Buchtipps: Spa für den Kopf

Nachdem wir uns an den vielen Feiertagen um unsere Lieben gekümmert haben, braucht unser Kopf und Körper wieder etwas mehr Aufmerksamkeit. Die Online-Redaktion empfiehlt Lektüre, die die Fantasie weckt und uns inspiriert ins neue Jahr starten lässt.

Lieblingsbücher der Online-Redaktion

Neues Lesefutter gefällig? Das sind die Lieblingsbücher der LAVIVA-Online-Redaktion

"Girl on the Train" von Paula Hawkins

Also ich fahre neuerdings lieber mit dem Rad zur Arbeit als mit der Bahn. Der Grund? Ich muss dabei jedes Mal an Rachel denken, die Hauptfigur aus "The Girl on the Train". Die Alkoholikerin beobachtet aus dem Zugfenster ein Verbrechen und fängt an, auf eigene Faust zu ermitteln. Die Suche nach dem Täter führt sie zurück in ihre Vergangenheit – als sie noch einen guten Job, ein Haus mit Garten und einen (scheinbar) liebevollen Ehemann hatte … Ich war überrascht, wie gut ich mich beim Lesen in Rachels kranke Psyche einfühlen konnte. Seitdem werde ich den Gedanken nicht los, dass auch ich – jedenfalls unter gewissen Umständen – zu einer Frau wie sie werden könnte. Ihre Geschichte zeigt: Das Leben ist ein Drahtseilakt, jeder von uns kann jederzeit abstürzen. Ziemlich beängstigend. (Corinna Ophüls)

Paula Hawkins, "Girl on the Train", Blanvalet, 12,99 Euro


"Das smaragdene Licht in der Luft" von Donald Antrim

Tief eintauchen in eine andere Welt: Mit einem Buch schaffe ich mir eine kleine Auszeit vom Alltag. "Das smaragdene Licht in der Luft" von Donald Antrim nimmt mich an die Hand und führt mich in die Großstadtwelt von New York City – und zwar ohne Umschweife, hinein in das Leben von Jim, Billy, Stephen & Co. 

Der schmale Band versammelt sieben Geschichten, die alle bereits vorab im Magazin "The New Yorker" erschienen sind. Doch wer gefällige kurze Storys erwartet, wird enttäuscht. Im Gegenteil: "Das smaragdene Licht in der Luft" ist nicht lieblich-schimmernd, wie der Titel es vielleicht vermuten lässt. Die Protagonisten sind allesamt krank, sie brauchen mehr als drei Drinks, um sich zu entspannen, nehmen Lithium und Valium, lassen sich mit Elektroschocks behandeln oder leiden an Psychosen.

Das kommt nicht von ungefähr: Bevor die kleinen Geschichten entstanden sind, hat sich Autor Donald Antrim selbst in einer Psychiatrie behandeln lassen müssen. Diagnose: Depression, Selbstmordgefahr. Angeblich haben ihm Elektroschocks mehrfach das Leben gerettet. So wird die Sammlung zum Dokument seiner Erkrankung – und ich als Leser leide mit. Ich leide mit Stephen, allein in einer Bar, und leide mit Jim aus der Story "Noch ein Manhattan". Jim ist gefangen in einer absurden Vier-Ecks-Beziehung: Seine Frau Kate hat eine Affäre mit Elliott, dessen Frau Susan wiederum die Ex-Geliebte von Jim ist. Doppelte Schmach für Jim: Er leidet an Depressionen, die sich in zwanghaftem Konsumverhalten äußern. Seine Frau muss die Rechnungen begleichen, ihr Geliebter Elliott ist Psychiater. Um seiner Gattin Kate ein Lächeln abzuringen, kauft er ihr einen gigantischen Blumenstrauß, doch seine Kreditkarte streikt – Susan muss am Telefon der Verkäuferin ihre Kreditkarten-Nummer durchgeben. Jim versteckt sich im Blumengeschäft beschämt hinter einem Ficus – und ich möchte mich am liebsten mit ihm verstecken. Oder peinlich berührt wegschauen. Jims Situation ist ein Alptraum. Das Buch zuklappen? Oder weiterlesen und hoffen, das Jim noch zu seinem Glück findet? Zurück zu seiner Frau? Mit den Blumen? Ich lese weiter: Am Ende landet Jim im Krankenhaus, die Schwester verabreicht ihm ein Medikament zur Beruhigung. Auch das ist ein gutes Ende, ein Hoffnungsschimmer für mich und Jim: Vielleicht wird jetzt alles besser. 

Denn mit dem Band "Das smaragdene Licht in der Luft" schließt sich auch für den Autor Antrim ein Kreis: Die Geschichten erzählen nicht nur von Psychosen, Panik-Attacken und Depressionen, sondern sind auch Zeugnis von Genesung, Hoffnung, Weitermachen. (Antje Tiefenthaler)

Donald Antrim, "Das smaragdene Licht in der Luft", Rowohlt, 18,95 Euro


"Der Alte, der die Rache liebte" von Daniel Friedmann

Der Knüppel als bester Freund: Buck Schatz ist der fleischgewordener Albtraum jeder Dienstaufsicht. Verdächtigen schießt der Bulle aus Memphis schon mal ins Bein, Ganoven gleich das halbe Gesicht weg. Dumm nur, dass mit 88 Jahren der eigene Körper nicht mehr ganz so mitspielen will. Schatz, längst pensioniert, liegt nach einer Schussverletzung im Altersheim und wartet auf den Todesengel.

Nach einer Dekade, die uns feinfühlige Ermittler mit nagenden Selbstzweifeln brachte, holt Krimiautor Daniel Friedman den hard-boiled detective zurück zwischen die Buchdeckel. Zugegeben, der Kniff ist nicht neu: Die Sehnsucht nach der 'guten, alten Zeit' ist gerade mächtig in und der Ruf nach 'echten Männern' laut. All das hätte leicht in eine peinliche Abfeierei von Männerklischees und Polizeigewalt münden können. Friedmann begegnet der Gefahr, indem er in die Vollen geht – und Schatz‘ fast schon parodistisches Machogehabe dem Verfall seines männlich-virilen Körpers gegenüberstellt. Immer wieder wechselt die Handlung zwischen 1965 und 2009 hin- und her, verbunden durch den mysteriösen Eliah und einen Bankraub aus grauer Vorzeit.

Aus der Masse hervor sticht das Buch aber durch seine Art, gesellschaftliche Themen wie Altersgebrechen, Rassenunruhen, soziale Ungerechtigkeit und Judenhass anzugehen, ohne das Gefühl zu bekommen, die Romanadaption eines mittelklassigen "Tatorts" vor sich zu haben. Fazit: Leseempfehlung für alle Hartgesottenen, die sich nicht schütteln, wenn das Testosteron in Sturzbächen von den Seiten rinnt.

PS: Der Roman ist der zweite Teil einer Serie, kann aber ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Teil eins heißt "Der Alte, dem die Kugeln nichts anhaben konnten". (Jens Wiesner)

Daniel Friedmann, "Der Alte, der die Rache liebte", Aufbau Verlag, 17,99 Euro


"Durchs wilde Kurdistan" von Karl May

Neulich an einem verregneten Sonntagmorgen bei einem beiläufigen Gang über den Flohmarkt sah ich es in den Händen eines Kunden: der Rücken aus Leder, die Schrift vergoldet und fremdartig. Ich erkannte es sofort: ein alter "Karl May", eine Ausgabe aus den 1930er-Jahren. "Durchs wilde Kurdistan", sagte der Händler, weil der Kunde die Sütterlinschrift nicht lesen konnte. Damals im Alter von 12 oder 13 fiel mir das anfangs auch schwer, aber weil der Inhalt so spannend war, dauerte es keine 50 Seiten und ich war mitten drin im wilden Kurdistan!

Aber nicht nur die Schrift und der Inhalt waren in meiner Kindheit vor fast einem halben Jahrhundert besonders. Auch die Umstände, die mich zum Winnetou-Fan machten, waren es. Obwohl der Autor in Radebeul, Sachsen, geboren war, durften die DDR-Kinder ihn nicht lesen. Er wurde nicht gedruckt, der Besitz seiner Bücher war verboten. Beim Nachbarn und Freund meines Vaters stand aber eine vollständige Ausgabe der Werke von Karl May in einem wunderschönen Bücherschrank mit zwei großen Glastüren – in der zweiten Reihe hinter den Büchern von Marx, Engels, Lenin etc. Ich spüre noch immer die sprichwörtlich "gemischten Gefühlen", wenn ich zu ihm kam, er den Karl May "freilegte" und ich mir den nächsten Band aussuchen durfte … "Aber denk dran: niemandem etwas sagen!" Wie schwer das war und gleichzeitig wie aufregend. Das Verschwörerische kam zum abenteuerlichen Inhalt noch obendrauf.

Wie würde sich für mich ein Karl May denn heute lesen, fragte ich mich. Sind Sprache und Inhalt noch zeitgemäß? Das Flohmarkt-Exemplar habe ich nicht erworben. Die Gebrauchsspuren und der Liebhaberpreis passten nicht zusammen. Es wird doch sicher frischere Karl-Mays geben, war mein Gedanke. Im Angebot des Karl May Verlages habe ich alles gefunden, was ich früher verschlungen habe –nachts mit der Taschenlampe unter der Bettdecke und tagsüber in der Toilette verschanzt. Besonders effizient waren die Wochen mit Masern, Keuchhusten und Nierenbeckenentzündung. Aber im Versteck unseres Nachbarn fehlte einiges von dem Werk dieses mit grenzenloser Fantasie und großem erzählerischem Talent ausgestatteten Autoren. 

Seine Sprache klingt ein bisschen so, wie ich sie von den Winnetou-Filmen, die ich dann als Mittzwanzigerin mit Erlaubnis des Politbüros sehen durfte, noch im Ohr habe. Einfach zauberhaft. Mein Favorit für die Weihnachtstage bleibt "Durchs wilde Kurdistan", auch wenn es nicht in Sütterlin gedruckt ist. (Petra Preschner)

Karl May, "Duchs wilde Kurdistan", Karl May Verlag, 19,90 Euro


"Die Luna-Chroniken" von Marissa Meyer

Wenn ich jetzt, im Nachhinein, an die Geschichte der Luna-Chroniken denke ist es, als ob ich sie in einem Film gesehen hätte. Gestochen scharf sind die Bilder zu dem Gelesenen in meinem Kopf. Von Anfang bis Ende zeichnet Marissa Meyer mit ihren Worten eine einmalige Zukunftswelt aufs Papier. Durch ihren fesselnden Schreibstil ist es ein Leichtes, in dieses fantastische Universum zwischen Mond und Erde einzutauschen und mit dem Cyborg-Mädchen Cinder in ihrem Kampf gegen die Herrscherin Luna mit zu fiebern. (Alina Sawallisch)

Marissa Meyer, "Die Luna-Chroniken", Carlsen, Band je ab 18,90 Euro


"Shantaram" von Gregory Roberts

Können Sie sich einen Ort ausmalen, der so anders ist, dass er sich in einer fernen Welt befinden könnte? Ich habe als Kind einer solchen Fantasiewelt den Namen Indien gegeben, denn ich stellte mir vor, dass der Alltag in Südasien nicht unterschiedlicher zu meiner Gegenwart sein könnte. Als mir 2008 das Buch "Shantaram" in die Hände fällt, ist meine Neugier auf ein Abenteuer in Indien, basierend auf realen Erlebnissen des Autors, größer, als der Respekt vor dem 1088 Seiten starken Werk – dicke Bücher schrecken mich für gewöhnlich ab. 

Also folgte ich dem verurteilten Bankräuber Gregory David Roberts bei seiner Flucht aus dem australischen Gefängnis ins monströse Bombay. Ich lese von seiner Faszination für dieses fremde Leben und zwischen den Zeilen von dem Wunsch anzukommen. Roberts beschließt zu bleiben, lernt mystische Menschen kennen, findet einen Freund und bekommt einen neuen Namen, Shantaram. Der kriminelle "Mann des Friedens" wird eins mit der exotischen Metropole, mit dem Slum, in dem er lebt und sich für die Kranken stark macht. Dann begegnet er einer gefährlichen Liebe. Zu diesem Zeitpunkt ist das Buch erst zu einem Drittel gelesen. Shantaram ist noch lange nicht angekommen. 

Jedes Mal, wenn ich das Buch zuklappte, brauchte ich eine kleine Weile um im Hier und Jetzt zu landen. 2017 soll es endlich verfilmt werden. Johnny Depp hat sich die Rechte für das Buch schon lange gesichert. Für die Hauptrolle wird Joel Edgerton als heißer Kandidat gehandelt. Ich bin gespannt, wie es wird, wenn ich ein zweites Mal in die Abenteuerwelt von Indien reise – nicht mehr über gedruckte Buchstaben, sondern auf der Leinwand. (Nora Tarasjanz)

Gregory Roberts, "Shantaram", Goldmann, 9,95 Euro


© Fotos: PR


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