Liebe braucht manchmal Ferien

Strand, Meer, laue Luft - Traumkulisse für einen zauberhaften Urlaubsflirt. Doch was, wenn man sein Herz verliert? Drei Frauen berichten.

Stephanie Hopf

Flirtalarm. Entspannt sitzen wir im Strandcafé und scannen die Sonnenterrasse. Dreimal hat der hübsche Typ von der Theke jetzt schon herübergeblinzelt. Jetzt hebt er sein Glas und prostet uns zu. Es ist ganz leicht, sich auf einen Drink einladen zu lassen, und warum auch nicht? Schließlich haben wir Urlaub - und ein bisschen Flirten gehört ja wohl dazu!

Endlich raus aus dem Alltag, die Laune ist auf Höhenflug, und plötzlich ist sie da: diese Lust, jemandem nahezukommen, diese Leichtigkeit, die zu Hause so oft fehlt. Eingehüllt in Sonne, Salzluft und zarte Stoffe, beginnen wir, uns selbst wieder mehr zu spüren. Und sind offen für viel Gefühl. 53 Prozent aller Singles hoffen darauf, sich im Urlaub zu verlieben, besagt die Elitepartner-Single-Studie. Natürlich senden wir das auch aus. Wer sich wohlfühlt in seiner Haut, wirkt gleich viel anziehender. Ein Blick, eine vielsagende Geste, ein kleines Wortgeplänkel - und plötzlich stecken wir drin in der schönsten Urlaubsliebe seit "Dirty Dancing".

We'll Always Have Paris

Herrlich: Der braungebrannte Beau von der Bar gibt uns endlich wieder das Gefühl, begehrt zu sein. Wir hören Komplimente, erleben Leidenschaft und Verbundenheit. Lachen, albern, lieben. Lange waren wir nicht mehr so unbeschwert. Wie schön wäre es erst, dieses Glück in den Alltag zu retten. Doch dann ist der Urlaub vorbei, und der Traummann wohnt Hunderte Kilometer entfernt. Und wir fragen uns: Hat das alles überhaupt eine Chance? Oder war es vielleicht doch nur ein Flirt, der nur so intensiv sein konnte, weil man hinterher sowieso wieder getrennte Wege geht?

Psychologin Lisa Fischbach von Elitepartner.de rät, das schon am Urlaubsort auszuloten. Wie ernst er es wirklich meint, klärt die Frage, ob er sich ein Wiedersehen vorstellen kann. Weicht er aus oder zögert sogar, seine Kontaktdaten herauszugeben, signalisiert das unmissverständlich, dass er an einer Fortsetzung der Lovestory nicht interessiert ist. Auch wenn der Abschied mit Liebesbekundungen und Verabredung endet - leider ist das erst der halbe Weg zum Happy End.

Was, wenn Tommy aus Kiel sich als Grummler entpuppt?

Denn was ist, wenn das Bild, das wir uns von Mr Perfect gemalt haben, der Realität gar nicht standhält? Wenn der witzige Tommy aus Kiel sich plötzlich als Alltagsgrummler entpuppt, oder der verständnisvolle Animateur Maurizio als alter Macho? "Das bedeutet erst einmal Entzauberung", so der Psychologe Florian Klampfer aus Berlin. "Nur im Alltag beginnt wirkliches Kennenlernen."

Erst zwischen Frühstückstisch und Bügelwäsche zeigt sich, ob unsere Lebensstile harmonieren, ob wir seine Freunde, Familie und Vorlieben mögen. Und ob wir es überhaupt schaffen, aus der Ferne zu lieben, ohne dass die Gefühle verloren gehen. So wie unsere drei Paare. Sie haben zum Teil jahrelang in Fernbeziehungen gelebt und immer wieder Distanzen überwunden. Ihre Erkenntnis: Wenn genügend Gefühl und Vertrauen da sind, wenn man bereit ist, Kompromisse einzugehen, lassen sich viele Schwierigkeiten meistern. Sie haben aber auch festgestellt, dass Skypen oder Wochenendbesuche keine wirkliche Nähe ersetzen.

Abschied vom alten Leben?

Die Autorin Andrea Micus hat Frauen interviewt, die sich im Urlaub verliebt haben. Ihr Fazit: "Wollen Paare dauerhaft zusammenbleiben, muss einer von beiden sein Umfeld - oft sogar sein Land - verlassen, gewohnte Sicherheiten aufgeben, sich von Freunden und Familie trennen. Aber eine große Liebe kann diesen Abschied wert sein."

Und wenn sich doch irgendwann herausstellt, dass er nicht der Traummann ist? "Dann sollte man sich den Moment gönnen und respektieren, was man erlebt hat", so Florian Klampfer. Und dem anderen ehrlich sagen, was man denkt: Es war eine wunderbare Zeit, aber ich merke, es passt einfach nicht. Was bleibt, ist vielleicht eine schöne Erinnerung, von der man noch Jahre später träumen kann. Und das ist doch auch was.


© privat, iStockphoto, Tania Maus, plainpicture, Fotolia| aus der "LAVIVA"-Ausgabe Juli 2011


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