So halten Freundschaften ein Leben lang

Für Freundschaften muss man etwas tun – sich kümmern, zuhören und auch mal die Klappe halten. Mit unserem Knigge für Freundschaften gelingt Ihnen das spielend.

Almut Siegert

Auf dem Sofa herumliegen und fernsehen - mit der besten Freundin kann man auch das


© Fotolia, iStockphoto | aus der "LAVIVA"-Ausgabe November 2011

Warum wird einer überhaupt mein Freund?

Wir pflegen die romantische Vorstellung, dass es Seelenverwandtschaft war, die uns zueinander geführt hat. Der Psychologe Professor Dr. Mitja Back von der Uni Mainz widerspricht: "Eine ähnliche Persönlichkeit spielt bei der Anbahnung von Freundschaft eine weit geringere Rolle, als wir denken. Wir freunden uns vor allem mit Menschen an, die vergleichbare Bildung und ähnlichen Lebensstil haben, die in der Nähe leben und mit denen wir Interessen teilen."

Suchen wir uns unsere Freunde bewusst aus?

Seltener, als wir denken. Oft entscheidet schlicht der Zufall. Für ein Experiment teilten Mitja Back und seine Kollegen einem Jahrgang neuer Psychologiestudenten vor ihrer ersten Vorlesung ihre Sitzplätze im Hörsaal zu - per Los. Ein Jahr später fragten sie die Teilnehmer, wie gut sie mit ihren Kommilitonen befreundet seien. Das erstaunliche Ergebnis: Es standen sich häufig diejenigen am nächsten, die zu Beginn des Studiums zufällig nebeneinander saßen. Warum aber fühlen wir uns Menschen verbunden, die zufällig neben uns sitzen oder in derselben Straße wohnen? Es könnte sich dabei um eine Art von Selbstverliebtheit handeln - Experten nennen das "impliziten Egotismus". Wir bevorzugen unbewusst, was in einer Beziehung zu unserer eigenen Person steht. Das können die Buchstaben der eigenen Initialen sein, ein ähnliches Geburtsdatum, ein gemeinsamer Geburtsort. Und auch zufällige Nachbarn erhalten einen Sympathiebonus. "Wir mögen, was wir mit ,ich' verbinden können", sagt Back.

Warum haben manche Menschen sehr viele Freunde und andere nur wenige?

Das hat viel mit unserer Persönlichkeit zu tun. Ex­trovertierte Menschen sind unternehmungslustiger, suchen stärker den Kontakt zu anderen und haben deshalb viel häufiger die Gelegenheit, Freundschaften zu knüpfen. Menschen mit einer sehr verträglichen Persönlichkeit wiederum haben viele gute und oft auch langjährige Freunde, weil sie über ein ausgeprägtes Talent zur Beziehungspflege verfügen.

Können Männer und Frauen nur befreundet sein? Es kommt darauf an

Können Männer und Frauen Freunde sein?

Glaubt man "Harry und Sally", so lautet die Antwort eindeutig Nein! Umfragen und Studien zeichnen ein etwas differenzierteres Bild: Etwa die Hälfte der Ergebnisse sagt Ja, die andere Nein. Es kommt nämlich wie immer auf die Umstände an. Die Freundschaftswahrscheinlichkeit zwischen einem Mann und einer Frau steigt erheblich, wenn beide in festen Partnerschaften leben. Mit jedem Jahr, in dem die Beziehung rein platonisch bleibt, sinkt die erotische Attraktion. "Tausendmal berührt, tausendmal ist nix passiert. Tausend und eine Nacht, und es hat zoom gemacht!!" – das passiert nur in Ausnahmefällen. Studien in israelischen Kibbuzim haben ergeben, dass Männer und Frauen, die zusammen groß wurden, kaum füreinander entflammten, sondern meist nur freundschaftliche Beziehungen pflegten. Förderlich für eine Freundschaft ist zudem, wenn der Mann in der Lage ist, Nähe über Gespräche herzustellen und nicht hauptsächlich über körperliche Berührungen.

Die beste Freundin ist schwer verliebt – in einen Idioten. Muss ich ihr das sagen?

Definitiv nein! Verliebtheit ist mit einem milden Drogenrausch vergleichbar. Dieses wunderbare Gefühl sollte man niemandem madig machen. Kritische Worte zeigen in diesem Zustand sowieso keine Wirkung. "Man kann aber Fragen stellen", sagt der Berliner Psychotherapeut Wolfgang Krüger. Warum fühlst du dich zu ihm hingezogen? Was magst du an ihm besonders gern? Wie geht er mit dir um? Hast du manchmal Zweifel, ob es dauerhaft mit euch klappen wird? Damit kann man unter Umständen einen Prozess des Nachdenkens anstoßen. Ansonsten: Taschentücher, Schokolade und aufmunternde DVDs für den Ernstfall bereithalten.

Sollte man Freunden Geld leihen oder mit ihnen Geschäfte machen?

"Wo Geld kehrt und wendt, hat die Freundschaft bald ein End", sagt der Volksmund. "Vorsicht ist auf jeden Fall geboten", davon ist auch Psychotherapeut Krüger überzeugt. Warum? Man vertraut einander und glaubt stillschweigend an eine Übereinkunft, statt klare Vereinbarungen zu treffen. Zum Beispiel, zu wann und zu welchen Konditionen der Betrag zurückgezahlt werden soll. "Wenn man Geld verleiht oder mit Freunden Geschäfte macht, ist es doppelt wichtig, alles schriftlich und detailliert festzuhalten", so der Berliner Freundschafts-Experte. Sonst besteht die Gefahr, dass die Chemie vergiftet wird. Wenn der andere einen schriftlichen Vertrag als Zeichen mangelnden Vertrauens empfindet, sollte man lieber von einer Geschäftsbeziehung absehen, um die Freundschaft nicht zu gefährden.

Guten Freundinnen hilft man normalerweise gerne beim Umzug. Und was ist, wenn es einem gerade nicht passt?

Muss ich einer Freundin beim Umzug helfen, auch wenn es mir gar nicht passt?

Nein. Wichtig ist nur, dass das Thema angesprochen wird und man der Freundin erklärt, warum man ihr nicht helfen kann. Vielleicht gibt es andere Möglichkeiten – zum Beispiel ihr einen Obolus für eine studentische Hilfskraft dazugeben oder einen gemeinsamen Freund fragen, ob er Zeit hat. Auch wenn man mal Nein sagen muss, sollte man sich nicht als schlechte Freundin fühlen. Möbelpacker kann man mieten, einen guten Gesprächspartner nicht.

Wie werde ich ein besserer Freund?

In jeder Freundschaft gibt es Grenzen, die im alltäglichen Miteinander gewohnheitsmäßig akzeptiert werden. Das können bestimmte Themen sein, die ausgeklammert bleiben, aber auch das Ausmaß der Intimität. "Ein guter Freund versucht, diese Mauer immer wieder vorsichtig zu versetzen oder Türen in ihr zu entdecken und der Freundschaft damit eine neue Dimension und mehr Tiefe zu geben", sagt Krüger. Man kann zum Beispiel gemeinsam Fotoalben aus der Kindheit ansehen, sich interessieren und so Neues über den Freund erfahren. Oder eine ungewohnte Aktivität vorschlagen, etwa mit der Freundin, mit der man seit vielen Jahren Sport treibt, einen Wochenendtrip unternehmen. "Als Freund versuche ich zudem, meinen Freund in seiner Entwicklung zu unterstützen. Was bewegt ihn? Für welche Themen glüht er? Wovon träumt er?" Das Wichtigste: Man sollte sich füreinander Zeit nehmen. Denn durch gemeinsame Erlebnisse kann Freundschaft am besten wachsen.

Woran merke ich, dass mir eine Freundschaft nicht guttut?

Trauen Sie Ihrem Bauchgefühl: Wie geht es Ihnen nach einem Treffen? Interessiert sich Ihr Gegenüber für Ihre Themen? Oder ruft Ihr Freund nur an, wenn er etwas von Ihnen will? Ist Ihre Freundin verlässlich? Fühlen Sie sich in ihrer Gegenwart aufgehoben und anerkannt? Was würden Sie vermissen, wenn die Freundschaft nicht mehr bestünde?

Wenn die beste Freundin heiratet, kann das für die Freundschaft einen Bruch bedeuten

Was wird aus unserer Freundschaft, wenn eine heiratet und Kinder bekommt, während die andere Single bleibt?

Umbrüche im Leben treiben Freundschaften oft auseinander. Besonders Bekanntschaften, die noch nicht so lange bestehen oder an einen bestimmten Kontext wie etwa ein gemeinsames Hobby gebunden sind, lösen sich bei gravierenden Einschnitten häufig auch wieder auf. "Freundschaften, die schon mehrere Kontextwechsel erlebt haben, ficht das weniger an", sagt der Mainzer Psychologe Mitja Back. "Die Partner haben dann eine Ebene gefunden, auf der ihre Beziehung keine ständige Aktualisierung braucht und auch ohne konkrete Anknüpfungspunkte existieren kann."

Was unterscheidet Freundschaft von Liebe?

"Freundschaft ist Liebe mit Verstand", lautet ein Bonmot. Tatsächlich überdauern gute Freundschaften oft mehrere Liebesbeziehungen. Sie laufen stabiler und ruhiger, weil wir zu Freunden mehr Abstand haben und uns häufig differenzierter und bedachter verhalten. "Unser Liebesverhalten ist geprägt von den allerersten Beziehungserfahrungen, die wir in unserer Ursprungsfamilie gemacht haben. Das Drehbuch einer Liebe ist stärker als das einer Freundschaft von unbewussten Ängsten und frühen Verletzungen geprägt und deshalb anfälliger für Dramen", sagt Wolfgang Krüger. Ein guter Indikator, wie gut eine Liebesbeziehung in Zukunft funktionieren wird, ist nach seiner Ansicht die Antwort auf die Frage: Wäre ich mit meinem Liebsten auch gern befreundet? Denn: "Ist eine Freundschaft nicht theoretisch denkbar, sollte man diesen Menschen auch nicht als Liebespartner wollen."


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