Auf der Suche nach dem Glück

Die Buchautoren Christiane Hagn und Christoph Koch suchten getrennt voneinander das Glück. Wir wollten wissen: Wie wird man in seinem Leben endlich richtig zufrieden?

Interview: Andrea Hacke

Die Dosis macht das Gift? Nicht, wenn es um das tägliche Glück im Leben geht.

Die Autorin weiß nun, dass das Glück sogar in ihrer Wohnung zu finden ist

Christiane Hagn, Sie haben 20 Versuche gemacht, das Glück zu finden. Was hat Sie angetrieben?

Vor dem Buch habe ich gemerkt, dass ich nicht besonders glücklich war, konnte mir aber nicht erklären, warum. Dann habe ich Freunde gefragt und merkte, das bringt alle mehr in Verlegenheit als die Frage: Mit wem hast du letzte Nacht geschlafen? Zahlreiche Ratgeber und jede Wellnessbehandlung versprechen einem heute das große Glück - aber keiner scheint es mehr zu spüren. Also bin ich es suchen gegangen.

Sie testeten unter anderem das Heilfasten, sind zwischendurch aufs Land gezogen und haben auf einem Festival sieben Stunden durchgetanzt. Wann war das Glück am meisten spürbar?

Das war nach dem Base-Flying, dem freien Fall vom höchsten Dach Berlins am Alexanderplatz. Natürlich hält einen am Ende ein Seil. Diese Adrenalinausschüttung hat noch drei Tage angehalten. Jedes Mal, wenn ich heute da vorbeigehe, denke ich: Was soll mir denn noch passieren? Ich bin da runtergesprungen!

Ihr Klosterbesuch, bei dem Sie schweigen mussten und es höchstens ein Käsebrot zu essen gab, führte ja eher zu einem Stimmungstief...

Aber genau diese Erfahrung war wichtig! Nach dem Klosterbesuch ist mir erst aufgefallen, wie toll es ist, in einem bequemen Bett zu schlafen oder sich um die Ecke eine Pizza kaufen zu können.

Glauben Sie, jeder kann das Glück finden?

Glück ist eine Frage der Einstellung. Als Fazit kann ich sagen: Jede neue Erfahrung hat mich glücklich gemacht, jede Überwindung und jede Art von Bewegung. Mir war es wichtig, dass meine Versuche im Buch finanziell und zeitlich für jeden umsetzbar sind. Sicher macht es glücklich, auf den Malediven am Strand zu liegen, aber wer kann das denn bezahlen?

Auch wenn es angeblich auf dem Rücken der Pferde liegt - DAS Glückssymbol schlechthin ist das Schwein

Der Philosoph Albert Camus glaubte, um glücklich zu sein, dürfe man sich nicht zu sehr mit den Mitmenschen beschäftigen. Dagegen sagt der Autor Eckart von Hirschhausen: "Glück ist wie Kitzeln. Das kann man nicht allein machen." Wer hat recht?

Das Glück darf niemanden von anderen Menschen abhängig machen. Insofern halte ich es eher mit Camus. Menschen und Kommunikation können das persönliche Glück höchstens steigern.

Finden viele vielleicht gar nicht das Glück, da ihre Erwartungen zu hoch sind?

Niedrige Erwartungen sind super, um nicht enttäuscht zu werden. Aber dann kann man auch gleich aufhören zu leben. Nein, jeder braucht Träume. Sie müssen nur realisierbar sein.

Glauben Sie, dass Männer das Glück schneller finden, weil sie mehr als Frauen im Moment leben?

Das kann gut sein. Frauen haben immer so viel im Kopf und denken meist schon drei Schritte weiter. Das ist ja oft richtig, aber es besteht dann die Gefahr, das Schöne zu übersehen. Ab und zu mal innezuhalten, macht einen viel zufriedener. Und das geht ganz leicht.


Der Autor hüpft gern durch die Gegend, wenn er das Glück spüren will

Christoph Koch, Sie nennen in Ihrem Buch immer wieder kleine Glücksmomente, zum Beispiel: "Abends in ein Bett zu steigen und vergessen haben, dass man es morgens frisch bezogen hat."

Ich habe mich in dem Jahr des Experiments dazu angehalten, Momente bewusst zu genießen. Glücklich sein, das muss man auch wollen und sich die Zeit dafür nehmen.

Viele Menschen haben Familie, einen guten Beruf, vielleicht noch ein erfüllendes Hobby und sind trotzdem nicht glücklich. Woran liegt das?

Das hat mehrere Gründe: Zum einen neigen wir dazu, uns immer nach oben zu vergleichen. Statt zu sehen, dass wir mehr Freizeit haben als der Nachbar, sagen wir: Der hat das größere Auto und ist schon wieder nach New York geflogen. Zum anderen gewöhnen wir uns zu schnell an schöne Dinge. Wer von einer WG-Kammer in eine große Wohnung zieht, empfindet das neue Reich wie einen Palast. Aber nach einem Jahr fühlt sich die Wohnung gar nicht mehr so groß an.

Was würden Sie jemandem empfehlen, der oft unglücklich ist?

Sehr einfach ist es, ein Dankbarkeits-Tagebuch zu schreiben. Klingt schrecklich, ist aber effektiv. In das Buch notiert man jeden Abend drei Dinge, die an dem Tag besonders schön waren oder wofür man dankbar ist. Der Schwerpunkt liegt dann abends nicht mehr auf dem Gedanken: Was muss ich morgen noch alles erledigen?

Sie nennen in Ihrem Buch den netten Aspekt, dass das Glück übers Geben entsteht.

Ja, ich bin während der Glückssuche einen Nachmittag pro Woche ehrenamtlich in ein Seniorenheim gegangen. Erst habe ich gedacht: Was halst du dir da auf? Aber schon nach den ersten Besuchen fand ich es großartig, mit den Senioren spazieren zu gehen oder zu reden. Wenn dir dann ein älterer Herr erzählt, wie froh er sei, dass du ihn besuchst, das ist doch umwerfend! Das macht dauerhafter glücklich als ein Paar neue Schuhe - deshalb mache ich die Besuche auch weiterhin, obwohl das Buch längst fertig ist.

Herr Rossi hat das Glück gesucht, dieses Ferkel wurde offenbar fündig. Zumindest sieht es ausgeruht recht glücklich aus.

Da Sie sagen, Geld mache nicht auf Dauer glücklich: Sind Karrieredenker auf dem Weg ins Unglück?

Wer denkt, er brauche die Beförderung und noch mehr Geld, um endlich, endlich glücklich zu sein, ist auf dem Holzweg. An Geld gewöhnt man sich schnell, und es wird immer jemanden geben, der mehr hat.

Sie empfehlen ja: Wer glücklich sein will, soll durch die Straßen hüpfen!

Das funktioniert tatsächlich. Ich habe aus der Not heraus mit dem Hüpfen angefangen, weil ich mir damals Sorgen um meine Steuerprüfung gemacht habe. Man kann einfach nicht durch die Gegend hopsen und dabei schlechte Laune haben! Da war es mir egal, ob die Leute mich komisch ansehen oder mich mit ihrem Handy fotografieren. Ich musste ja selbst lachen, weil es so kindisch ist.

Sind Frauen schwerer glücklich zu machen?

Ich weiß, dass Frauen häufiger von Depressionen betroffen sind. Im positiven Bereich gibt es da keinen Unterschied, obwohl die Männer öfter zum Karrieredenken neigen. In vielen Beziehungen sind es die Frauen, die sich um das soziale Umfeld kümmern, was eben viel glücklicher macht. Ich glaube, auch deshalb sind Männer ganz gern verheiratet.

Buchtipp

Christoph Koch, 37, hat ein kluges Plädoyer dafür geschrieben, sich im Leben auf das Wesentliche zu besinnen: "Sternhagelglücklich" ist bei Blanvalet erschienen und kostet 14,99 Euro.

Buchtipp

Christiane Hagn, 31, erzählt mit Humor 20 persönliche Geschichten über die Suche nach dem Glück. "Glück to go" ist im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen und kostet 12,95 Euro.


© Fotolia; Moritz Thau; Urban Zintel; PR | aus der "LAVIVA"-Ausgabe Juli 2012


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