Bücher vom Leben

Diese fünf Bücher mit verrückten, traurigen, schönen, komischen Lebensgeschichten haben es uns besonders angetan.

Der Umbruch: Es ist nicht unbedingt schlecht, wenn sich im eigenen Leben plötzlich alles verändert

Buchtipp

DIE WANDLUNG EINES MENSCHEN

Daniel Glattauer: "Geschenkt" 336 S., Deuticke, 19,90 Euro

Gerold Plassek ist Mitte 40 und erfolgloser Journalist bei einem Gratisblättchen. Er hat eine kaputte Ehe hinter sich und kein Geld – aber das macht ihm alles nichts aus. Und falls doch, dann geht er in seine Lieblingskneipe und trinkt, bis er wieder vergisst, dass es ihm etwas ausmacht. Kurz: Gerold Plassek ist der geborene Verlierertyp, hat sich damit aber gut arrangiert. Doch dann passieren mehrere Dinge, die ihn aus diesem Arrangement aufschrecken. Erstens ruft plötzlich eine alte Flamme an und erzählt Gerold, dass er einen mittlerweile 14-jährigen Sohn habe und sich bitte für mehrere Monate um diesen Sohn kümmern solle – ohne dem Jungen zu sagen, dass er sein Vater ist. Plassek ist viel zu geschockt, um sich zu wehren, und sagt zu. Zweitens hat er auf einmal Probleme im Büro. Bisher konnte er ungestört Meldungen über soziale Einrichtungen schreiben, die ohnehin niemand las. Plötzlich bekommen jedoch alle Einrichtungen, über die er schreibt, einen Briefumschlag mit einer Geldspende über jeweils 10 000 Euro. Das erregt in der ganzen Stadt Aufsehen und Plassek ist nun berühmt, was ihm ganz und gar nicht passt. Er versucht also, gleichzeitig seinen Sohn kennenzulernen (was sich erst sehr schwierig gestaltet, weil sich Vater und Sohn nicht ausstehen können) und nebenbei das Rätsel der Spenden zu lösen. Je länger diese Jagd nach dem unbekannten Wohltäter dauert, desto mehr und desto positiver verändert Plassek sich. Als die Spendenserie schließlich aufhört, hat sie nicht nur vielen sozialen Einrichtungen geholfen, sondern vor allem Plassek selbst. Zugegeben, diese Geschichte ist nicht neu, man kennt den realen Fall mit den anonymen Spenden noch aus Braun- schweig vor zwei Jahren. Vieles ahnt der Leser
voraus, und spätestens nach der Hälfte des Buches errät jeder, wer der große Wohltäter ist. Doch wie das alles geschieht, das ist so schön aufgeschrieben, so bitterböse, tieftraurig und witzig zugleich, dass ich nicht aufhören konnte zu lesen. Eine wunderbare Geschichte!

Sophie Lübbert, 28, Leben-Redakteurin

Buchtipp

STARK BLEIBEN, IMMER!

Courtney Collins: "Unbändig" 320 S., Droemer, 14,99 Euro

Australien 1921: Eine Farm steht in Flammen und eine Frau flieht blutverschmiert bei strömendem Regen in die Berge. Jessie hat ihren gewalttätigen Mann erschlagen, ihr kleines, von Geburt an sehr schwaches Kind getötet und dieses später im Wald beerdigt. Sie wollte das Kind nicht mitnehmen – es hätte die Flucht sicher nicht überlebt. Jessie rennt um ihr Leben, auf sie ist ein Kopfgeld ausgesetzt und mehrfach entrinnt sie nur knapp dem Tod. Der Leser blickt mit ihr auf ihr Leben zurück als Zirkusreiterin, Viehdiebin und Gefängnisinsassin – bis zur Ausnahmesituation heute. Sie hatte einen Geliebten, den Aborigine Jack, der ihr als Fährtenleser durch die Wildnis folgt. – Courtney Collins erster Roman erzählt von Freiheit,
Unabhängigkeit und dem Frausein an sich. Das Buch ist unglaublich intensiv und arbeitet in einem nach. Und es erinnert einen daran, nie den Mut zu verlieren.

Diana Gullotto, 44, Mode-Redakteurin

Buchtipp

DER TOD IST NICHT DAS ENDE

Regine Schneider: "Paul ist tot. Witwengeschichten" 238 S., Osburg, 19,99 Euro
Ich lese gern sachliche Bücher. Deswegen war dieses hier genau richtig für mich. Es ist in einem neutralen Stil geschrieben, obwohl es von einem emotionalen und sehr traurigen Thema erzählt: dem Tod. Alle Kurzgeschichten handeln vom Sterben des eigenen Mannes und was dieses Erlebnis mit der hinterbliebenen Ehefrau macht. Manchmal war es eine Tragödie, manchmal eine Befreiung. Eine Frau ging danach ins Ausland, eine andere erholte sich auf einer Kreuzfahrt. Mir hat der Wunsch eines Mannes gefallen, vor seinem Tod noch mal all seine Freunde zu sich einzuladen. Diese Geschichten sind interessant und berührend, deshalb würde ich das Buch wirklich jeder Frau empfehlen. Irgendwann muss sich schließlich jeder einmal mit dem Tod beschäftigen – am besten genau so.

Helga Ahrens, 74, LAVIVA-Leserin und Rentnerin

Buchtipp

ZUVIEL DER ZUNEIGUNG

Judith Hermann:  "Aller Liebe Anfang" 224 S., Fischer, 19,99 Euro

Stella lebt mit ihrer Tochter Ava und Mann Jason in einem Vorstadtviertel ein typisches, eher unspannendes Ein-Kind-Familien- leben. Bis eines Tages ein unbekannter Mann an der Pforte klingelt und Stella um ein Gespräch bittet. Sie lehnt durch die Sprechanlage ab und von nun an beginnt – ja was? Eine Dauer-Beobachtung, Verfolgung, Terror! Mister Pfister, so nennt die Autorin den Stalker, kommt beharrlich immer wieder zu Stellas Haus, klingelt, legt ihr Zettelchen in den Briefkasten, verhält sich dabei aber zurückhaltend höflich. Stella weiß nicht damit umzugehen, und statt sich mit dem Mann direkt auseinanderzusetzen oder die Polizei
zu rufen, wächst in Stella ein Gefühlsstrudel, der ihr ganzes Lebens ins Wanken bringt. Judith Hermann beschreibt die Geschichte recht nüchtern und trotzdem beschleicht einen ein beklemmendes Gefühl.

Manuela Grosche, 54, Chefin vom Dienst

Buchtipp

DREI NÄCHTE BIS ZUR FREIHEIT

Lutz Seiler: "Kruso" 484 S., Suhrkamp, 22,95 Euro

Im Sommer 1989, also noch vor dem Mauerfall, flieht Edgar aus seinem Studentenleben in Halle nach Hiddensee. Er wird Abwäscher auf der Insel, die, wie es heißt, außerhalb der Zeit und „jenseits der Nachrichten“ liege. Eine Insel der Freidenker. Über das Buch erfährt der Leser die damalige Bedeutung Hiddensees für DDR-Flüchtlinge. Wichtig wird die Freundschaft von Edgar zu Kruso, denn dieser hat eine Utopie: nämlich jeden Schiffbrüchigen des Landes in drei Nächten zu den Wurzeln der Freiheit zu führen. Auf dem Weg dahin geschehen fantastische Dinge, zum Beispiel spricht plötzlich ein toter Fuchs zu Edgar. Manche Passagen sind poetisch, andere verwirrend,
nicht alles ist verständlich. Wahrscheinlich soll der Leser sich selbst ein paar Gedanken machen. Die
interessante Geschichte endet mit der Grenzöffnung am 9. November 1989.

Dietmar Ahrens, 47, LAVIVA-Leser und kaufmännischer Angestellter


Illustrationen: Tess Jacobson


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