Historische Romane

Die besten Zeitmaschinen sind Bücher. Diese historischen Romane sind unsere Empfehlung.

An der Uhr gedreht: Wer über das Leben in anderen Zeiten liest, verändert seine Sichtweise

Buchtipp

WAS IST DIE WAHRHEIT?

Hannah Kent: "Das Seelenhaus" 384 S., Droemer HC, 19,99 Euro

Als die Isländerin Agnes als Magd auf den Hof des Beamten Jón und seiner Frau Margrét kommt, ist sie eine verurteilte Mörderin, die auf ihre Hinrichtung wartet. Zwei Männer soll sie getötet haben, über ihre Motive schweigt sie. Besonders Margrét ist entsetzt über diesen "Gast", doch Agnes ist auf Anordnung des Landrats da, die Familie braucht die Entschädigung, die sie für ihre Unterbringung bekommt, und Agnes arbeitet hart. Nur reden tut sie mit niemandem. Sie ist geradezu unnahbar, zu tief scheint der Schmerz über das, was sie erlebt hat. Der einzige, dem sie sich irgendwann anvertraut, ist der Vikar Totí, der Agnes bis zur Hinrichtung begleitet. Ihm erzählt sie von ihrer Mutter, die sie früh verloren hat, von ihren Anstellungen, bei denen sie schlecht behandelt wurde, und von Natan, den sie bei einem Fest kennenlernte und bei dem sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben aufgehoben fühlte. Bis das große Unglück geschieht. Nach und nach offenbart Agnes die Geschichte einer großen Liebe, aber auch einer verhängnisvollen Dreiecksbeziehung ... Die Figur der Agnes Magnusdottir hat es wirklich gegeben, sie war die letzte Person, die auf Island hingerichtet wurde. Das Buch ist eine so wunderschön melancholische Liebeserklärung nicht nur an eine Frau, sondern an ein ganzes Land. Die Charaktere sind fein gezeichnet und die Traurigkeit von Agnes spürbar.

Stephan Schneider, 53, Projektmanager

Buchtipp

IM HERZEN DER ZIGEUNER

Ildefonso Falcones: "Das Lied der Freiheit"
752 S., Bertelsmann, 24,99 Euro

Andalusien, Mitte des 18. Jahrhundert. In Cadiz geht die frei gelassene Sklavin Caridad an Land. Sie ist gerade aus Kuba mit einem Handelsschiff in Spanien angekommen – ein ihr völlig unbekanntes Land. Dort trifft sie auf Mitglieder eines Zigeuner-Clans, verliebt sich in das Oberhaupt der Sippe und freundet sich mit Milagros an, die Tochter einer Zigeunerin. Sehr schnell erkennen die beiden, dass sie die Musik, speziell der Flamenco-Gesang, verbindet. Das ist die Basis dieses Historienromans des spanischen Autors Falcones. Durch die Erlebnisse dieser beiden jungen Frauen erfährt der Leser viel über das Spanien jener Zeit und wie die Zigeuner damals behandelt wurden. Toll recherchiert und sehr klug geschrieben.
Manuela Grosche, 54, Chefin vom Dienst

Buchtipp

LEID UND LEBEN IN EINEM ZUG

Benjamin Monferat: "Welt in Flammen"
784 S., Wunderlich, 22,95 Euro

Es gibt viele Romane, die zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielen, selten sind sie so fantastisch geschrieben wie "Welt in Flammen". Der Autor Monferat liefert nicht das übliche Schützengräben-Schlachten- Epos. Bei ihm ist der Krieg lediglich Hintergrund, vor dem er seine Geschichte erzählt. Sie handelt von Menschen, die mit dem letzten Zug vom belagerten Paris ins sichere Istanbul fliehen. Sie kennen sich nicht, haben unterschiedliche Missionen, oft einen politischen Hintergrund, der ihr Handeln bestimmt. Und während sie durchs zerstörte Europa fahren, belügen, bekämpfen, lieben und töten sie sich. Das ist so spannend, dass man im eigenen Leben zu nichts mehr kommt, bis alles gelesen ist.

Sophie Lübbert, 28, Leben-Redakteurin


Illustrationen: Tess Jacobson


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