Redwood Love

In "Redwood Love" von Kelly Moran reicht ein einziger Blick für Avery, um ihren Traummann zu finden. Lesen Sie hier einen Auszug aus der Geschichte.

Neuer Lesestoff für den Oktober

Romantiker aufgepasst, denn die exklusive LAVIVA- Leseprobe "Redwood Love – Es beginnt mit einem Blick" kommt diesmal von der US-Autorin Kelly Moran, die in Amerika längst berühmt ist für Bücher mit einem Liebesanteil in XXL. In diesem Buchauszug können Sie live dabei sein, wenn die Protagonistin Avery auf ihren Traummann trifft. Er ist, natürlich, (Tier-)Arzt. Ja, es darf geschmachtet werden ...

Leseprobe aus dem LAVIVA-Magazin

Avery öffnete die Tür zur Klinik und trat in ... absolutes Chaos. Anders als am Abend vorher war das Wartezimmer voller Menschen mit den verschiedensten Hunden und Katzen. Und ... einer Schlange? Ja, einer großen, großen ...

Sie warf einen kurzen Blick auf Hailey, um herauszufinden, ob der Lärm sie störte. Manchmal war es nicht einfach, die Auslöser für ihre Anfälle vorauszuahnen. Hupen und laute Musik regten Hailey am meisten auf. Schreien und laute Stimmen ebenfalls. Doch das Bellen schien sie kaltzulassen.

"Kann ich Ihnen helfen?"

Avery trat vor den Tresen. Die Dame in mittlerem Alter hatte ungewöhnlich rotes Haar. Ihre dünnen Augenbrauen berührten fast ihren Haaransatz.

"Ähm ... wir sind hier, um unseren Hund zu besuchen. Wir haben ihn letzte Nacht gebracht."

Das Auftreten der Empfangsdame wechselte so schnell von irritierter Neugier zu herzlicher Freundlichkeit, dass Avery schwindelig wurde. "Ich bin Rosa. Ich bin die Tante der O’Grady-Jungs. Und du musst Avery sein. Ich darf doch du sagen, oder? Deine Mutter und ich sind gute Freundinnen. Es ist so schön, dich endlich kennenzulernen." Sie trat hinter dem Tresen hervor. "Und du musst Hailey sein." Sie ging vor Averys Tochter in die Hocke, doch Haileys Aufmerksamkeit war auf etwas anderes gerichtet.

Avery mochte es nicht, allen Leuten ständig zu erklären, warum ihre Tochter scheinbar so unhöflich war. Genau genommen konnte sie es nicht ausstehen, sie in die Autismus-Schublade zu stecken, aber andere Leute verstanden es nur, wenn sie es erklärte. Doch bevor sie den Mund öffnen konnte, stand Rosa wieder auf.

"Im Freizeitzentrum von Miles und Anya gibt es noch ein paar andere autistische Kinder. Schau dir das Zentrum mal an", sagte sie und richtete sich dann wieder an Hailey. "Es wird dir gefallen, Süße. Da ist immer viel los, und du kannst neue Freunde finden." Rosa musterte Avery, als plane sie eine Verschwörung. Mit zusammengekniffenen Augen nickte sie kurz. "Ich werde Cade holen, damit er dich zu Seraph bringt."

Avery betrachtete das volle Wartezimmer. "Es ist viel zu tun. Sollen wir ihn vielleicht allein besuchen oder noch mal wiederkommen ...?"

"Ach was. Heute ist nicht viel los."

Nicht viel los? Die Patienten stapelten sich wie Sardinen in der Dose. Avery wollte gar nicht wissen, wie es hier aussah, wenn viel los war. Hinter ihnen fauchte eine Katze und schlug mit der Pfote nach einem Pudel mit roter Schleife um den Hals. Zwei Hunde konkurrierten um das Recht, zuerst den Hintern des anderen zu beschnüffeln, während zwei weitere sich unter den Stühlen ihrer Besitzer verkrochen hatten. Die Schlange hatte sich langsam um den Arm ihres Besitzers gewickelt und schob den Kopf an der Wand nach oben.

Avery schüttelte sich und wandte sich ab. Rosa war bereits hinter den Tresen zurückgekehrt, und Cade kam auf sie zu. Inzwischen trug er dunkelblaue Praxishosen. Gott. Es war einfach ... Er war der Inbegriff männlicher Schönheit, als er mit großen Schritten auf sie zukam. Sehnige Muskeln, breite Schultern, schmale Hüften.

Er grinste sie an und verdammt, ihr blieb die Luft weg. "Wir gehen nach hinten." Er warf einen kurzen Blick ins Wartezimmer und zuckte zusammen. "George, pack dieses Reptil in einen Käfig."

Wortlos folgten sie ihm einen langen Flur entlang und in ein Hinterzimmer, an dessen Wänden sich Käfige mit genesenden Tieren aufreihten. Jaulen und wildes Geheul hallten von den Wänden wider.

"Hier sind die Tiere untergebracht, die über Nacht bleiben."

Hailey lief los und kniete sich vor einen der Käfige.

Bevor Avery sie ermahnen konnte, trat Cade vor und ging neben ihr in die Hocke. "Warte kurz, Krümel. Ich hole ihn für dich raus." Er öffnete den Käfig, griff hinein und zog Seraph heraus, um sich den Welpen an die breite Brust zu drücken. Ein Schutzkragen lag um den Hals des Hundes, aber Seraph stupste Cade trotzdem sofort an, um gestreichelt zu werden. "Ja, du bist ein guter Junge."

Oh. Oh, seufz.

Avery hatte sich so lange zu niemandem mehr hingezogen gefühlt, dass sie fast vergessen hatte, wie das war. Ihre Wangen wurden heiß, und etwas in ihrem Bauch verkrampfte sich.

"Hey, Krümel. Kannst du dich auf den Boden setzen? Dein kleiner Kumpel kann wahrscheinlich noch nicht laufen."

Wie gewöhnlich brauchte Hailey ein paar Sekunden, um seine Worte zu verarbeiten, dann setzte sie sich brav auf den Fliesenboden. Selbst ihre Tochter schien bezaubert.

Sanft setzte Cade ihr Seraph auf den Schoß. Er legte eine Hand auf den Rücken des Welpen, die andere streckte er Hailey entgegen. "Ich werde dir jetzt zeigen, wie du ihn streicheln kannst." Er nahm ihre Hand und strich damit über den Rücken des Hundes. "Genau so", sagte er, als wollte er sie beruhigen. "Gut. Pass nur auf, dass du nicht das Aua an seinem Bein berührst, okay?"

Avery musste sich dazu zwingen, den Mund zu schließen. Er konnte gut mit Tieren und mit Kindern umgehen. Und zwar nicht einfach irgendwelchen Kindern, sondern behinderten Kindern. Er hatte Hailey gesagt, was er tun würde, bevor er es getan hatte, und sprach mit ruhiger Stimme, sowohl mit ihr als auch mit Seraph.

Doppelseufz.

Cade grinste, als Hailey kicherte, dann sah er Avery an. "Sie sind schon beste Freunde."

"Ja", flüsterte sie. Sie räusperte sich, dann trat sie näher. Ihr wurde ganz warm ums Herz, als sie sah, wie sehr Hailey sich auf den Hund konzentrierte. "Wann können wir ihn mit nach Hause nehmen?"

"Morgen, wenn er sich weiter so gut macht."

"Ich müsste wissen, was er alles braucht. Ich hatte noch nie ein Haustier."

Er sah sie aus diesen intensiven Augen unverwandt an. "Sie werden eine Leine brauchen, bis er auf Sie hört. Ein paar Hundeschüsseln für Futter und Wasser. Spielzeuge, besonders welche, auf denen er herumkauen kann, bis ..." Er rieb sich den Nacken. "Wissen Sie was? Ich werde mit Ihnen zum Laden fahren und Ihnen ein paar Tipps geben."

Ihr blieb der Mund offen stehen. Schon wieder. "Das müssen Sie nicht. Wenn Sie mir einfach eine Liste schreiben ..."

"Wie wäre es mit sieben Uhr heute Abend? Wir schließen um sechs. Dann hätte ich noch Zeit, unter die Dusche zu springen." Er klang freundlich, aber gleichzeitig duldete sein Tonfall keinen Widerspruch. Er hielt ihren Blick und wartete geduldig auf eine Antwort. Als sie nichts sagte – denn wie lange war es her, dass jemand sich die Mühe gemacht hatte, ihr zu helfen? –, deutete er mit dem Daumen auf die Tür. "Ich muss jetzt zurück zu meinen Patienten. Wir treffen uns um sieben Uhr hier, ja? Ich werde Rosa schicken, damit sie Seraph wieder in den Zwinger steckt, wenn Sie fertig sind."

Und weg war er.

Der Druck, den er mit seiner einseitigen Entscheidung auf sie ausübte, erinnerte sie an ihren Exmann. Aber Cade war nicht wie Richard. Wo Richard kontrollierend und kalt war, war Cade selbstbewusst und warm.

Rosa öffnete die Tür, und sofort fing das Bellen wieder an. "Ruhig", rief sie und ging direkt zu Hailey. "Zeit, ihn zurückzusetzen. Aber du kannst ihn morgen mit nach Hause nehmen. Wie aufregend."

Haileys Blick huschte aufgebracht durch den Raum.

Avery tätschelte ihr durch den Mantel den Arm. "Sie werden sich hier gut um Seraph kümmern, Liebling. Wir sehen ihn morgen."

Rosa beäugte Avery skeptisch. Sie hatte erneut das Gefühl, durchleuchtet zu werden, hatte aber keine Ahnung, warum. "Wie gewöhnst du dich ein? Redwood unterscheidet sich sehr von der großen Stadt."

Avery nickte. "Sicher, aber es ist auch sehr hübsch. Wir müssen uns einfach nur daran gewöhnen."

"Hast du schon einen Job gefunden? Deine Mom meinte, du suchst nach Arbeit."

Sie wandte den Blick von Hailey ab, sah Rosa an und zuckte mit den Achseln. "Bisher hatte ich noch keine Zeit." Sie hatte schon so lange nicht mehr gearbeitet, dass sie nicht davon ausging, dass sie schnell etwas finden würde. "Gibt es eine Arztpraxis in der Stadt?"

Rosa schürzte die Lippen. "Dr. Brad Crest hat seine Praxis am Stadtrand. Sonst müsstest du fünfzig Kilometer weit nach Norden fahren. Warum?"

"Na ja, ich war seit Haileys Geburt Hausfrau und Mutter, aber davor habe ich in einer kardiologische Praxis gearbeitet." Doch dann hatte Richard darauf bestanden, dass sie auf Abruf für Wohltätigkeitsveranstaltungen oder Geschäftsessen zur Verfügung stand. Anschließend hatte er Hailey als Ausrede verwendet, um sie noch mehr zu isolieren.

Sie richtete sich auf. Richard war ein Trottel epischen Ausmaßes, aber sie konnte ihm nicht die gesamte Schuld zuschieben. Sie hatte sich ihm nie widersetzt oder seine Befehle in Frage gestellt. Doch wegen dieser jämmerlichen Ehe hatte sie auch Hailey, und sie fingen jetzt zusammen neu an. Die Vergangenheit lag hinter ihnen.

"Dr. Crest hat bereits eine Krankenschwester und eine Rezeptionistin, also dürftest du da kein Glück haben." Rosas prüfender Blick glitt erneut über Avery. Dann nickte sie plötzlich entschieden. "Du schaffst das! Du bist eingestellt."

"Was?"

Rosa zuckte mit den Achseln, als hätte sie Avery gerade nicht vollkommen überfahren. "Ich will in den Ruhestand gehen. Cade hat bisher keine Anstalten gemacht, einen Ersatz für mich zu finden, und du hast schon Erfahrung."

Avery rieb sich die Stirn. "Ich habe Erfahrung mit Humanmedizin, nicht mit Tiermedizin. Und Sie ... du hast noch kein einziges Zeugnis von mir gesehen."

"Muss ich nicht. Du bist Justines Tochter, und das reicht mir. Außerdem sollst du ja keine Tiere behandeln, sondern am Empfang sitzen und die Praxis managen."

"Stimmt schon, aber ..."

"Wann kannst du anfangen?"

Avery öffnete und schloss mehrmals den Mund. "Ähm, am Montag?" Sie sah Rosa fragend an, die ein Lächeln so breit wie das der Grinsekatze aufgesetzt hatte. "Bist du dir sicher? Das alles geht schrecklich schnell, und du hast mich gerade erst kennengelernt."

Rosa schlug ihr auf die Schulter, so fest, dass Avery fast hingefallen wäre. "Willkommen in Redwood. Das Leben in einer Kleinstadt unterscheidet sich von dem, was du gewohnt bist. Hier passen wir aufeinander auf. Mundpropaganda ist der Heilige Gral, und alle wissen über alles Bescheid."

Okay. Sicher, okay. Wow. Sie hatte einen Job.

"Komm. Ich werde dich herumführen und dir alle vorstellen."

Avery rief Hailey und folgte Rosa zum Empfang. Akten lagen auf jeder verfügbaren Oberfläche, das Telefon klingelte ununterbrochen, im Wartezimmer stapelten sich die Patienten und unter dem Tisch kauerte ein riesiger Hund.

Ein weißer Vogel mit einem hübschen gelben Federkamm auf dem Kopf tänzelte auf einer Sitzstange am Fenster auf und ab. "Krächz. Welcome to the jungle."

Lesen Sie hier, wie es weitergeht

Avery öffnete die Tür zur Klinik und trat in ... absolutes Chaos. Anders als am Abend vorher war das Wartezimmer voller Menschen mit den verschiedensten Hunden und Katzen. Und ... einer Schlange? Ja, einer großen, großen ...

Sie warf einen kurzen Blick auf Hailey, um herauszufinden, ob der Lärm sie störte. Manchmal war es nicht einfach, die Auslöser für ihre Anfälle vorauszuahnen. Hupen und laute Musik regten Hailey am meisten auf. Schreien und laute Stimmen ebenfalls. Doch das Bellen schien sie kaltzulassen.

"Kann ich Ihnen helfen?"

Avery trat vor den Tresen. Die Dame in mittlerem Alter hatte ungewöhnlich rotes Haar. Ihre dünnen Augenbrauen berührten fast ihren Haaransatz.

"Ähm ... wir sind hier, um unseren Hund zu besuchen. Wir haben ihn letzte Nacht gebracht."

Das Auftreten der Empfangsdame wechselte so schnell von irritierter Neugier zu herzlicher Freundlichkeit, dass Avery schwindelig wurde. "Ich bin Rosa. Ich bin die Tante der O’Grady-Jungs. Und du musst Avery sein. Ich darf doch du sagen, oder? Deine Mutter und ich sind gute Freundinnen. Es ist so schön, dich endlich kennenzulernen." Sie trat hinter dem Tresen hervor. "Und du musst Hailey sein." Sie ging vor Averys Tochter in die Hocke, doch Haileys Aufmerksamkeit war auf etwas anderes gerichtet.

Avery mochte es nicht, allen Leuten ständig zu erklären, warum ihre Tochter scheinbar so unhöflich war. Genau genommen konnte sie es nicht ausstehen, sie in die Autismus-Schublade zu stecken, aber andere Leute verstanden es nur, wenn sie es erklärte. Doch bevor sie den Mund öffnen konnte, stand Rosa wieder auf.

"Im Freizeitzentrum von Miles und Anya gibt es noch ein paar andere autistische Kinder. Schau dir das Zentrum mal an", sagte sie und richtete sich dann wieder an Hailey. "Es wird dir gefallen, Süße. Da ist immer viel los, und du kannst neue Freunde finden." Rosa musterte Avery, als plane sie eine Verschwörung. Mit zusammengekniffenen Augen nickte sie kurz. "Ich werde Cade holen, damit er dich zu Seraph bringt."

Avery betrachtete das volle Wartezimmer. "Es ist viel zu tun. Sollen wir ihn vielleicht allein besuchen oder noch mal wiederkommen ...?"

"Ach was. Heute ist nicht viel los."

Nicht viel los? Die Patienten stapelten sich wie Sardinen in der Dose. Avery wollte gar nicht wissen, wie es hier aussah, wenn viel los war. Hinter ihnen fauchte eine Katze und schlug mit der Pfote nach einem Pudel mit roter Schleife um den Hals. Zwei Hunde konkurrierten um das Recht, zuerst den Hintern des anderen zu beschnüffeln, während zwei weitere sich unter den Stühlen ihrer Besitzer verkrochen hatten. Die Schlange hatte sich langsam um den Arm ihres Besitzers gewickelt und schob den Kopf an der Wand nach oben.

Avery schüttelte sich und wandte sich ab. Rosa war bereits hinter den Tresen zurückgekehrt, und Cade kam auf sie zu. Inzwischen trug er dunkelblaue Praxishosen. Gott. Es war einfach ... Er war der Inbegriff männlicher Schönheit, als er mit großen Schritten auf sie zukam. Sehnige Muskeln, breite Schultern, schmale Hüften.

Er grinste sie an und verdammt, ihr blieb die Luft weg. "Wir gehen nach hinten." Er warf einen kurzen Blick ins Wartezimmer und zuckte zusammen. "George, pack dieses Reptil in einen Käfig."

Wortlos folgten sie ihm einen langen Flur entlang und in ein Hinterzimmer, an dessen Wänden sich Käfige mit genesenden Tieren aufreihten. Jaulen und wildes Geheul hallten von den Wänden wider.

"Hier sind die Tiere untergebracht, die über Nacht bleiben."

Hailey lief los und kniete sich vor einen der Käfige.

Bevor Avery sie ermahnen konnte, trat Cade vor und ging neben ihr in die Hocke. "Warte kurz, Krümel. Ich hole ihn für dich raus." Er öffnete den Käfig, griff hinein und zog Seraph heraus, um sich den Welpen an die breite Brust zu drücken. Ein Schutzkragen lag um den Hals des Hundes, aber Seraph stupste Cade trotzdem sofort an, um gestreichelt zu werden. "Ja, du bist ein guter Junge."

Oh. Oh, seufz.

Avery hatte sich so lange zu niemandem mehr hingezogen gefühlt, dass sie fast vergessen hatte, wie das war. Ihre Wangen wurden heiß, und etwas in ihrem Bauch verkrampfte sich.

"Hey, Krümel. Kannst du dich auf den Boden setzen? Dein kleiner Kumpel kann wahrscheinlich noch nicht laufen."

Wie gewöhnlich brauchte Hailey ein paar Sekunden, um seine Worte zu verarbeiten, dann setzte sie sich brav auf den Fliesenboden. Selbst ihre Tochter schien bezaubert.

Sanft setzte Cade ihr Seraph auf den Schoß. Er legte eine Hand auf den Rücken des Welpen, die andere streckte er Hailey entgegen. "Ich werde dir jetzt zeigen, wie du ihn streicheln kannst." Er nahm ihre Hand und strich damit über den Rücken des Hundes. "Genau so", sagte er, als wollte er sie beruhigen. "Gut. Pass nur auf, dass du nicht das Aua an seinem Bein berührst, okay?"

Avery musste sich dazu zwingen, den Mund zu schließen. Er konnte gut mit Tieren und mit Kindern umgehen. Und zwar nicht einfach irgendwelchen Kindern, sondern behinderten Kindern. Er hatte Hailey gesagt, was er tun würde, bevor er es getan hatte, und sprach mit ruhiger Stimme, sowohl mit ihr als auch mit Seraph.

Doppelseufz.

Cade grinste, als Hailey kicherte, dann sah er Avery an. "Sie sind schon beste Freunde."

"Ja", flüsterte sie. Sie räusperte sich, dann trat sie näher. Ihr wurde ganz warm ums Herz, als sie sah, wie sehr Hailey sich auf den Hund konzentrierte. "Wann können wir ihn mit nach Hause nehmen?"

"Morgen, wenn er sich weiter so gut macht."

"Ich müsste wissen, was er alles braucht. Ich hatte noch nie ein Haustier."

Er sah sie aus diesen intensiven Augen unverwandt an. "Sie werden eine Leine brauchen, bis er auf Sie hört. Ein paar Hundeschüsseln für Futter und Wasser. Spielzeuge, besonders welche, auf denen er herumkauen kann, bis ..." Er rieb sich den Nacken. "Wissen Sie was? Ich werde mit Ihnen zum Laden fahren und Ihnen ein paar Tipps geben."

Ihr blieb der Mund offen stehen. Schon wieder. "Das müssen Sie nicht. Wenn Sie mir einfach eine Liste schreiben ..."

"Wie wäre es mit sieben Uhr heute Abend? Wir schließen um sechs. Dann hätte ich noch Zeit, unter die Dusche zu springen." Er klang freundlich, aber gleichzeitig duldete sein Tonfall keinen Widerspruch. Er hielt ihren Blick und wartete geduldig auf eine Antwort. Als sie nichts sagte – denn wie lange war es her, dass jemand sich die Mühe gemacht hatte, ihr zu helfen? –, deutete er mit dem Daumen auf die Tür. "Ich muss jetzt zurück zu meinen Patienten. Wir treffen uns um sieben Uhr hier, ja? Ich werde Rosa schicken, damit sie Seraph wieder in den Zwinger steckt, wenn Sie fertig sind."

Und weg war er.

Der Druck, den er mit seiner einseitigen Entscheidung auf sie ausübte, erinnerte sie an ihren Exmann. Aber Cade war nicht wie Richard. Wo Richard kontrollierend und kalt war, war Cade selbstbewusst und warm.

Rosa öffnete die Tür, und sofort fing das Bellen wieder an. "Ruhig", rief sie und ging direkt zu Hailey. "Zeit, ihn zurückzusetzen. Aber du kannst ihn morgen mit nach Hause nehmen. Wie aufregend."

Haileys Blick huschte aufgebracht durch den Raum.

Avery tätschelte ihr durch den Mantel den Arm. "Sie werden sich hier gut um Seraph kümmern, Liebling. Wir sehen ihn morgen."

Rosa beäugte Avery skeptisch. Sie hatte erneut das Gefühl, durchleuchtet zu werden, hatte aber keine Ahnung, warum. "Wie gewöhnst du dich ein? Redwood unterscheidet sich sehr von der großen Stadt."

Avery nickte. "Sicher, aber es ist auch sehr hübsch. Wir müssen uns einfach nur daran gewöhnen."

"Hast du schon einen Job gefunden? Deine Mom meinte, du suchst nach Arbeit."

Sie wandte den Blick von Hailey ab, sah Rosa an und zuckte mit den Achseln. "Bisher hatte ich noch keine Zeit." Sie hatte schon so lange nicht mehr gearbeitet, dass sie nicht davon ausging, dass sie schnell etwas finden würde. "Gibt es eine Arztpraxis in der Stadt?"

Rosa schürzte die Lippen. "Dr. Brad Crest hat seine Praxis am Stadtrand. Sonst müsstest du fünfzig Kilometer weit nach Norden fahren. Warum?"

"Na ja, ich war seit Haileys Geburt Hausfrau und Mutter, aber davor habe ich in einer kardiologische Praxis gearbeitet." Doch dann hatte Richard darauf bestanden, dass sie auf Abruf für Wohltätigkeitsveranstaltungen oder Geschäftsessen zur Verfügung stand. Anschließend hatte er Hailey als Ausrede verwendet, um sie noch mehr zu isolieren.

Sie richtete sich auf. Richard war ein Trottel epischen Ausmaßes, aber sie konnte ihm nicht die gesamte Schuld zuschieben. Sie hatte sich ihm nie widersetzt oder seine Befehle in Frage gestellt. Doch wegen dieser jämmerlichen Ehe hatte sie auch Hailey, und sie fingen jetzt zusammen neu an. Die Vergangenheit lag hinter ihnen.

"Dr. Crest hat bereits eine Krankenschwester und eine Rezeptionistin, also dürftest du da kein Glück haben." Rosas prüfender Blick glitt erneut über Avery. Dann nickte sie plötzlich entschieden. "Du schaffst das! Du bist eingestellt."

"Was?"

Rosa zuckte mit den Achseln, als hätte sie Avery gerade nicht vollkommen überfahren. "Ich will in den Ruhestand gehen. Cade hat bisher keine Anstalten gemacht, einen Ersatz für mich zu finden, und du hast schon Erfahrung."

Avery rieb sich die Stirn. "Ich habe Erfahrung mit Humanmedizin, nicht mit Tiermedizin. Und Sie ... du hast noch kein einziges Zeugnis von mir gesehen."

"Muss ich nicht. Du bist Justines Tochter, und das reicht mir. Außerdem sollst du ja keine Tiere behandeln, sondern am Empfang sitzen und die Praxis managen."

"Stimmt schon, aber ..."

"Wann kannst du anfangen?"

Avery öffnete und schloss mehrmals den Mund. "Ähm, am Montag?" Sie sah Rosa fragend an, die ein Lächeln so breit wie das der Grinsekatze aufgesetzt hatte. "Bist du dir sicher? Das alles geht schrecklich schnell, und du hast mich gerade erst kennengelernt."

Rosa schlug ihr auf die Schulter, so fest, dass Avery fast hingefallen wäre. "Willkommen in Redwood. Das Leben in einer Kleinstadt unterscheidet sich von dem, was du gewohnt bist. Hier passen wir aufeinander auf. Mundpropaganda ist der Heilige Gral, und alle wissen über alles Bescheid."

Okay. Sicher, okay. Wow. Sie hatte einen Job.

"Komm. Ich werde dich herumführen und dir alle vorstellen."

Avery rief Hailey und folgte Rosa zum Empfang. Akten lagen auf jeder verfügbaren Oberfläche, das Telefon klingelte ununterbrochen, im Wartezimmer stapelten sich die Patienten und unter dem Tisch kauerte ein riesiger Hund.

Ein weißer Vogel mit einem hübschen gelben Federkamm auf dem Kopf tänzelte auf einer Sitzstange am Fenster auf und ab. "Krächz. Welcome to the jungle."

 

***

 

Cade stand neben Flynn im Büro seines Bruders vor dem Leuchtkasten und starrte die Röntgenaufnahme von einem Yorkshireterrier an, der ein Wollknäuel gefressen hatte. "Verrückt, oder?" Seine Hände bewegten sich, um die Worte in Gebärdensprache zu übersetzen.

Flynn nickte. "Hat sich den gesamten Darm verknotet. Drake muss sich auf eine weitere Operation einstellen."

Als es an der Tür klopfte, drehte Cade sich um. Da Flynn taub war, machten sich die meisten Leute nicht die Mühe, zu klopfen. Tante Rosa betrat den Raum, gefolgt von Avery und Hailey.

"Ich möchte euch Avery vorstellen, unsere neue Praxismanagerin. Sie fängt am Montag an, also kündige ich hiermit."

Cades Blick huschte zwischen Avery und seiner umtriebigen Tante hin und her. Avery trat von einem Fuß auf den anderen und starrte mit geröteten Wangen zu Boden. Er und Flynn wechselten einen Blick. Cade sagte in Gebärdensprache: "Sie ist die, die letzte Nacht den Streuner gefunden hat."

Flynn grinste, der Blödmann. "Diejenige, die dich in einen linkischen, hormongesteuerten Teenager verwandelt hat? Super. Du hast recht. Sie ist hübsch."

Er seufzte. Das hatte er jetzt davon, dass er es seinem Bruder erzählt hatte. "Halt die Klappe."

Avery räusperte sich, und dann ... Dreck. Sie gebärdete und sprach gleichzeitig. "Sie sind taub?"

Flynn nickte, während Cade nur starren konnte. Die wenigstens Leute beherrschten die Gebärdensprache. Flynn konnte Lippen lesen, wenn er eine Person direkt ansah. Auf diese Weise konnte er in der Praxis die Sprachbarriere meistens umgehen.

"Sie können Gebärdensprache?" Was bedeutete, dass sie den kurzen Wortwechsel zwischen ihm und seinem Bruder verstanden hatte. Wunderbar. Er schoss wirklich ein Eigentor nach dem nächsten.

"Ja. Ich habe sie gelernt, um mit Hailey zu kommunizieren, da sie nicht spricht. Manchmal benutzt sie Gebärdensprache, wenn sie etwas sagen muss."

Cade war sprachlos, dass sie so höflich war, gleichzeitig zu sprechen und mit Rücksicht auf Flynn alles in Gebärdensprache zu übersetzen. Und erst da drang zu ihm durch, was gerade passiert war. "Du hast jemanden angestellt, ohne vorher zu fragen?"

Rosa verschränkte die Arme vor der Brust. "Du hattest nicht vor, etwas zu unternehmen."

Flynn wirkte amüsierter als Cade. "Hat sie Erfahrung?"

"Ich habe in einer kardiologischen Praxis gearbeitet, bevor ich Hailey bekommen habe. Und ich lerne schnell." Sie biss sich auf die volle Unterlippe. Doch er erkannte mehr als nur Nervosität in ihren dunklen Augen. Sie wirkte, als wollte sie etwas beweisen.

Flynn nickte. "Mir reicht das. Willkommen. Ich bin Flynn." Er reichte ihr die Hand, blickte Cade an und zog eine Augenbraue hoch, als wollte er sagen: Das wird sicher unterhaltsam.

Cade erwiderte den Blick mit seiner Halt-die-Klappe-oder-du-stirbst-Miene. Er kratzte sich am Kinn, weil er wusste, dass er sowieso nichts zu sagen hatte. Und außerdem hatte er ja auch nicht wirklich etwas dagegen, Avery einzustellen. Es wäre nur nett gewesen, vorher gefragt zu werden.

"Und ich bin Cade. Willkommen bei uns in der Praxis, Avery", sagte er also schließlich.

Rosa wandte sich wieder zur Tür. "Ich gehe wieder an den Empfang. Stellt sie Drake vor, ja?"

Auch wenn sie es als Frage formuliert hatte, wusste Cade, dass es einem Befehl gleichkam. Was zur Hölle plante seine Tante? Bevor er etwas erwidern konnte, kam Brent, sein Tierarzthelfer, in den Raum. Himmel, langsam wurde das eine richtige Party.

"Hey, hier seid ihr." Brent musterte Avery von oben bis unten, auf eine Weise, wie es sich nur ein offen schwul lebender Mann erlauben durfte. "Und wer ist das?"

"Avery, darf ich dir Brent vorstellen. So wie es aussieht, ist Avery unsere neue Praxismanagerin."

Brents Augen leuchteten. "Frischfleisch. Hurra. Hast du Gabby schon getroffen? Sie ist die zweite Helferin. Du wirst sie lieben!" Er packte Averys Hand und wollte sie aus dem Raum zerren.

Lachend widersetzte sich Avery seinen Bemühungen. "Ich bin mit meiner Tochter hier. Warte."

Bei ihrem Lachen zog sich Cades Magen zusammen. "Ich kann ein paar Minuten auf Hailey aufpassen." Ihre Meinst-du-das-ernst-Miene passte perfekt zu seinem innerlichen Was zum Teufel tust du da. Als hätte er auch nur die geringste Ahnung von Kindern. Trotzdem nickte er bestätigend. "Drake ist gerade im OP, also kann Hailey nicht mit. Gabby assistiert ihm."

Brent klatschte in die Hände, als hätte er den kleinen Menschen im Raum gerade erst bemerkt, dann ging er vor Hailey in ihrer Ecke in die Hocke. "Hallo. Du bist ja eine ganz Süße. Und so tolle Haare hast du."

Hailey reagierte lediglich mit einem leisen Winken, während sie weiter an die Decke starrte. Aber es war mehr, als Cade bekommen hatte.

Wieder kaute Avery auf diese sexy Weise auf ihrer Lippe. "Vielleicht sollte ich die anderen lieber erst Montag kennenlernen."

Zur Hölle, sie wäre nur ein paar Minuten weg. Wie viel Schaden konnte Cade in dieser Zeit schon an Haileys kleiner Psyche anrichten?

"Geh nur." Cade sah seinen Assistenten an. "Erzähl Drake von dem Yorkshire. Der Hund muss operiert werden." Dann dachte er noch mal darüber nach und beschloss, Drake lieber selbst zu informieren. Das war ein komplizierter Fall.

Flynn tippte ihm auf die Schulter, als hätte er seine Gedanken gelesen. "Geht nur. Ich kümmere mich um die Kleine."

"Ist das auch wirklich in Ordnung?" Avery beäugte Flynn, als bete sie darum, dass er seine Meinung noch mal änderte. Cade hatte den Eindruck, dass sie Hailey nicht oft anderen Leuten anvertraute.

"Ich verspreche, sie nicht mit Nadeln spielen zu lassen."

Avery lachte. Das war schon das zweite Mal, dabei hatte Cade sich noch nicht vom ersten Mal erholt. Sie erklärte Hailey, dass sie gleich zurückkommen würde, dann erlaubte sie Brent, sie am Arm den Flur entlangzuziehen. Cade folgte ihnen.

Brent reichte ihr einen Mundschutz. "Halt ihn dir einfach vors Gesicht und fass nichts an. Und egal, was Dr. Drake sagt, er freut sich, dass du jetzt hier arbeitest." Er beugte sich verschwörerisch vor. "Er ist grummelig."

"Geht klar." Erheiterung leuchtete aus ihren dunklen Augen.

Brent klopfte einmal, dann stiefelte er mit großer Geste in den Raum. "Dr. Drake, Gabby, dieses hübsche Püppchen hier ist Avery, unsere neue Praxismanagerin. Gabby, wir müssen heute Abend was trinken gehen."

Gabby sah nicht auf. "Geht nicht. Hab schon etwas mit meinem Cousin ausgemacht. Und ich habe dir gesagt, dass ich nie wieder was mit dir trinken werde."

"Sag niemals nie."

"Ich meine wirklich niemals." Sie spähte über die Maske. "Ich kann immer noch keine Nachos essen."

Averys Hand an der Maske zitterte. Ihre olivfarbene Haut schien bleicher geworden zu sein. Als Praxismanagerin war sie es wohl kaum gewohnt, in einen offenen Bauchraum zu sehen.

Drake hob den dunklen Kopf nicht einmal. "Ich operiere gerade. Geht weg."

Brent seufzte. "Übersetzung: Avery, schön, dich kennenzulernen."

"Das habe ich doch gesagt."

Gabbys lächelnde blaue Augen huschten zu Avery. "Hey. Wir sind fast fertig. Bist du neu in ...? Verdammt. Cade, sie wird ..."

Ohnmächtig. Und schon lag Avery auf dem Boden. Verdammt.

Brent blinzelte bewundernd. "Wie eine perfekte Südstaaten-Lady."

Drake knurrte. "Verdammt, Cade. Schaff sie hier raus."

Als wäre er derjenige, der sie hierhergebracht hatte. Aber er kniete bereits neben Avery und hob sanft ihren Kopf an. Seidiges, braunes Haar glitt über seine Hände, und ihr beeriger Duft verdrängte den scharfen Geruch des Desinfektionsmittels. Er hob sie hoch. "Mach die Tür auf, Brent."

Er trug sie den Flur entlang in sein Büro, wobei er sich sehr bemühte, die Weichheit ihres Körpers an seinen harten Muskeln zu ignorieren. Dunkle Wimpern flatterten, und ihre Lider hoben sich. Er legte sie auf die Couch und bat Brent, einen feuchten Lappen zu holen, ohne die Augen von ihr abzuwenden.

Er strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht, als ihr Blick wieder klar wurde. "Hey. Bleib noch einen Moment liegen. Du bist in Ohnmacht gefallen."

Sie keuchte. "Bin ich nicht."

Er kämpfte gegen ein Grinsen an. "Ich fürchte doch."

Sie versuchte, sich aufzusetzen. Er ließ es zu und nahm die Hand von ihrer Schulter. Sie sah sich in seinem engen, unordentlichen Büro um und verzog das Gesicht. "Wie peinlich."

Brent stiefelte mit einem feuchten Waschlappen in den Raum. "Ich persönlich fand es eher unterhaltsam. Ich meine: Wuuuusch. Wie eine Feder bist du zu Boden gesunken. Magst du kein Blut, Püppchen?"

Sie ließ den Kopf in die Hände sinken und seufzte. "Anscheinend nicht. Ich habe nicht viel Erfahrung damit. Das ist mir so peinlich. Letzte Nacht bei Seraph ging es mir gut, aber wahrscheinlich war ich da zu panisch, um viel zu bemerken."

Cade sah Brent an. "Sag Flynn, es wird noch ein paar Minuten dauern."

"Oh Gott. Hailey?" Sie versuchte aufzustehen.

"Uh-uh." Er umfasste ihre Handgelenke und schob sie sanft zurück auf die Couch. "Es geht ihr gut. Bleib noch einen Moment sitzen." Er verwendete den beruhigenden Tonfall, mit dem er sonst mit verängstigten Tieren sprach, denn ihre Augen waren weit aufgerissen und der Puls an ihrem Hals raste. Beiläufig drückte er zwei Finger auf ihr Handgelenk und kontrollierte ihren Pulsschlag.

Als er aufsah, zufrieden, dass ihr Herz wieder normal schlug, waren ihre vollen Wangen rot und sie wich seinem Blick aus, als wäre er die Personifikation der Beulenpest. Er ließ seine Hände, wo sie waren – in ihren –, und rieb mit den Daumen über ihre Handflächen. Ihre Haut war im Vergleich zu seinen schwieligen Händen unglaublich weich. Bei der Berührung beschleunigte sich sein eigener Herzschlag.

"Tut dir der Kopf weh? Ich bin mir nicht sicher, ob du ihn dir angeschlagen hast."

Sie schüttelte den Kopf und richtete den Blick auf ihre Füße. Nicht schüchtern, aber offensichtlich sehr verlegen.

Er hatte den Eindruck, dass sie Aufmerksamkeit hasste – oder sie einfach nicht gewohnt war. Voller Bedauern gab er sie frei und richtete sich auf, weil er offensichtlich ihre Scham noch verstärkte. "Ich werde einen Saft holen. Bleib hier."

Im Vorbeigehen streckte er den Kopf in Flynns Büro. Hailey saß im Schneidersitz auf dem Boden und ordnete die Büroklammern seines Bruders ordentlich in Reihen nach Farben.

Flynn, der neben ihr saß, sah auf. "Ich glaube, wir sollten auch ihr einen Job geben. Sie hat ein gutes Auge fürs Detail."

Cade lachte. "Kannst du sie in mein Büro bringen und dich dann kurz um meine Patienten kümmern?"

Er ging in den Pausenraum und schnappte sich eine kleine Flasche Orangensaft. Als er in sein Büro zurückkehrte, war Hailey bereits dort. Avery hatte ihrer Tochter schon den Mantel angezogen und wickelte ihr gerade einen Schal um den Hals.

Er gab ihr den Saft. "Trink einen Schluck, bevor du dich ans Steuer setzt."

Sie nickte und folgte der Aufforderung. Ihr schmaler Hals spannte sich, als sie einen Schluck nahm, und sofort saugte sich sein Blick daran fest. Er fragte sich, ob sie wohl so gut schmeckte, wie sie roch. Erdbeeren oder Melone. Ein sommerlicher Duft.

Sie schraubte den Deckel wieder auf die Flasche und sah ihm endlich in die Augen. "Danke. Tut mir leid, dass ..." Sie wedelte mit der Hand.

"Passiert gerne mal. Jetzt wissen wir, dass wir dich nicht im OP einsetzen können."

Avery tippte Hailey auf die Schulter. "Lass uns gehen, Liebling." Ihr Blick huschte kurz zu ihm und dann wieder zur Seite. Sie schien nicht mehr die selbstbewusste Frau zu sein, die er heute in ihrer Hütte getroffen hatte. "Wir sehen uns am Montag."

"Heute Abend." Als sie die Augenbrauen hochzog, führte er aus: "Heimtierbedarf. Aber ich kann dich auch gerne abholen. Immer noch sieben Uhr?"

"Ja, das ist in Ordnung. Vielen Dank."

Er blieb in der Tür stehen, von wo aus er sie beobachten konnte, als sie am Empfang vorbeiging.

"Krächz. Pretty Woman", sagte der Kakadu.

In der Tat.

Die Autorin

Kelly Moran kommt aus den Südstaaten der USA. "Redwood Love – Es beginnt mit einem Blick" ist der erste Teil einer Trilogie, die sie nun erstmals in Deutschland veröffentlicht. Die Autorin gehört dem Schriftstellerverband "Romance Writers of America" an, der die Autoren romantischer Liebesgeschichten unterstützt. Moran wurde für ihre Herzschmerz-Bücher bereits mit mehreren Awards ausgezeichnet. Die Autorin lebt heute mit ihren drei Söhnen in South Carolina.

Das Buch

"Redwood Love – Es beginnt mit einem Blick" von Kelly Moran ist für 12,99 Euro bei Rowohlt Polaris und für 9,99 Euro als E-Book erhältlich. Die Übersetzung stammt von Vanessa Lamatsch.


© Illustrationen: Sören Kunz; Fotos: PR

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© Autorenbild: privat


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