Chef-Knigge: "Reg dich ab, Boss!"

Im Job wollen wir souverän und schlag­fertig reagieren. Das funktioniert leider nicht immer. Sieben knifflige Situationen – und ihre clevere Lösung.

Monika Dittombée

 

Montagmorgen, kurz vor 9 Uhr. In letzter Sekunde springt der Chef in den Fahrstuhl. Die Türen schließen sich. Und was machen Sie jetzt?

Die Lösung: Bloß nicht überlegen, ob der Reißverschluss offen steht oder die Frisur wirklich sitzt. "Wir sind immer viel zu sehr in unseren eigenen Gefühlen verstrickt, dabei sollten wir uns mehr auf unsere Mitmenschen konzentrieren. Denen geht es im Fahrstuhl ebenso mies wie uns selbst", beruhigt Axel Janßen vom Netzwerk CorporateWork (www.corporate-work.net). Also: kurz durchatmen, lächeln, grüßen. Eine Fahrstuhlfahrt dauert im Schnitt nur 30 Sekunden. Souveräne beginnen einen lockeren Small Talk. (Das Wetter! Das Wochenende! Die Parkplätze!) Auf keinen Fall sollte man den Chef in diesem Kleinraumgefängnis mit eiligen Projekten behelligen. 

Es war nur ein winziger Fehler: ein falsches Komma in der Bilanz. Sehr ärgerlich. Aber der Chef stürmt wie ein rasender Puter in Ihr Büro und brüllt los.

Die Lösung: Es gibt Arbeitsplätze mit hohem Stresslevel, wo herrische Befehle und gebrüllte Standpauken zum Tages­geschäft gehören. Sofern Sie jedoch nicht in einer Großküche, im Kranken­haus oder auf einem Marineschiff tätig sind und es nicht unmittelbar um Leben oder Tod geht, müssen Sie sich cholerisches Gebrüll nicht bieten lassen. "In diesem Moment steht der Brüller in Vollkontakt mit seinen Emotionen. Da helfen nur schwere Geschütze", weiß Jobtrainer Janßen. Die spontane Reaktion ist oft die beste: "Stopp! Bis hierher und nicht weiter!" Stehen Sie dabei auf. Nonverbale Signale machen 80 bis 90 Prozent der Kommunikation aus! Fahren Sie in ruhigem Ton fort: "Ich sehe, dass Sie aufgebracht sind. Wie können wir das Problem sachlich lösen?" Schlagen Sie vor, das Gespräch auf einen späteren Zeitpunkt zu vertagen. No-Go: zurückbrüllen. Brandgefahr!

Ein entspannter Abend im Spa Ihres Fitnessstudios. Herrlich. Doch als Sie die Finnische Sauna betreten, packt Sie der eiskalte Schock. Ganz oben auf der Bank hockt Ihr Chef. Natürlich nackt. So wie Sie.

Die Lösung: Flüchten? Zwecklos. Er hat Sie ohnehin längst gesehen. Halten Sie sich in dieser fatalen Situation an zwei ungeschriebene Gesetze. Erstens: Man grüßt sich, wenn man sich kennt. Zweitens: In der Sauna bleibt man still. Das richtige Verhalten demnach: kurz zunicken, hinsetzen, Klappe halten. Vergessen Sie Ihr peinliches Tattoo oder andere Dinge, die er gesehen haben könnte. Klar ist: Er fühlt sich mindestens ebenso ertappt wie Sie.

Ihr Schreibtisch biegt sich. Trotzdem kommt Ihre Vorgesetzte mit einem neuen Projekt an, das Sie unmöglich auch noch schaffen können.

Die Lösung: Droht eine Arbeitsüberlastung, sollten Sie das Ihre Vorgesetzte unbedingt wissen lassen. Das klappt auf die freundliche Tour: "Liebe Chefin, das ehrt mich sehr, aber leider bin ich mit Projekt XY bis über beide Ohren eingedeckt." Grundsätzlich hat Ihre Chefin ein Direktionsrecht und kann die Aufgaben in ihrem Sinne verteilen (im Rahmen des Arbeitsvertrags). Eine elegante Möglichkeit, um unangenehmen Aufträgen vorzubeugen, nennt Axel Janßen: "Betonen Sie sehr oft, für welche Projekte Sie brennen. Sehr praktisch ist immer ein Spezialgebiet, in dem Sie mit Expertenwissen glänzen." Umso besser können Vorgesetzte einschätzen, mit welchen Arbeiten man Sie belasten kann - oder eben auch nicht.

Ihr Chef rückt Ihnen unangenehm nah auf die Pelle. Er tätschelt Ihren Arm oder setzt sich auf Ihren Schreibtisch. Obwohl Sie sicher sind, dass es keine sexuellen Gesten sind, fühlen Sie sich trotzdem unwohl.

Die Lösung: Im Berufsleben wird eine Distanzzone von etwa 90 Zentimetern als angenehm empfunden. Näher ran lassen wir nur enge Freunde, Partner und die Familie. Dringt nun ein Außenstehender in die intime Distanzzone ein, wird es ungemütlich. Machen Sie eine klare Ansage: "Ich fühle mich bedrängt, wenn Sie so nah aufrücken. Ich bin ein Mensch, der viel Freiraum braucht, wissen Sie?" Das sollte deutlich genug sein. Achten Sie auf die Ich-Botschaft. Manche Kollegen schwingen sich gern zu Verwaltern einer höheren Moral auf und formulieren Generalanklagen à la "Sie rücken uns allen hier ständig auf die Pelle". So bitte nicht.

Eine nette Lästerrunde in der Teeküche. Gerade haben Sie etwas Gemeines über Ihre Chefin gesagt, als alle plötzlich verstummen. Denn sie steht genau hinter Ihnen.

Die Lösung: Der schlimmste anzunehmende Ernstfall. Das Murmeln von Entschuldigungen wie "Das war nicht so gemeint" verfehlt hier definitiv seine Wirkung. Die Tatsache steht im Raum, Leugnen zwecklos. Nun kommt es noch auf den Inhalt der Lästerei an: Ging es "nur" um farbliche Fehlgriffe bei der Strumpfhose? Um die neue Diva-Handtasche? Geschenkt. Eine souveräne Vorgesetzte sollte die Lage mit einem lockeren Spruch entkrampfen können. Falls Sie Schlimmeres getratscht haben, können Sie daraus nur lernen. Job-Experte Axel Janßen: "Mit unserem Verhalten rufen wir immer auch ein Echo hervor. Können wir diesen Widerhall nicht aushalten, sollten wir uns von vornherein anders verhalten."

Sie mögen Ihren Chef. Ehrlich. Gern würden Sie ihm ein Kompliment für seine Arbeit machen, wollen aber auf keinen Fall schleimig wirken.

Die Lösung: "Loben ist gar nicht einfach. Damit erhebt man die eigene Ansicht zu einer Messlatte, und so bekommt ein gut gemeintes Lob schnell eine autoritäre und bewertende Note", relativiert Axel Janßen. Wollen Sie es dennoch tun? Nutzen Sie einen Moment, in dem Sie mit dem Chef allein sind (von Ihren Kollegen könnte Ihre Lobhudelei tatsächlich als Schleimerei ausgelegt werden). Lassen Sie ihm die Wahl: "Können Sie eigentlich ein Lob vertragen?" Damit geben Sie ihm die Freiheit der eigenen Entscheidung, ohne die Machtverhältnisse zu verdrehen.


© iStockphoto | aus der "LAVIVA"-Ausgabe Januar 2012


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