Hör mal, wer da hämmert: Auf gute Nachbarschaft

Fast jeder ist schon mal an den Menschen verzweifelt, die Tür an Tür mit uns wohnen. 9 Regeln für kluge Nächsten-Liebe

Katharina Schwarz

 

Nette Nachbarn nehmen Pakete an, helfen mit einem Liter Milch aus und drücken bei Kinderlärm mindestens ein Auge zu. Und die nicht so netten? Nun ja. Fakt ist: Seine Nachbarn kann man sich nicht aussuchen. Zu viel Nähe und unterschiedliche Erwartungen verursachen häufig Konflikte und Streit. Wie mit Schwiegermüttern und anderen Familienmitgliedern? Fast. Denn von denen kann man sich ja theoretisch fernhalten. Lesen Sie hier, wie Sie künftig schwierige Situationen im Treppenhaus oder am Gartenzaun meistern – ohne sich zu verbiegen.

Situation 1: "Hallo, wir sind die Neuen!"

Auch wenn Sie keine Freunde suchen: Sind Sie gerade eingezogen, sollten Sie sich zumindest bei allen direkt angrenzenden Parteien kurz vorstellen. Praktisch: So können Sie gleich klarstellen, was von Ihnen als Nachbar zu erwarten ist - und was eben nicht. Erzählen Sie, dass Sie ja nicht so der gesellige Typ sind und eher zurückgezogen und ruhig leben - zum Beispiel, weil Sie zu Hause von Ihrem stressigen Job abschalten wollen. Verkaufen Sie dies als Vorteil, indem Sie hinzufügen, dass Ihre Nachbarn daher auch keine Angst vor Partys, lauter Musik und Co. haben müssen.

Situation 2: Wenn das Treppenhaus zur Müllhalde mutiert

... und mindestens eine übel riechende Abfalltüte ständig vor der Tür Ihres Nachbarn zu liegen scheint, können Sie sich schlicht an Ihren Vermieter wenden. Denn im Allgemeinen ist der Zustand des Hausflurs im Mietvertrag ge­regelt. Offensiver: Sie stellen einfach Müll von sich dazu und befestigen einen Zettel mit der Aufschrift "Mülldeponie" über dem Unrat. Sie haben nichts gegen eine direkte Konfrontation? Dann klingeln Sie und schlagen vor, künftig den Müll im Vorbeigehen mitzunehmen, wenn Ihre Nachbarn Ihnen dafür am Wochenende ein paar Brötchen vom Bäcker mitbringen. Deal, oder?

Situation 3: Der seltsame Typ von unten hat sich ausgesperrt 

... und klingelt ausgerechnet bei Ihnen. Eigentlich müssten Sie ihn jetzt hereinbitten, telefonieren lassen und, während er auf den Schlüsseldienst wartet, zu sich aufs Sofa einladen. Aber ganz ehrlich: Wenn Sie sich dabei unwohl fühlen, können Sie gern etwas weniger korrekt sein. Holen Sie das Telefon zur Tür oder bieten Sie an, das Telefonat gleich für ihn zu erledigen. Danach verabschieden Sie sich freundlich - mehr muss nicht sein. Etwas anders sieht es allerdings aus, wenn Sie auf dem Land in einer reinen Einfamilienhaus-Nachbarschaft wohnen, es draußen regnet, stürmt oder schneit und Sie den Ausgesperrten nicht ins Treppenhaus, sondern ins Freie entlassen müssten: Gehen Sie vor wie oben beschrieben und entschuldigen sich dann zum Beispiel damit, dass Sie gerade auf dem Sprung sind und ihn daher nicht hereinbitten können. Schlagen Sie eine Alternative vor: Familie XY ist doch sicher zu Hause?! Dort kann er bestimmt warten.

Situation 4: Schnorrer-Alarm

Am Anfang war es ein Ei, dann noch eines, dazu ein Liter Milch, ein Päckchen Butter und schließlich der Zucker ... Sie haben das Gefühl, Ihr Nachbar verwechselt Ihre Vorratskammer mit einem Tante-Emma-Laden? Dann fragen Sie doch beim nächsten Mal, wann genau Sie zu Kaffee und Kuchen kommen sollen - die Zutaten habe er ja jetzt zusammen. Plan B ist weniger humorvoll, dafür aber noch direkter: "Entschuldige, aber den letzten Rest Zucker habe ich dir neulich erst geliehen. Ach, aber wenn du jetzt eh einkaufen gehst, hier ist unsere Einkaufsliste - dann haben wir wieder alles da, wenn dir die Vorräte ausgehen."

Situation 5: Kinderlärm am Sonntag

Ohren zu und durch? Egal ob Sie die Quelle des Problems sind oder direkt darunter wohnen: Topfschlagen, Bobbycar-Rennen und Kinderkaraoke stressen alle (erwachsenen) Beteiligten - vor allem zur offiziell unchristlichen Zeit: sonntags vor neun. Die Eltern werden beim ausweglosen Versuch, ihren Nachwuchs zur Ruhe zu mahnen, fast wahnsinnig, die Nachbarn sowieso. Eine mögliche Lösung: Einigen Sie sich darauf, dass die Kinder frühmorgens nur in den Räumen spielen, die nicht direkt an ein nachbarliches Schlafzimmer grenzen. Ihre Kinder sind nicht zu zügeln? Dann gehen Sie mit ihnen Brötchen holen, entrümpeln gemeinsam den gut isolierten Keller oder bringen den Enten im Stadtpark das Frühstück ans Bett ... Leider wahr: SIE müssen da die nächsten Jahre durch. Ihre Nachbarn nicht.

Situation 6: Keine Lust auf Kaffeeklatsch

"Ich möchte Sie wirklich nicht näher kennenlernen, vielen Dank!" Nun, die Wahrheit ist keine Alternative, wenn die Frau von Gegenüber Sie zum x-ten Mal auf einen Kaffee einlädt und Ihnen allmählich die Ausreden ausgehen. Und Vorsicht: Eine als Lüge entlarvte Ausrede kann ebenso verletzend sein wie die nackte Wahrheit. Erklären Sie lieber, dass Sie unter der Woche nicht die Zeit finden und das Wochenende natürlich der Familie vorbehalten ist - dafür hat sie doch bestimmt Verständnis?

Situation 7: Tatort Briefkasten

Ihr Nachbar, der Zeitungsdieb? Schritt 1: Erkundigen Sie sich, wann der Zusteller die Zeitung einwirft. Schritt 2: Kommen Sie dem Dieb zuvor, stecken Sie einen Zettel zwischen die Seiten und legen Sie die Zeitung zurück. Auf dem Zettel könnte sinngemäß stehen: "Hallo Nachbar, schon rein aus ökologischer Sicht finde ich die Idee toll, dass wir uns die Zeitung teilen. Bislang habe ich jedoch versäumt, Ihnen meine Bankverbindung mitzuteilen. Sie lautet (...)"

Situation 8: Ihr Nachbar geht Ihnen an die Wäsche

Wortwörtlich. Schiebt er im gemeinsamen Waschkeller Ihre (noch feuchten) Laken zur Seite, um seine Handtücher aufzuhängen, heißt es: ruhig bleiben. Durchatmen. Überlegen. Ist es möglich, die Anzahl der Wäscheleinen sinnvoll auf die Parteien aufzuteilen? Dann schlagen Sie vor, die Zugehörigkeit der Leinen durch Farben zu kennzeichnen. Die Gelbe nutzt Familie Müller, Familie Schmidt die Blaue ... Lässt sich das nicht umsetzen, versuchen Sie es mit einem Plan, der die Nutzung des Waschkellers in der Woche regelt.

Situation 9: Ist das denn erlaubt?

Grillen, Rasenmähen, rauschende Partynächte: Theoretisch ist haarklein geregelt, was wann, wie lange, wie oft und wie laut stattfinden darf. Aber in einer funktionierenden Nachbarschaft sollte man nicht das Gesetzbuch zücken müssen, wenn mal etwas aus dem Ruder läuft. Sind Sie unsicher, ob Ihre Nachbarn sich belästigt fühlen könnten, fragen Sie einfach. Kündigen Sie Partys rechtzeitig an, und laden Sie im besten Fall die Nachbarn gleich mit ein. Selbst wenn Sie dann nicht kommen, reicht die nette Geste meist aus, damit sie ein Auge zudrücken. Umgekehrt gilt: Mäht einer Ihrer Nachbarn zum Beispiel zur Schlafenszeit Ihres Kindes den Rasen, suchen Sie ebenfalls das Gespräch und erklären Sie die Lage: "Mein Kind geht jetzt für gewöhnlich ins Bett, wäre es vielleicht möglich, dass Sie zu einer anderen Uhrzeit den Rasen mähen?"


© Lisa Rock | aus der "LAVIVA"-Ausgabe April 2013


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