Bauchladen der Peinlichkeit

Eigentlich soll ein Junggesellinnen-Abschied der letzte tolle Abend in Freiheit sein. Stattdessen wird daraus häufig eine qualvolle Veranstaltung.

Stefanie Luxat

 

Tanja kann erst abends, nachmittags hat sie doch immer Yoga. Elke muss alle drei Stunden ihr Baby stillen, also bitte nicht so weit weg von ihrer Wohnung treffen, und, och nee, echt jetzt, bitte nicht zum Griechen, mault Jule, seit zwei Wochen Vegetarierin. Dass Junggesellinnenabschiede überhaupt zustandekommen, diverse Frauen es schaffen, sich auf den gemeinsamen Event zu einigen, ist Wunder Nummer eins.

Dass nicht jede Frau, die gefragt wird, ob sie Trauzeugin sein möchte und damit die Verantwortung für diesen Event und viele andere Pflichten trägt, schreiend davonrennt - Wunder Nummer zwei. Und dass sich die zukünftigen Bräute, darunter Frauen in Top-Positionen mit Grips und starker eigener Meinung, heute immer noch Bauchläden umbinden lassen, um mit dem Verkauf von Dildos, Kondomen und dem Küssen fremder Männer auf Partymeilen Geld zum Abend beizusteuern - richtig, das ist dann Wunder Nummer drei. Oh doch, es gibt sie immer noch zuhauf, die Junggesellinnenabschiede, bei denen die Freundinnen der Braut anscheinend denken: je peinlicher, desto lustiger.

Anjas längster Tag

Antjes Junggesellinnenabschied begann mit einer weißen Stretchlimousine vor ihrer Haustür. Und endete im Bunny-Kostüm und mit Verkaufstresen voller Nudeln in eindeutiger Form. Antje ist Gymnasiallehrerin. Das Fremdschämen stand ihr leider irgendwann ins Gesicht geschrieben. Dabei hatte es auch sehr schöne Elemente an dem Tag gegeben, den ihre Freundinnen so vollgestopft hatten mit Ereignissen, als gäbe es kein Morgen.

Die schönste Stunde war die, als sie mit ihren Mädels in einer Kochschule ein gemeinsames Mittagessen zubereitet hatte und sie anschließend einfach nur entspannt gequatscht und gemeinsam gelacht hatten. Schade nur, dass am Ende der Koch zu strippen anfing und mit Nussöl eingeschmiert werden wollte. Nur wenige Trauzeuginnen schaffen es, sich zu überlegen, was der Braut Spaß (!) machen würde, und Ideen, bei der die Braut leiden soll, gleich im Keim zu ersticken.

Hinzu kommt ein seltenes Phänomen, von dem man bei Männern nie hört. Der Mich-liebt-sie-am-meisten-Trieb, der bei solchen Events gern ausbricht. Freundin A. wollte so gern Trauzeugin werden, es wurde aber leider Freundin B., weshalb Freundin A. grundsätzlich gegen alles ist, was Freundin B. vorschlägt. Hinzu kommt, dass auch Freundin C. bisher dachte, die beste Freundin der Braut zu sein, usw. Wer so etwas nicht erleben möchte (aber befürchtet), spricht die Trauzeugen am besten im Vorfeld an und sagt ehrlich, was der eigene persönliche Horror wäre und worüber man sich freuen würde.


© Fotolia | aus der "LAVIVA"-Ausgabe März 2013


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