Valentinstag, geh mir weg!
12
Feb

Valentinstag, geh mir weg!

Warum ich keinen 14. Februar zum Feiern brauche.

Als ich das erste Mal Blumen zum Valentinstag geschenkt bekam, war ich 16. Aber ich muss mich korrigieren: Es handelte sich dabei um eine Blume. Singular. Typ: fette, langstielige rote Rose. Überbringer: mein Vater.

Er hatte das Teil aus dem Briefkasten unserer Einfahrt gefischt – samt einer Eau de Toilette geschwängerter Diddl-Karte, mit der er grinsend vor meiner Nase herum wedelte. CK One. Was im Fall der Karte definitiv das falsche Parfum vom falschen Kerl war. Mein Schwarm trug Armani! Die Blume vertrocknete unbeachtet in unserem Hausflur.

Seitdem gab es keine langstieligen roten Rosen mehr für mich. Und ganz ehrlich? Gut so! Ich bin allgemein kein Fan von Schnittblumen. Pflanzen, die dafür gezüchtet werden, dass sie ihr Leben als wöchentlich wechselnde Wohnungsdekoration aushauchen? Finde ich absurd. Stattdessen zaubert mir ein kleiner grüner Kaktus ein Lächeln ins Gesicht. Bevorzugt nicht zum Valentinstag, denn – ihr ahnt es schon (ich bin heute der Grinch): Auch mit dem Valentinstag kann ich nichts anfangen. Nada.

Kein Bedarf an Schleifchen

Um die Liebe in Freundschaften oder Beziehungen zu feiern, brauche ich kein pinkes Schleifchen um meine Lieblingsschokolade. Ich brauche keine Reservierung im Sternerestaurant, kein Armband mit graviertem Herzanhänger, keinen Kurztrip nach Paris oder was man nach Meinung der Konsumexpert*innen da draußen sonst noch so gut finden könnte – als Frau, die offenbar sehnsüchtig darauf wartet, einmal im Jahr mit Süßigkeiten, Bling-Bling und Einladungen überhäuft zu werden. Sind wir wieder in den 50ern?!

Ich brauche keinen Valentinstag, einen Anti-Valentinstag genauso wenig. Juckt mich einfach nicht. Aber ich gestehe, dass ich es amüsant finde, welcher Wirbel Jahr für Jahr darum gemacht wird. Wie der Valentinstag am Ende doch nur eine weitere günstige Gelegenheit für Rabattaktionen ist. Und welche abstrusen Aktionen sich Versandhäuser und Co. zu dem Anlass ausdenken.

Selbst Zoos wollen mittlerweile mitmischen. Um die Welt ging dieses Jahr der Anti-Valentinstag-Aufruf des texanischen El Paso Tierparks. "Schickt uns die Namen eurer Verflossenen und wir benennen jeweils eine Kakerlake nach ihnen", warb der US-Zoo bei Facebook. In einer Live-Schalte am 14. Februar könne man dann weltweit dabei sein, wie die Ex-Kakerlaken an die Erdmännchen verfüttert werden.

Schluss jetzt!

Ähnlich nett ist die Schlussmach-Aktion des Hamburg Dungeon, einer laufenden Gruselveranstaltung in der Speicherstadt. "Zur Hölle mit deinem Partner", heißt es dort. Wer sich nicht traue, die eigene, mies laufende Beziehung zu beenden, könne diesen undankbaren Job anlässlich des Valentinstags abgeben. "Erzähl uns die Leidensgeschichte deiner Beziehung und melde dich bei uns an."

Auch im Berlin Dungeon kann der Schlussmach-Service zwischen dem 14. und 17.2. in Anspruch genommen werden. "Ob spöttischer Hofnarr, skrupelloser Folterknecht oder zynischer Richter - es findet sich ganz sicher eine Gestalt aus der 'schlechten alten Zeit', der deiner Beziehung gern ein Ende bereitet", so das Versprechen. Ich hoffe eher, es findet sich niemand, der ernsthaft diesen Weg des Schlussmachens wählt ...

Liebst,
Eure IVA


© Foto: Unsplash/Wyron A