei um eine Art Fanartikel handelte, mit dem aufgeklärte Frauen - warum auch immer - die eigene Periode feierten. Vor meinem inneren Auge sah ich weißes Porzellan, bemalt mit einer knallig bunten Gebärmutter im Pop Art-Stil.

Recht schnell wurde klar: Nee, IVA. Eine Menstruationstasse ist ein kleiner Becher, meist aus Silikon, der über die Scheide eingeführt den Muttermund verschließt und so das Blut während der Periode auffängt. Sobald der Becher voll ist, befördert man ihn mit den Fingern aus dem Körper, schüttet all das Blut gesammelt in die Toilette, spült oder wischt ihn aus und setzt ihn danach wieder ein. Äh ... was?! Als klassische Tampon-Trägerin schwirrte mir erst mal der Kopf. Durch die begeisterten Schilderungen meiner Freundin ("Du bekommst ein ganz neues Gefühl für deinen Körper!", "Du versuchst doch immer nachhaltig zu leben - warum nicht auch da? Mit Glück hält so eine Tasse ZEHN Jahre", "Was du außerdem alles an Geld sparst!") wurde ich dann aber doch so neugierig, dass ich mir einen der Becher bestellte.

Meine Erfahrungen

Seit drei Zyklen ist meine Menstruationstasse nun im Einsatz. Und was soll ich sagen: Ich bin total überzeugt! Ein paar Erlebnisse und Erkenntnisse möchte ich gerne mit euch teilen, damit ihr selbst entscheiden könnt, ob die Becher auch etwas für euch sein könnten:

1.) Einfach laufen lassen

Dass eine Frau während ihrer Periode nicht kontinuierlich, sondern in Schüben blutet, spürt man mit einer Menstruationstasse. Und ich sage euch: Für mich, die jahrzehntelang auf Tampons gesetzt hat, war es eine ganz schöne Umgewöhnung, es laufen zu lassen. Frauen, die eher Binden tragen, haben damit wahrscheinlich weniger Probleme. Aber ich dachte am Anfang häufig: Da geht bestimmt was daneben! Tat es nie. Trotzdem rannte ich zu Beginn alle halbe Stunde auf die Toilette, obwohl Menstruationstassen häufig eher mehr Blut auffangen können als ein Tampon. Eine tolle Erfahrung war, dass die Tasse die Vagina nicht austrocknet. Aus diesem Grund setze ich sie immer schon ein, sobald ich das Gefühl habe, es könnte mit der Menstruation jeden Moment losgehen.

2.) Und es hat "Plopp!" gemacht

Ich will euch nichts vormachen: Eine Menstruationstasse einzusetzen, vor allem aber sie wieder herauszuholen, erfordert am Anfang Übung, Geduld und starke Nerven. Ein leichtes "Plopp" gegen die Scheidenwand ist meist das Zeichen dafür, dass sich die Kappe - zusammengedrückt eingeführt - in eurem Inneren entfaltet hat. Ich empfehle euch, das zu Hause zu üben, bis ihr euch sicher fühlt. Und sage aus Erfahrung: Die Bürotoilette (fünf Minuten vor dem nächsten Meeting) ist dafür der denkbar ungünstigste Ort.

3.) Massaker auf der Damentoilette

Wenn ihr euch nun vorstellt, wie ihr metzgerinnengleich mit blutigen Händen aus einem öffentlichen Waschraum kommt: Ja, Toiletten, in denen es in kein Waschbecken in der Kabine gibt, stellen eine besondere Herausforderung dar. Mein Tipp: immer eine Packung Feuchttücher, zumindest aber ein Taschentuch dabei haben, um sich im Notfall wenigstens grob die Hände abwischen zu können. Ich hatte einmal den Fall, dass ich weder Feuchttücher, noch ein Taschentuch hatte und gleichzeitig das Toilettenpapier alle war. So etwas passiert euch nur einmal im Leben! Unfassbar praktisch sind Menstruationstassen, wenn es keine Möglichkeit gibt, übliche Hygieneartikel zu entsorgen - in Gäste-Badezimmern ohne Mülleimer zum Beispiel. Für den absoluten Sonderfall, dass ihr euch in einem Waschraum ohne Waschbecken und Mülleimer, frisch machen wollt, ein wichtiger Hinweis: Feucht- oder Taschentücher gehören nicht in die Toilette. Andernfalls droht Verstopfungsgefahr. Sichert euch dann vorher ab, dass ausreichend Toilettenpapier vorhanden ist und feuchtet es für eine leichtere Reinigung mit den mitgebrachten Tüchern an.

 

Im Vergleich zu Tampons und handelsübliche Binden sind Menstruationstassen (ähnlich wie Menstruationsschwämme oder Stoffbinden) leider immer noch ein Nischenprodukt. Eine Aktion von Monki könnte das womöglich ändern: So hat sich die Modekette mit Lunette, einem Hersteller für Menstruationstassen, zusammengetan, um ab Mitte Juli eine besondere Edition der Becher in die Läden zu bringen. 5000 Menstruationstassen sollen in diesem Zug außerdem für das Charity-Projekt The Cup gespendet werden, das es sich zum Ziel gesetzt hat, jungen Frauen mit der Aufklärung über und der Versorgung mit Menstruationsbechern zu mehr Empowerment zu verhelfen. Eine richtig gute Sache. Oder was meint ihr?

Eure IVA


© Foto: David Pereiras/AdobeStock