Krimis

Wer ist der Mörder? Diese Krimis haben die LAVIVA-Redakteure den Atem verschlagen und miträtseln lassen

Ist meine Wohnungstür abgeschlossen? Einige Krimis spielen so mit dem Grauen, dass der Leser sich zu Hause fürchtet

Buchtipp

UNGEWOLLT AUSGEWÄHLT


Fredrik T. Olsson: "Der Code" 
528 S., Piper, 16,99 Euro
Der Start knallt: Der Leser ist sofort mittendrin, kommt dann kaum zum Atmen. Es geht um den ehemaligen Kryptologen William Sandberg, der privat und im Job das Gefühl hat, niemand braucht ihn. Er entscheidet sich für Selbstmord, doch zu seiner Überraschung wacht er im Stockholmer Krankenhaus auf und bekommt Besuch von drei Männern. Sie würden ihn und seine Fachkenntnisse dringend brauchen. Sandberg lehnt ab, doch ein Nein wird nicht akzeptiert. Erneut verliert er das Bewusstsein und wacht in 10 000 Meter Höhe wieder auf. Mit an Bord des Flugzeugs: die drei Männer, auf dem Weg in ein Schloss. Gleichzeitig recherchiert seine Ex-Frau, Journalistin, in Stockholm auf Hochtouren: Denn nicht nur William ist aus dem Krankenhaus verschwunden, auch in seiner Wohnung befindet sich kaum noch etwas. Computer, Unterlagen, Kleidung – alles weg! Als seine Ex die Wohnung inspiziert, fällt ihr ein Gegenstand auf, ohne den Sandberg nie fortgegangen wäre. Freiwillig ist der nicht verschwunden! Im Schloss lernt William die Sumerologin Janine kennen. Auch sie ist entführt worden. Zusammen sollen sie ein Muster in endlose Zahlenreihen und alte Schriften bringen – ein unbekannter Code. Doch worum geht es? Wer ist die Organisation dahinter? Janine und William versuchen zu fliehen, stoßen dabei auf einen geheimen Raum, der durch eine dicke Glasscheibe getrennt ist. Dahinter: Helena Watkins, Professorin für höhere Mathematik von der Uni Potsdam. Mit Watkins hatte Janine bis vor Kurzem zusammengearbeitet. Was ist hier los? Mit der Zeit wird klar: Es geht um Botschaften, die seit Jahrhunderten versteckt sind – in der menschlichen DNA. Nun sind alle in Gefahr ... "Der Code" wurde bislang in 25 Sprachen übersetzt, und Hollywood hat bereits die Filmrechte gesichert.

Ulla Greve, 35, Beauty-Redakteurin

Buchtipp

TÄTER MIT KÖPFCHEN

Stefan Ahnhem: "Und morgen du" 560 S., List, 16,99 Euro
Das ist ja schlicht aufgebaut, denkt der ahnungslose Leser zu Beginn des Krimis, aber er wird sich so irren wie der Kommissar Fabian Risk bei dem Versuch, diesen komplexen Fall zu lösen. Risk ist gerade mit seiner Familie aus Stockholm zurück in seine Heimatstadt Helsingborg gezogen, hier wollte er noch Urlaub machen und an seiner Ehe arbeiten. Doch dann wird
in seiner ehemaligen Schule ein alter Klassenkamerad tot aufgefunden. Die Leiche ist verstümmelt – die Hände wurden dem Opfer mit einem Fuchsschwanz abgetrennt. Dann gibt es da noch ein Klassenfoto aus der Neunten, schräg hinter Risk steht der Tote, sein Kopf ist durchgestrichen. Später findet man die Hände des Opfers in der Jungsdusche. Warum ausgerechnet die Hände? Risk erinnert sich plötzlich an Erlebnisse, die er lange verdrängt hatte, und ahnt, dass es nicht bei einem Toten bleiben wird. Während er versucht, den Täter zu finden, dreht sich diese Geschichte immer wieder. Der Leser ist mal auf der Seite des Opfers, dann auf der Seite des vermeintlichen Täters, man glaubt einer Theorie, eine Seite später wird diese widerlegt. Alles von vorn, löschen, umdenken.
Der gesuchte Mörder ist dem Kommissariat immer ein Stück voraus, er tötet mit Botschaften und jeder Fund ist eine weitere Inszenierung in seinem dunklen Theaterstück. Die Auserwählten aus der Klasse dürfen hier nicht schnell sterben, sie sollen leiden in ihren letzten Stunden ... Das Buch ist klug aufgebaut von Autor Stefan Ahnhem, der in Schweden bereits als Drehbuchautor bekannt ist. Wir in Deutschland kennen seine Wallander-Filme. "Und morgen du" ist sein Romandebüt, und das ist so geschrieben, dass ich irgendwann meine Mittagspausen-Verabredungen abgesagt habe, um weiterlesen zu können.


Andrea Hacke, 44, stellv. Chefredakteurin

Buchtipp

EINE TODESREIHE UND KEIN PLAN. ODER DOCH?


Nele Neuhaus: "Die Lebenden und die Toten" 560 S., Ullstein HC, 19,99 Euro
Gerade will Pia Kirchhoff in die Flitterwochen fahren, da wird mitten am Tag eine Spaziergängerin durch einen gezielten Kopfschuss getötet. Nur kurze Zeit später der zweite Mord: Eine Frau stirbt in der Küche ihres Hauses, ebenfalls durch einen Schuss. Schnell verbreitet sich im Taunus Panik – ist der Mörder etwa ein "Sniper", der wahllos auf Menschen schießt? Pia Kirchhoff, die ihren Mann erst mal allein in den Urlaub schickt, und ihr Chef Oliver Bodenstein ermitteln wie wild, doch scheinbar hatten die Opfer nichts miteinander zu tun. Dann stoßen die Kommissare auf eine mysteriöse Organtransplantation, die Jahre zurückliegt, aber viele Menschen auf tragische Weise für immer miteinander verbunden hat... Dies ist Nele Neuhaus’ bester Krimi in der Kirchhoff/Bodenstein-Reihe. So realistisch geschrieben, dass mir mulmig wurde.

Nina Grygoriew, 43, Chefredakteurin

Buchtipp

LIEBSTER, WIE WEIT GEHT DEINE LOYALITÄT?


Louise Doughty: "Ein Schritt zu weit" 384 S., Bertelsmann, 14,99 Euro
Ist das jetzt so etwas wie "Shades of Grey" als Krimi?, ist mein erster Gedanke, als ich in das Buch hineinlese. Yvonne Carmichael ist erfolgreiche Wissenschaftlerin und lebt ein an sich geordnetes, bürgerliches (Ehe)leben, aus dem sie in eine heftige Affäre mit einem geheimnisvollen Mann schliddert. Ohne Fragen zu stellen, gibt sie sich dem Fremden vertrauensvoll hin. Bis ein Verbrechen ihr sorgsam konstruiertes Doppelleben zerstört und beide des Mordes angeklagt werden. Ab dann wird es spannend! Für die beiden hängt nun alles davon ab, dass ihre Affäre geheim bleibt. In Rück- blenden erzählt die Autorin die wahre Geschichte, die hinter den Ereignissen steckt. Es geht darin um Täuschung und Selbstbetrug, um kleine und große Lügen, mit denen wir uns im Leben einrichten. Wie weit geht denn wohl unsere Loyalität, wenn plötzlich alles auf dem Spiel steht?


Frank Siegert, 47, Art-Direktor

Buchtipp

DAS WETTRENNEN

Stephen King: "Mr. Mercedes" 592 S., Heyne, 22,90 Euro

Ein Mercedes rast mit Absicht in eine Menschenmenge – acht Leute sterben, viele sind schwer verletzt. Der Fahrer wird nie gefunden. Ein Jahr später bekommt der pensionierte Detective Bill Hodges einen Brief vom Mercedes-Killer. Hodges wird aus seiner Rentner-Lethargie gerissen und fängt an zu ermitteln. Zusammen mit einem Nachbars- jungen kommt er dem scheinbar irren Täter zwar näher, aber nie nahe genug. Der plant schon einen neuen Massenmord mit noch mehr Opfern. "Mr. Mercedes" ist ein Wettrennen zwischen Mörder und Ermittler. Und wie die meisten King-Bücher nichts für zarte Seelen. Der Leser kennt den Täter von Beginn an, und genau das macht die Sache
so schlimm: Knapp 600 Seiten lang hofft man, dass es so jemanden nicht im wahren Leben geben möge.

Nina Grygoriew, 43, Chefredakteurin

Buchtipp

ZURÜCK ZUM UNGLÜCKSORT

Sebastian Fitzek: "Passagier 23" 432 S., Droemer HC, 19,99 Euro

Martin Schwartz ist Polizeipsychologe und wäre eigentlich selber sein bester Patient: Vor fünf Jahren hat er Frau und Sohn verloren, die beiden sind auf dem Kreuzfahrtschiff "Sultans of the Seas" in den Tod gesprungen. Seitdem ist Schwartz ein Wrack. Doch dann bekommt er einen Anruf: Ein ebenfalls verschwunden geglaubtes Kind ist auf der "Sultan" wieder aufgetaucht – mit dem Teddy von Schwartz’ Sohn im Arm. Schwartz kehrt zurück auf das Schiff, das er nie wieder betreten wollte, und deckt eine unglaubliche Geschichte auf ... Falls Sie vorhatten, demnächst auf Kreuzfahrt zu gehen, lesen Sie dieses Buch besser nicht! Oder überlegen Sie, ob Flugreise und Bahnfahrt nicht auch infrage kommen.

Nina Grygoriew, 43, Chefredakteurin

Buchtipp

DUNKLE VERGANGENHEIT?

Ian Rankin: "Schlafende Hunde" 464 S., Manhattan, 19,99 Euro

Grausames Gemetzel und rasante Geschichten sucht der Leser in den Krimis um Kommissar John Rebus meist vergeblich. Auch "Schlafende Hunde" ist eher ein Psychogramm des Ermittlers: Rebus kehrt nach einem Ausflug ins Rentnerdasein in den Polizeidienst zurück. Mit seiner neue Chefin Siobhan Clark, Rebus’ ehemaligem Ziehkind, untersucht er einen Autounfall, in den der Sohn des
Justizministers verwickelt ist. Da rollt die Staatsanwältin einen 30 Jahre alten Fall wieder auf – Rebus und seine alten Kollegen sollen damals Beweise manipuliert und eine Verhaftung verhindert haben. Plötzlich muss Rebus mit seinem Erzfeind zusammenarbeiten.
Langsam erzählt, aber nie langweilig.

Nina Grygoriew, 43, Chefredakteurin


Illustrationen: Tess Jacobson


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