Omis Kuchen im Briefkasten
20
Jun

Omis Kuchen im Briefkasten

Bei Kuchentratsch backen Münchner Rentner*innen für euch.

Der Duft von frischem Marmorkuchen und Filterkaffee liegt in der Luft. Auf dem Tisch steht eine Schüssel Schlagsahne, neben den Tellern liegen gestärkte Stoffservierten. Kaum etwas ist so gemütlich wie ein Kaffeekränzchen bei Oma und Opa! Doch nicht alle von uns haben das Glück, noch Großeltern zu haben – oder solche, die regelmäßig zum Zusammensitzen bei sich zu Hause einladen (können). Selbstgebackenen Kuchen wie von Oma oder Opa können wir trotzdem genießen. Bei dem Unternehmen Kuchentratsch backen Münchner Senior*innen gemeinsam nach alten, bewährten Rezepten. Ob Käsekuchen, Nussecken oder Apfelstreuselkuchen: Es gibt so ziemlich alles, was auch bei einem echten Kaffeekränzchen mit den Großeltern auf uns warten könnte. Kuchenfreund*innen wie ich können die Backwaren in verschiedenen Cafés in München kosten, sie selbst abholen, sich innerhalb der Stadt gegen eine Liefergebühr liefern oder sich eine Auswahl inzwischen auch deutschlandweit per Post nach Hause schicken lassen.

Mmmmmmmhhh, echt lecker! Oma Irmgard hat wieder Karottenkuchen gebacken.

Geht das Konzept auf?

Um das Angebot für euch zu testen, hat mich Kuchentratsch den Karottenkuchen von Oma Irmgard probieren lassen. Und abgesehen davon, dass er mit echten Streublumen als Deko superschön aussah: Er war auch superlecker! Süß! Saftig! Und mit wirklich großzügiger Zitronenglasur, wie meine eigene Oma sie immer gemacht hat. Eine kleine, hübsch designte Karte mit Foto und Steckbrief von Oma Irmgard hat das Ganze für mich noch sympathischer gemacht. Ich gestehe: Ich bin Fan – deshalb wollte ich direkt mehr wissen. Wer steckt hinter dem Unternehmen? Und was bringt die mitwirkenden Rentner*innen dazu, ihre bewährten Kuchen für Fremde zu backen?

Drei Fragen an Katharina Meyer, eine der zwei Gründerinnen von Kuchentratsch:

In eurem Unternehmen kreist alles um ganz persönlich hergestellte Backwaren. Welche Kindheitserinnerung oder welches schöne Erlebnis verbindest du mit Kuchen?
Katharina Mayer: "Kuchen von Oma gab es immer zum Geburtstag – das gehörte einfach dazu. Am liebsten mag ich den perfekten versunkenen Apfelkuchen und Eierlikörkuchen von meiner Oma. Sie hat immer so viel gebacken, dass man die Riesenmenge gar nicht schaffen konnte. Die restlichen Stückchen wurden dann immer in die Tüte gepackt und mitgenommen. Kastenkuchen haben wir auf einem Teller schon vorgeschnitten als Häppchen bekommen. Auch als ich mal im Krankenhaus lag, hat sie mir Kuchen mitgebracht."

Bei euch backen ausschließlich Rentner*innen – bietet Kuchentratsch damit auch ein Rezept gegen Altersarmut und Einsamkeit?
"Geld ist wahrscheinlich die geringste Motivation: Die Omas und Opas schätzen es, bei uns einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen, neue Kontakte zu knüpfen, eine feste Struktur im Alltag zu haben. Sie wissen: 'Jeden Montag gehe ich zu Kuchentratsch!'. Die meisten suchen nach einer neuen Herausforderung und Bestätigung – so eine Backschicht ist auch körperlich fordernd. Am Ende ist man stolz auf sich. Außerdem erleben sie wieder etwas Neues und haben zum Beispiel auch neue Themen, über die sie unter anderem mit ihren Enkeln sprechen können."

Gibt es eine Oma, die mit einer besonders rührenden Geschichte zu euch gestoßen ist?
"Oma Irmgard ist mit Mitte 70 nach München gezogen, um näher bei ihrer Familie zu sein – hatte dafür aber noch keinen Freundeskreis in der neuen Umgebung. Durch Kuchentratsch hat sie neue Freunde hier gefunden. Eine andere Oma sagt: 'Kuchentratsch ist meine Therapie'. Nachdem sie durch ihren Schichtdienst und die damit verbundenen extremen Arbeitszeiten in eine Depression schlitterte, geht sie als Frührentnerin bei Kuchentratsch nur noch den Dingen nach, die ihr Spaß machen – und zwar meist erst nach 10. 'Das ist meine Zeit!', sagt sie."

Eure IVA


© Fotos: Kuchentratsch