Knochenjob: Fünffach-Mama

Viel Arbeit, wenig Ehr: Im dritten Teil unserer Serie "Mütter" erzählt Stephanie Herold von ihrem Alltag als Hausfrau mit fünf Kindern. Ein Managerkalender ist nichts dagegen...

Von Janine Dudenhöffer
Stephanie Herold mit ihren fünf Kindern auf dem Sofa

Eine Handvoll Mutterglück: Stephanie Herold hat fünf Kinder!

Stephanie Herold geht es wie tausenden anderen Frauen in Deutschland - teils den Umständen geschuldet, teils aus freien Stücken. Die 35-Jährige ist das, was man "Hausfrau" nennt. Eine unsägliche Bezeichnung, die viel zu altbacken und verharmlosend ist für diesen unbezahlten Knochenjob. Denn Stephanie bewältigt den Alltag mit fünf Kindern ohne große Unterstützung. Nein, sie ist nicht alleinerziehend. Aber sie erzieht an fünf von sieben Tagen fünf Kinder alleine. Ohne Auto und ohne Nanny. Dafür mit ganz viel Schmackes...

Es gibt diese Frauen, die unbedingt studieren wollten, sich dann jahrelang für die Karriere krummbuckeln, Überstundenkonto voll, Ellenbogen ramponiert. Dann werden sie schwanger und plötzlich ist alles egal. Stephanie Herold ist anders. Sie lernte den Mann über die Arbeit kennen, bevor sie die Karriereleiter voll erklimmen konnte und war bereits vom Angucken schwanger.

Vom Dubai nach Sachsen

Mit Fünfen ist man kinderreich.

Sohn Maximus wurde 2008 im Rheinland geboren. Es folgten weitere vier Kinder in fünf Jahren. "Wir haben alle Varianten durch: schwanger trotz 3-Monats-Spritze, schwanger wegen der Susi-Sorglos-Variante, schwanger trotz Pille, unbemerkte Schwangerschaft aufgrund fortlaufenden Zyklus. Selbst jetzt scherze ich bereits, dass ich wohl das eine Prozent bin, das trotz Spirale wieder schwanger wird", sagt Stephanie in trockener rheinländischer Manier.

Während all diesen Schwangerschaften hat sie sich weitergebildet, viel dazu gelernt. Beispielsweise über das Gesundheits- und Sozialwesen in den Vereinigten Arabischen Emiraten (Kind Nummer 3, Lavinia, wurde während eines Auslandsaufenthaltes in Dubai geboren) oder die Einstellung zur Familie in der deutschen Provinz. Nach zwei Jahren Dubai mit Privatschule für den Ältesten und allem Pipapo für die gesamte Familie ging es aus familiären Gründen ans gefühlt andere Ende der Welt: nach Sachsen. "Dort wird man mit vier Kindern bereits als asozial beschimpft", berichtet Stefanie, die auch diese bittere Pille schluckte und dadurch nochmal so richtig 'Muttivation' fasste: Kind Nummer 5, Aurelia, kam zur Welt.

Schlachtfeld: Zuhause

Wenn man die 150-qm-Maisonettewohnung der Herolds betritt, steht man nach wenigen Schritten schon im Zentrum des Geschehens, dem Wohn-Esszimmer mit offener Küche. Oder besser gesagt: dem Schlachtfeld. Hier hat Stephanie das bunte Treiben am besten im Blick. Die meiste Zeit über zumindest.

Manchmal verzieht sich ein Kind auch in das gemeinsame Schlafzimmer oder ist unter dem Tisch zu finden. Und manchmal ist 'Sisyphos' Stephanie tatsächlich kurz davor, das Handtuch zu werfen, wenn sie jeden Tag aufs Neue Ordnung schaffen muss. Aber eben nur kurz davor.

"Wenn unsere Kleinste in der Kita integriert ist, werde ich mich auch wieder um eine andere Aufgabe kümmern", spricht Stephanie von ihren Plänen, sich bald wieder auf den freien Arbeitsmarkt zu werfen. Eine Idee ist ihr bereits gekommen: "Seit ich Mama bin, hat sich mein Bewusstsein für Gesundheit geschärft. Vitamine & Co. für die Familie, das ist meine Passion. Ich stehe für ein positives und ausgewogenes Verhältnis zu sich selbst und der Natur im schnelllebigen Alltag und möchte Familien unterstützen, den Fokus mit auf diese Balance zu legen."

Es soll ja Arbeitgeber geben, die zu schätzen wissen, welche Fähigkeiten jemand besitzt, der den Alltag mit fünf Kindern meistern kann. Improvisation und Organisatorisches steht da ganz oben. Die gelernte juristische Fachangestellte und zuletzt Teamleaderin einer Bank legt derzeit statt Akten Wäschestapel zusammen, teilt ihr Wissen in Vorträgen, bei denen ihr kaum jemand zuhört und sammelt Essensreste statt Lob. Stephanies meist benötigte Skills: mentale Stärke, Cleverness und Hingabe. 

Feminismus und Kinderreichtum: check!

Ein Beispiel: Familie Herold fährt in Urlaub. Zu siebt macht man das am entspanntesten und günstigsten mit dem Zug. Spartickets recherchieren. Familienabteil buchen. Koffer mit Inhalt für alle Eventualitäten rüsten. Das Gepäck wird vom Hermes Versand (buchbar über die Deutsche Bahn) vier Tage vor Abreise zu Hause abgeholt und zum Feriendomizil geliefert. Kostenpunkt: 30 Euro. Organisiert von der Reise- und Event-Agentur Stephanie Herold.

Auch wenn es ihr nicht immer bewusst ist, beweist Stephanie täglich, dass auch eine sogenannte 'Hausfrau' Feministin sein kann. Vor allem, wenn sie weiß: Ein Mann ist eben keine Altersvorsorge und erst recht kein Selbsterfüllungsgarant. Auch dann nicht, wenn man sich noch so glücklich und vielfältig reproduziert hat.

Die Autorin

Janine Dudenhöffer ist Moderedakteurin des erfolgreichen Blogzines Mummy Mag, Autorin des "Mama-Styleguide" und selbst Mama von zwei Söhnen. Für LAVIVA berichtet Janine wöchentlich von Frauen, denen es gelingt, Kind und Job unter einen Hut zu bringen.


© Fotos: Lina Grün; Stephanie Herold


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