Wo Mama zur Heldin wird

LAVIVA startet eine Mini-Porträt-Serie. In der Starbesetzung: Mütter! Diesmal berichtet Janine Dudenhöffer, Autorin des erfolgreichen Blogzines Mummy Mag, von Susann Hoffmann. Die gründete vor drei Jahren Edition F, das wichtigste deutschsprachige Medienportal für Frauen.

Von Janine Dudenhöffer
Susann Hoffmann mit Freund und Baby

Mit ihrem Freund teilt sich Susann die Betreuung von Sohn Caspar - aber nicht immer klappen die angepeilten 50:50.

Susann Hoffmann macht das, was viele für unmöglich halten: Sie ist selbstständig mit 20 Angestellten, hat gerade eine Baby bekommen und arbeitet einfach weiter. Allen Unkenrufern sei jetzt gesagt: Nein, das geht nicht auf Kosten des Babys, nein, es wird nicht fremdbetreut, nein, der Vater ist kein Hausmann. Letzterer ist wie sie Unternehmer, und sie teilen sich die Betreuung. Da wird der Minimensch eben zum Stillen ins Office geschoben..

Wenn Susann Hoffmann vor Publikum spricht, fängt man automatisch an, die Ohren zu spitzen. Die aparte Blondine trägt ihr Herz am rechten Fleck, und das hört man bei jedem Wort. Vielleicht ist es genau das, was sie als Unternehmerin so erfolgreich macht. Denn Susann ist eine der beiden Gründerinnen von Edition F, dem reichweitenstärksten deutschsprachigen Medienportal für Frauen außerhalb klassischer Magazinwelten, das gleichzeitig als Jobbörse und interaktive Wissensplattform dient und somit genau den Zeitgeist der Generation Netzwerk trifft..

20 Angestellte - und ein Baby!

Seit der Gründung vor drei Jahren ging es mit Edition F knackig bergauf. Dann wurde Susann schwanger und es änderte sich - nichts! Natürlich hat sich das Leben der Unternehmerin zu 180 Prozent gedreht, aber sie macht genau das, was die Mehrheit der Frauen in Deutschland nicht tut: Sie arbeitet weiter. Deutlich strategischer und weniger operativ, wie sie selbst sagt, aber: Sie ist erreichbar. Nicht unbedingt im Office oder zu Hause, manchmal eben auch in Cafés, im Supermarkt, und überall , wo die junge Mutter mit Baby gerade so steht und geht.

"Der Erfolg des neuen Arbeitens ist von der Kommunikation abhängig", meint die Tochter einer Lehrerin und eines Vertrieblers, die eigentlich Theaterpädagogin werden wollte. Sie und ihre Geschäftspartnerin Nora haben sich bereits vor 8 Jahren, zuerst im Berliner Schurkenkeller, dann während Susanns Ausflug in die Welt der PR und Redaktion kennengelernt - und feilen selbst nach so langer Zeit immer wieder an der Königsdisziplin: "Manchmal missversteht man sich - Nora möchte unterstützen, ich fühle mich unwichtig dadurch. Denn ich muss die Rolle als Teilzeit-Geschäftsführerin erst lernen."

Teilzeit bedeutet für Susann nicht das Abstellgleis. Weder für sie noch für die vier anderen Mütter, die für Edition F tätig sind. "Die Kompetenzen sind ja trotzdem da. Muss man eben delegieren lernen. Produktiver werden Mütter ja laut Studien ohnehin im Job." Behauptet Susann und liefert prompt einen Beweis.

Ein Produkt, das Frauen eine Bühne gibt: Edition F.

Gerade erst ist die Female Future Force Academy gestartet - ein 52-wöchiges digitales Coaching mit 52 Experten, darunter die Personalvorstände Heidi Stopper und Thomas Sattelberger, Blogger-Ikone Jessie Weiß oder Verhandlungsexperte Matthias Schranner. Jede Woche gibt einer von ihnen sein Wissen an die Nutzerinnen und Nutzer weiter. Wie verhandele ich richtig? Wie präsentiere ich so, dass es niemand vergisst? Wie kann ich mich als Speaker für Konferenzen positionieren? Wie geht Social Media richtig professionell? Dieses digital geplante Wissenssharing, das nach nur 7 Tagen das Fundingziel von 100.000 Euro erreicht hat, ist auf Susanns genialem Mist gewachsen - sie setzt es auch maßgeblich um. Und zwar neben dem Alltag mit Baby.

"Mein Kopf steht nie still - deshalb wird es immer neue Ideen und Projekte geben. Ich kann gar nicht anders," sagt Susann. So kommt es, dass Baby Caspar mittlerweile auch Teil der Bürogemeinschaft ist und sie sogar zu manchen Edition F Events begleitet. Als Teil ihres Lebens bekommt Caspar den agilen und flexiblen Rhythmus auch mit, Babysitter nutzen sie bisher keine. Denn das ist eine Kostenfrage - und einen guten Babysitter muss man sich vom Elterngeld bzw. dem reduzierten Teilzeit-Einkommen auch erstmal leisten können.

Elterngeld - keine Hilfe, wo sie benötigt wird

"Elterngeld ist ein Geld für Besserverdiener", findet Susann. "Wer wenig verdient, muss schnell wieder arbeiten, denn mit 60 Prozent von kaum etwas kommt man nicht über die Runden." Und auch diejenigen, die einfach wieder arbeiten möchten, bräuchten Geld für die Betreuung. Abzüge des Elterngelds bei zusätzlichem Verdienst machten dies nicht möglich. "

Außerdem ist die gehaltsabhängige Auszahlung in einer Gesellschaft von besser verdienenden Männern immer wieder der Grund dafür, dass Männer nicht zu Hause bleiben und damit keine gleichberechtigte Erziehungsrolle im ersten Jahr einnehmen", kritisiert die Geschäftsfrau, nicht ohne einen Lösungsansatz zu liefern. "Das Geld mit einem Mindestsatz von 300 Euro solle zweckgebunden für die Kindererziehung auch bei vorzeitigem Wiedereinstieg in den Job zur Verfügung stehen".

Mit ihrem Freund teilt sich Susann die Betreuung von Sohn Caspar 50:50. Zumindest versuchen beide Unternehmer das. In der Realität wird dann doch oft ein 60:40 oder auch mal 70:30 daraus - die Mehrheiten bei der stillenden Mutter.

Baby im Office, Baby im Meeting

Verständlich, dass Geschäftspartnerin Nora mit der großen Freude für ihre Freundin auch große Sorge hatte, was das Baby fürs gemeinsame Geschäft bedeutet. Doch die ist unbegründet: "Weniger Stunden zu arbeiten, heißt nicht, dass man den unwichtigeren oder schlechteren Job macht." Und Susann wäre nicht Susann, wenn sie nicht auch den Anteil ihres Teams daran und die Vorteile darin sehen würde. "Ich glaube, dass der neue Weg auch eine Chance für uns ist, als Arbeitgeber zu wachsen und der Kultur im Team neue Impulse zu geben."

Susann und ihr Freund schaffen es, Baby und Job zu vereinen. Ihr Vorteil: Mitgründerin und Teams tragen das Modell mit. Baby im Office, Baby im Meeting, früher nach Hause, später im Büro oder Konzepte am Wochenende - das geht, weil die beiden Unternehmer sich das so einrichten können. "Als Angestellte hätte ich wahrscheinlich traditioneller gehandelt und wäre eine Weile komplett zu Hause geblieben." sagt Susann - und spricht auch damit vielen Frauen aus dem Herzen.

Die Autorin

Janine Dudenhöffer ist Moderedakteurin des erfolgreichen Blogzines Mummy Mag, Autorin des "Mama-Styleguide" und selbst Mama von zwei Söhnen. Für LAVIVA berichtet Janine wöchentlich von drei Frauen, denen es gelingt, Kind und Job unter einen Hut zu bringen.


© Fotos: Lina Grün; Nora Tabel/Edition F